, doch der erste Blick in meinen Spiegel flößte mir neues Entsetzen ein , so schattenähnlich , so bleich und zerstört trat mein Bild aus ihm mir entgegen . Zum erstenmal in meinem Leben sah ich mich gezwungen , jene kleinen Toilettenkünste zu üben , die ich bis jezt immer mit Verachtung verschmäht hatte , denn ich war zwar fest entschlossen , dem Mann , den ich liebte , mit edler Freimüthigkeit entgegen zu treten , ich wollte ohne Rückhalt und wahr mein ganzes Herz ihm eröffnen , sogar , im Fall dies nöthig würde , zum Bekenntnis des Gefühls meiner übermüthigen Thorheit mich herablassen ; aber zu deutlich in meinem Gesichte lesen , was in meinem Gemüth indessen vorgegangen war , das sollte Bernhard denn doch auch nicht . Der Morgen vergieng größtentheils über dieser Beschäftigung , die ich um mich selbst zu täuschen so zögernd als möglich betrieb . Auch späterhin noch wandte ich alles an , um nur nicht zu bemerken , wie weit der Tag schon vorgerückt , und daß die Stunde längst vorüber sei , in der Bernhard sonst zu kommen pflegte , mein armes Herz schlug aber immer voller und schwerer . Endlich brachte man mir eine nur mit seinem Namen bezeichnete Abschiedskarte , und meinem Vater ein versiegeltes Billet , in welchem Bernhard in ziemlich allgemeinen Ausdrücken für alle bisher ihm gewährte Beweise seines Wohlwollens dankte , und auf unbestimmte Zeit Abschied nahm , ohne jedoch das Ziel seiner Reise dabei zu erwähnen . Mein Vater vermied es mich anzusehen , indem er das Billet , so wie er es still für sich gelesen , mir hinreichte , und nie hat mich etwas tiefer und demüthigender gekränkt . Ich zog mich bald darauf unter dem gewiß nicht ganz ersonnenen Vorwande körperlichen Uebelbefindens in mein Zimmer zurück , und verlebte dort ganz allein ein paar stille einsame Tage ; denn ich bedurfte dieser gar sehr , um nur einigermaßen mich mit mir selbst zu berathen . Nur fort von hier ! war das einzige Ziel meiner Gedanken ; denn die Gesellschaft wieder zu sehen , in der ich Bernhard vermissen sollte , schien mir unmöglich zu sein . Doch wohin sollte ich mich wenden ? ich hatte keine Freundin , sogar nicht einmal eine Bekannte meines Geschlechts , die mir in dieser Verlegenheit Schutz und Obdach hätte gewähren können oder wollen ; sie waren alle vor dem blendenden Glanz entwichen , mit dem meine Eitelkeit mich bis dahin umgab . Einen Augenblick dachte ich zwar daran , zur Herzogin von P * * zu reisen , die beim Abschiede mich mit einer Einladung auf unbestimmte Zeit beehrt hatte ; aber wer konnte mir dafür stehen , daß nicht auch Bernhard mit seinem wunden Herzen zu ihr geflohen sei ? War es in diesem Fall schicklich , oder auch nur verständig , den Verdacht auf mich zu laden , als sei ich absichtlich ihm gefolgt ? Und gesezt ich fände alles dort wie sonst , nur ihn nicht , wie wollte ich das ertragen ! wie alle die Fragen nach ihm ! wie sollte ich täglich und stündlich von ihm reden , ihn preisen hören , ohne zu verzweifeln . Je länger ich über meine Lage nachdachte , je hoffnungsloser erschien sie mir , so daß ich zulezt wahres Mitleid mit mir selbst empfand . Ich konnte nicht fortleben wie ich bis jezt es gethan , das allein war mir deutlich . Das gewohnte schaale Treiben , das ihn , das Bernhard mir verscheucht hatte , widerte jezt mich unbeschreiblich an , doch wie sollte ich hinaustreten ohne lächerlich zu werden , was mir herber dünkte als selbst der Tod ? Meinem Vater , meinem geliebten Vater konnte ich es doch unmöglich zumuthen , meinetwegen Gesellschaften und Gewohnheiten zu entsagen , die Jahre lang seine einzige Freude gewesen waren . So war denn jeder Ausweg mir verschlossen und ich verzehrte mich vergeblich in fruchtlosem Nachsinnen , wie ich es anfangen könne , die Welt zu verlassen , die noch vor wenigen Tagen , als der Schauplatz meines Triumphs , mir unentbehrlich schien und die mir jezt so fürchterlich war . Wahrscheinlich wäre meine Gesundheit diesem Zustande endlich unterlegen , wenn er länger gedauert hätte , doch ganz unvermuthet , wie ein vom Himmel gesendeter Bote des Friedens , kam jezt ein Brief , der aller meiner Verlegenheit ein Ende machte . Ich las ihn mit Entzücken und wäre doch nur noch vor wenig Tagen trostlos gewesen , wenn ich damals ihn empfangen hätte . Er enthielt nichts anders als eine auf Befehl der Pröbstin meines Stiftes an mich gerichtete Aufforderung , doch endlich das von mir schon zu lange umgangene Gesez zu erfüllen , das mir seit ich mündig war die Verbindlichkeit auferlegte , jährlich wenigstens einige Monate im Stifte zu verleben ; dabei versicherte man mich , daß man mir keine fernere Verzögerung dieser Verpflichtung nachsehen könne , indem dieses schon zu lange geschehen sei . Mit kaum zu unterdrückender Freude theilte ich dieses Schreiben meinem Vater mit , und zugleich meinen Entschluß , die Verbindlichkeit , zu der man mich aufforderte , sobald als möglich zu erfüllen . Der gute Vater widersprach mir nicht , er eilte sogar , alle nöthigen Anstalten zu meiner schnellen Abreise zu treffen , aber er war dabei so still , so recht im Herzen traurig , daß es mir durch die Seele gieng . In jedem seiner Blicke , aus seinem ganzen Benehmen gegen mich , sah ich deutlich , daß er nicht nur alles , was in mir vorgieng , errathen hatte , sondern daß auch bange Zweifel in ihm aufstiegen , ob er denn auch wirklich , durch die ausgezeichnete Erziehung , die er mir gegeben , mein wahres Glück begründet habe . Diese Besorgnis , die denn doch wohl in jedem Fall zu spät kam , beugte sichtlich ihn nieder , denn wenige sind stark genug , wenn ein Lieblingsplan mislingt , nur die