in kurzer Zeit alles untergebracht und angeordnet . Jedermann war logiert , jedermann nach seiner Art bequem , und glaubte gut bedient zu sein , weil er nicht gehindert war , sich selbst zu bedienen . Nun hätten alle gern , nach einer höchst beschwerlichen Reise , einige Ruhe genossen ; der Bräutigam hätte sich seiner Schwiegermutter gern genähert , um ihr seine Liebe , seinen guten Willen zu beteuern ; aber Luciane konnte nicht rasten . Sie war nun einmal zu dem Glücke gelangt , ein Pferd besteigen zu dürfen . Der Bräutigam hatte schöne Pferde , und sogleich mußte man aufsitzen . Wetter und Wind , Regen und Sturm kamen nicht in Anschlag ; es war , als wenn man nur lebte , um naß zu werden und sich wieder zu trocknen . Fiel es ihr ein , zu Fuße auszugehen , so fragte sie nicht , was für Kleider sie anhatte und wie sie beschuht war : sie mußte die Anlagen besichtigen , von denen sie vieles gehört hatte . Was nicht zu Pferde geschehen konnte , wurde zu Fuß durchrannt . Bald hatte sie alles gesehen und abgeurteilt . Bei der Schnelligkeit ihres Wesens war ihr nicht leicht zu widersprechen . Die Gesellschaft hatte manches zu leiden , am meisten aber die Kammermädchen , die mit Waschen und Bügeln , Auftrennen und Annähen nicht fertig werden konnten . Kaum hatte sie das Haus und die Gegend erschöpft , als sie sich verpflichtet fühlte , rings in der Nachbarschaft Besuch abzulegen . Weil man sehr schnell ritt und fuhr , so reichte die Nachbarschaft ziemlich fern umher . Das Schloß ward mit Gegenbesuchen überschwemmt , und damit man sich ja nicht verfehlen möchte , wurden bald bestimmte Tage angesetzt . Indessen Charlotte mit der Tante und dem Geschäftsträger des Bräutigams die innern Verhältnisse festzustellen bemüht war und Ottilie mit ihren Untergebenen dafür zu sorgen wußte , daß es an nichts bei so großem Zugang fehlen möchte , da denn Jäger und Gärtner , Fischer und Krämer in Bewegung gesetzt wurden , zeigte sich Luciane immer wie ein brennender Kometenkern , der einen langen Schweif nach sich zieht . Die gewöhnlichen Besuchsunterhaltungen dünkten ihr bald ganz unschmackhaft . Kaum daß sie den ältesten Personen eine Ruhe am Spieltisch gönnte : wer noch einigermaßen beweglich war - und wer ließ sich nicht durch ihre reizenden Zudringlichkeiten in Bewegung setzen ? - , mußte herbei , wo nicht zum Tanze , doch zum lebhaften Pfand- , Straf- und Vexierspiel . Und obgleich das alles , so wie hernach die Pfänderlösung , auf sie selbst berechnet war , so ging doch von der andern Seite niemand , besonders kein Mann , er mochte von einer Art sein , von welcher er wollte , ganz leer aus ; ja es glückte ihr , einige ältere Personen von Bedeutung ganz für sich zu gewinnen , indem sie ihre eben einfallenden Geburts- und Namenstage ausgeforscht hatte und besonders feierte . Dabei kam ihr ein ganz eignes Geschick zustatten , so daß , indem alle sich begünstigt sahen , jeder sich für den am meisten Begünstigten hielt : eine Schwachheit , deren sich sogar der Älteste in der Gesellschaft am allermerklichsten schuldig machte . Schien es bei ihr Plan zu sein , Männer , die etwas vorstellten , Rang , Ansehen , Ruhm oder sonst etwas Bedeutendes für sich hatten , für sich zu gewinnen , Weisheit und Besonnenheit zuschanden zu machen und ihrem wilden , wunderlichen Wesen selbst bei der Bedächtlichkeit Gunst zu erwerben , so kam die Jugend doch dabei nicht zu kurz ; jeder hatte sein Teil , seinen Tag , seine Stunde , in der sie ihn zu entzücken und zu fesseln wußte . So hatte sie den Architekten schon bald ins Auge gefaßt , der jedoch aus seinem schwarzen , langlockigen Haar so unbefangen heraussah , so gerad und ruhig in der Entfernung stand , auf alle Fragen kurz und verständig antwortete , sich aber auf nichts weiter einzulassen geneigt schien , daß sie sich endlich einmal , halb unwillig halb listig , entschloß , ihn zum Helden des Tages zu machen und dadurch auch für ihren Hof zu gewinnen . Nicht umsonst hatte sie so vieles Gepäcke mitgebracht , ja es war ihr noch manches gefolgt . Sie hatte sich auf eine unendliche Abwechselung in Kleidern vorgesehen . Wenn es ihr Vergnügen machte , sich des Tages drei - , viermal umzuziehen und mit gewöhnlichen , in der Gesellschaft üblichen Kleidern vom Morgen bis in die Nacht zu wechseln , so erschien sie dazwischen wohl auch einmal im wirklichen Maskenkleid , als Bäuerin und Fischerin , als Fee und Blumenmädchen . Sie verschmähte nicht , sich als alte Frau zu verkleiden , um desto frischer ihr junges Gesicht aus der Kutte hervorzuzeigen ; und wirklich verwirrte sie dadurch das Gegenwärtige und das Eingebildete dergestalt , daß man sich mit der Saalnixe verwandt und verschwägert zu sein glaubte . Wozu sie aber diese Verkleidungen hauptsächlich benutzte , waren pantomimische Stellungen und Tänze , in denen sie verschiedene Charaktere auszudrücken gewandt war . Ein Kavalier aus ihrem Gefolge hatte sich eingerichtet , auf dem Flügel ihre Gebärden mit der wenigen nötigen Musik zu begleiten ; es bedurfte nur einer kurzen Abrede , und sie waren sogleich in Einstimmung . Eines Tages , als man sie bei der Pause eines lebhaften Balls auf ihren eigenen heimlichen Antrieb gleichsam aus dem Stegereife zu einer solchen Darstellung aufgefordert hatte , schien sie verlegen und überrascht und ließ sich wider ihre Gewohnheit lange bitten . Sie zeigte sich unentschlossen , ließ die Wahl , bat wie ein Improvisator um einen Gegenstand , bis endlich jener Klavier spielende Gehülfe , mit dem es abgeredet sein mochte , sich an den Flügel setzte , einen Trauermarsch zu spielen anfing und sie aufforderte , jene Artemisia zu geben , welche sie so vortrefflich einstudiert habe . Sie ließ sich erbitten , und nach einer kurzen Abwesenheit erschien sie