und ihren Namen auszusprechen . Kaum hatte Lenardo den Namen Nachodine gehört , so entsann er sich dessen vollkommen ; aber auch mit dem Namen kehrte das Bild jener Bittenden zurück , mit einer solchen Gewalt , daß ihm das Weitere ganz unerträglich fiel , als Valerine mit warmem Anteil die Auspfändung des frommen Pachters , seine Resignation und seinen Auszug erzählte , und wie er sich auf seine Tochter gelehnt , die ein kleines Bündel getragen . Lenardo glaubte zu versinken . Unglücklicher- und glücklicherweise erging sich Valerine in einer gewissen Umständlichkeit , die , Lenardon das Herz zerreißend , ihm dennoch möglich machte , mit Beihülfe seines Gefährten , einige Fassung zu zeigen . Man schied unter vollen , aufrichtigen Bitten des Ehepaars um baldige Wiederkunft und einer halben , geheuchelten Zusage beider Gäste . Und wie dem Menschen , der sich selbst was Gutes gönnt , alles zum Glück schlägt , so legte Valerine zuletzt das Schweigen Lenardos , seine sichtbare Zerstreuung beim Abschied , sein hastiges Wegeilen zu ihrem Vorteil aus und konnte sich , obgleich treue und liebevolle Gattin eines wackern Landmanns , doch nicht enthalten , an einer wiederaufwachenden oder neuentstehenden Neigung , wie sie sich ' s auslegte , ihres ehemaligen Gutsherrn einiges Behagen zu finden . Nach diesem sonderbaren Ereignis sagte Lenardo : » Daß wir , bei so schönen Hoffnungen , ganz nahe vor dem Hafen scheitern , darüber kann ich mich nur einigermaßen trösten , mich nur für den Augenblick beruhigen und den Meinen entgegengehen , wenn ich betrachte , daß der Himmel Sie mir zugeführt hat , Sie , dem es bei seiner eigentümlichen Sendung gleichgültig ist , wohin und wozu er seinen Weg richtet . Nehmen Sie es über sich , Nachodinen aufzusuchen und mir Nachricht von ihr zu geben . Ist sie glücklich , so bin ich zufrieden ; ist sie unglücklich , so helfen Sie ihr auf meine Kosten . Handeln Sie ohne Rücksichten , sparen , schonen Sie nichts . « » Nach welcher Weltgegend aber « , sagte Wilhelm lächelnd , » hab ' ich denn meine Schritte zu richten ? Wenn Sie keine Ahnung haben , wie soll ich damit begabt sein ? « » Hören Sie ! « antwortete Lenardo . » In voriger Nacht , wo Sie mich als einen Verzweifelnden rastlos auf und ab gehen sahen , wo ich leidenschaftlich in Kopf und Herzen alles durcheinanderwarf , da kam ein alter Freund mir vor den Geist , ein würdiger Mann , der , ohne mich eben zu hofmeistern , auf meine Jugend großen Einfluß gehabt hat . Gern hätt ' ich mir ihn , wenigstens teilweise , als Reisegefährten erbeten , wenn er nicht wundersam durch die schönsten Kunst- und altertümlichen Seltenheiten an seine Wohnung geknüpft wäre , die er nur auf Augenblicke verläßt . Dieser , weiß ich , genießt einer ausgebreiteten Bekanntschaft mit allem , was in dieser Welt durch irgendeinen edlen Faden verbunden ist ; zu ihm eilen Sie , ihm erzählen Sie , wie ich es vorgetragen , und es steht zu hoffen , daß ihm sein zartes Gefühl irgend einen Ort , eine Gegend andeuten werde , wo sie zu finden sein möchte . In meiner Bedrängnis fiel es mir ein , daß der Vater des Kindes sich zu den Frommen zählte , und ich ward im Augenblick fromm genug , mich an die moralische Weltordnung zu wenden und zu bitten : sie möge sich hier zu meinen Gunsten einmal wunderbar gnädig offenbaren . « » Noch eine Schwierigkeit « , versetzte Wilhelm , » bleibt jedoch zu lösen : wo soll ich mit meinem Felix hin ? denn auf so ganz ungewissen Wegen möcht ' ich ihn nicht mit mir führen und ihn doch auch nicht gerne von mir lassen ; denn mich dünkt , der Sohn entwickele sich nirgends besser als in Gegenwart des Vaters . « » Keineswegs ! « erwiderte Lenardo , » dies ist ein holder väterlicher Irrtum : der Vater behält immer eine Art von despotischem Verhältnis zu seinem Sohn , dessen Tugenden er nicht anerkennt und an dessen Fehlern er sich freut ; deswegen die Alten schon zu sagen pflegten : Der Helden Söhne werden Taugenichtse , und ich habe mich weit genug in der Welt umgesehen , um hierüber ins klare zu kommen . Glücklicherweise wird unser alter Freund , an den ich Ihnen sogleich ein eiliges Schreiben verfasse , auch hierüber die beste Auskunft geben . Als ich ihn vor Jahren das letztemal sah , erzählte er mir gar manches von einer pädagogischen Verbindung , die ich nur für eine Art von Utopien halten konnte ; es schien mir , als sei , unter dem Bilde der Wirklichkeit , eine Reihe von Ideen , Gedanken , Vorschlägen und Vorsätzen gemeint , die freilich zusammenhingen , aber in dem gewöhnlichen Laufe der Dinge wohl schwerlich zusammentreffen möchten . Weil ich ihn aber kenne , weil er gern durch Bilder das Mögliche und Unmögliche verwirklichen mag , so ließ ich es gut sein , und nun kommt es uns zugute ; er weiß gewiß Ihnen Ort und Umstände zu bezeichnen , wie Sie Ihren Knaben getrost vertrauen und von einer weisen Leitung das Beste hoffen können . « Im Dahinreiten sich auf diese Weise unterhaltend , erblickten sie eine edle Villa , die Gebäude im ernst-freundlichen Geschmack , freien Vorraum und in weiter , würdiger Umgebung wohlbestandene Bäume ; Türen und Schaltern aber durchaus verschlossen , alles einsam , doch wohlerhalten anzusehn . Von einem ältlichen Manne , der sich am Eingang zu beschäftigen schien , erfuhren sie , dies sei das Erbteil eines jungen Mannes , dem es von seinem in hohem Alter erst kurz verstorbenen Vater soeben hinterlassen worden . Auf weiteres Befragen wurden sie belehrt : dem Erben sei hier leider alles zu fertig , er habe hier nichts mehr zu tun und das Vorhandene zu genießen sei gerade nicht seine Sache ; deswegen er