nach ihre Reize , die Bäume streuen ihr welkes Laub auf den unbeblümten Boden nieder , kältere Winde regen die stillen Fluthen des Bosphorus auf , und in trüben Tagen , wo der Nebel die gegenüber liegenden Ufer verbirgt , unterbricht nichts die düstere Stille , als der Schall der stärkeren Brandung , die lautseufzend an das Gestade schlägt . Stundenlang sitze ich da oft am Meeresufer , sehe dem Spiel der Wellen zu , betrachte ihr heftiges Treiben , ihr unruhiges Emporstreben , und wie zuletzt jede wieder zurücksinkt in den dunkeln Schooß des Meers , wo keine Spur von ihrem Daseyn bleibt , das mit allen seinen Anstrengungen auf ewig versunken ist . Kann man nicht das Menschengeschlecht mit diesen Wogen vergleichen ? Ach so unruhig , so bewegt , so rastlos streben sie nach einem fernen Glücke , das Jeder anders nennt , und im Grunde Keiner kennt ; sie bemühen sich , sie matten sich ab , und versinken zuletzt alle im Schooß der Erde ; keine Spur bleibt zurück , sie sind dahin , wie ein Schatten - wie Gras auf dem Felde , das am Morgen grünt , und am Abend verwelkt ist . Meines Mannes Laufbahn ist nun aus . Vierzig Jahre sind unter Waffen , Gefahren , und mancherlei Sorgen und Verfolgungen hingearbeitet worden , wenige Tage der Erholung , selten ein Augenblick von Freude ! Und was ist sein Lohn ? Und was ist mein Loos ? Obgleich meine Jahre lange nicht an die Hälfte der seinigen reichen , was habe ich nicht ertragen , gekämpft , verloren ! Einsam , freudenlos , selten so geliebt , wie mein heißes Herz es wünschte , floß , seit ich denken kann , mein Leben hin . Der , für den mein Wesen gebildet schien , ward durch das Schicksal von mir gerissen ; der , dem ich angehöre , hat keinen Sinn für das , was ich bin , und ihm seyn möchte . So schwindet mein Daseyn zwecklos hin . Still , vergessen , unbedauert wird es endlich verlöschen , und Niemand darnach fragen , Niemand darum wissen , daß einst eine unglückliche Larissa lebte . Ach wenn ich nur sagen könnte : Dazu war ich auf der Welt ! Aber ich weiß ganz und gar keinen Zweck , warum ich geboren ward , als - einst die Wärterin eines kränklichen , gebeugten Greises zu werden , der meine Dienste noch meist verkennt , und fast immer ungütig aufnimmt . Dazu ward mir dies heiße Herz ? Dazu führten alle meine verworrenen Schicksale ? Ach Junia ! Wie viel Ergebung und Geduld brauchte ich nicht jetzt , um mich vom Murren zu enthalten ! Agathokles ist fern . Ich werde ihn nie wieder sehen . Das wußte ich , als ich mich von ihm in Nisibis trennte . Nie wieder sehen ! - Nie ! - Demetrius und Agathokles ! Trachene und Nisibis ! Laß mich einen Vorhang über meine Geschichte ziehen , die Asche nicht aufrühren , die über der schlecht gedämpften Gluth meines Herzens liegt ! Ich soll , ich muß ja vergessen ! O wenn es einen Lethe gäbe , und mir ein mitleidiger Engel eine Schaale davon bringen möchte ! Ich will ja leiden , tragen , und alle Geduld mit Unglücklichen haben , die in ihrem Kummer Andere nicht schonen . Aber an das , was war , muß ich nicht immer erinnert werden , nicht immer fühlen , wie es ist , und wie es seyn könnte . Mein Mann hat einen Briefwechsel mit Agathokles verabredet . Er ist zu bequem zum Schreiben , so hat er mir diesen Auftrag gegeben . Ich soll an Agathokles schreiben ! Ich ! Und wie ? So wie Demetrius schreiben würde ? Das ist unmöglich . So wie mein Herz es eingibt ? Das darf ich nicht ! Ich zittre vor dem neuen Sturm , den meine Weigerung erregen wird . Ja , du hast recht , Junia ! Ich war zu schwach , als ich meine Hand in diese Ketten fügte , aber jetzt - ist nichts mehr zu thun . Agathokles hat mir in den letzten Tagen Einiges von Calpurnien erzählt - vielleicht nicht ganz ohne Veranlassung von meiner Seite . Ach , wie er mir das erzählte , und wie er überhaupt die letzten zwei Tage sich betrug , das hätte jeden Funken von Verdacht , auslöschen , und das argwöhnischeste Gemüth entwaffnen müssen ! Ja , ich bin geliebt ! - Aber still , still , nichts mehr von jenen Tagen des Himmels , hier in dem Aufenthalte der büßenden Geister ! Wenn die schöne Calpurnia nach Nikomedien kommen soll - so - so will ich mich bemühen , mich darüber zu freuen . O möchte sie meinen Freund glücklich machen ! Mich betrachte ich als eine schon Verstorbene , und im Grabe hört Eigenthum und Eifersucht auf . Ich will seyn , wie der Geist seiner Geliebten , und mich in den Auen des Friedens freuen , daß mein Agathokles auf der Erde noch glücklich geworden ist . Nein , was ich für ihn fühle , ist keine sträfliche Leidenschaft . Ich bin ja todt , todt für ihn , für die Welt , für mich selbst , nur nicht für meine Pflicht ! Die öffentlichen Nachrichten tragen auch nicht bei , ein düsteres Gemüth aufzuheitern . Heimlich und verborgen glimmen die Funken der Zwietracht unter denen , in deren Hände die Vorsicht das Wohl des Menschengeschlechts gelegt hat . Alle Briefe , die mein Mann von seinen Freunden am Hofe und bei der Armee erhält , bestätigen die traurige Vermuthung , daß es zum Ausbruche bürgerlicher Kriege , und der Erneuerung jener blutigen Auftritte , die so lange Zeit das Unglück und die Schande des Römischen Reichs machten , nur an einer bequemen Gelegenheit fehlt . Zwischen Galerius und Diocletian sollen bedeutende Mißverständnisse walten . Dann sey uns der Himmel gnädig !