so hob doch Walt die ungesehene , süß sprechende Wina viel höher , nämlich in das dunkle tiefste Sternenblau , wo das Höchste und das Schönste glüht und strahlt , ohne Strahlen für uns Tiefe ; gleich den großen Zentral-Sonnen Herschels , welche durch ihre unendliche Größe ihren unendlichen Glanz wieder an sich ziehen und ungesehen in ihrem Feuer schweben . Gottwalt fragte , ob diese Wina die Tochter Zablockis sei . Er hörte , es sei diese eben die Braut - Klothars . Welche Überraschung , sich einen männlichen , markigen , scharfen Geist und Freund mit der sanften Liebe zu denken , mit dem Dämpfer , der das Schmettern zu Nach- und Widerklängen erweicht , einen Heros neben einer heiligen Jungfrau - und auf der andern Seite sich die Braut eines Freundes zu denken , diese höhere geistige Schwester , diese Gott geweihte Nonne im Tempel der Freundschaft ( denn für eine schöne Seele gibt es keine schönere als des Freundes Geliebte ) - - mehr Liebe und Freuden-Träume konnte eine einzige Nachricht schwerlich einem Menschen zuwerfen als die neue dem Notar , die neueste ausgenommen , daß heute beim General die Ehepakten aufgesetzet worden oder doch würden . Der Notar , der aus seiner Abbestellung das Widerspiel wußte , fuhr ordentlich vor der aufgeschobenen Herzens-Szene zusammen , die ihm entgangen war ; » ich glaube , ich sterbe « , dacht ' er , » vor Liebe gegen zwei solche Menschen , die ich auf einmal in ihrer fände ; den Kontrakt würd ' ich ohnehin mit zehntausend Fehlern aufsetzen , und stände mein Kopf darauf . « Er hörte aber noch mehr . Der Graf , sagte die Wirtstafel , heirate sie bei seinem Reichtum nur der Schönheit und Ausbildung wegen , denn er habe zehnmal mehr Geld als der General Schulden . » Was tuts « , sagt ' ein unbeweibter Komödiant , der Väter machte , » die Hehre soll die Liebe und Charis selber sein . « - » Zwar die Mutter in Leipzig , glaub ' ich « , versetzte ein Konsistorial-Sekretär , » konsentiert bequem , da sie lutherischer Konfession ist , so gut wie der Bräutigam ; aber der Vater « - - » Wieso ? « fragte der Komödiant . » Tochter und Vater sind nämlich Katholiken « , antwortete der Sekretär . - » Wird sie die Religion changieren ? « fragte ein Offizier . » Das weiß man eben nicht ( sagte der Sekretär ) ; bleibt sie inzwischen bei ihrer , so sind sehr viele Dinge vorher auszumachen ; und beide müssen durchaus zweimal kopuliert werden , einmal von einem lutherischen Geistlichen , hernach von einem katholischen . « - » Ihr Konsistorien « , sagte der Offizier , » bleibt doch bei Gott ein ganzer wahrer diffiziler , nichtsnütziger , langweiliger Schnickschnack , der mich ordentlich revoltiert ; wie stecht ihr ab gegen einen Feldprediger ! « - So beklommen , als ( nach der medizinischen Geschichte ) Leute erwachen , die in ihrem Schlafzimmer einen Pomeranzenbaum hatten , der in der Nacht die Blüten auftat und sie mit seinem Duft-Frühling überfiel : so stand Walt , mit der süß-nagenden Geschichte am liebewunden Herzen , vom Tische auf . Er wollte , er mußte die Brautleute sehen . Wina , die er früher als der Graf wenigstens gehört , konnt ' er ordentlich bitten , ihn dem Bräutigam , und diesen , den er längst gesehen und gesucht , ihn der Braut vorzustellen . Sehr hatt ' ihm an der Wirtstafel die Bemerkung gefallen , daß Wina eine Katholikin sei , weil er sich darunter immer eine Nonne und eine welsche Huldin zugleich vorstellte . Auch daß sie eine Polin war , sah er für eine neue Schönheit an ; nicht als hätt ' er etwa irgendeinem Volke den Blumenkranz der Schönheit zugesprochen , sondern weil er so oft in seinen Phantasien gedacht : Gott , wie köstlich muß es sein , eine Polin zu lieben - oder eine Britin - oder Pariserin - oder eine Römerin - eine Berlinerin - eine Griechin - Schwedin - Schwabin - Koburgerin - oder eine aus dem 13. Säkul - oder aus den Jahrhunderten der Chevalerie - oder aus dem Buche der Richter - oder aus dem Kasten Noäh - oder Evas jüngste Tochter - oder das gute arme Mädchen , das am letzten auf der Erde lebt gleich vor dem Jüngsten Tage . So waren seine Gedanken . Den ganzen Tag ging er in neuer Stimmung herum - so kühn und leicht , als lieb ' er selber , war ihm - und doch war ihm wieder , als wenn er zwar alle habe , aber keine - er wollte Winen eine Brautführerin zuführen , in die er selber sterblich verliebt wäre - er lechzete nach dem Bruder , nicht um ihn darüber zu belehren oder zu vernehmen , sondern um eine liebe Menschenbrust zum Druck an seine zu haben - ein großer Regenbogen abends in Osten spannt ' ihn noch höher . Der leichte schwebende Bogen schien ihm ein offnes Farben-Tor für ein unbekanntes Paradies - es war der alte glänzende Siegesbogen der Sonne , durch welchen schon oft so viele schöne , tapfere Tage gegangen , so viele sehnsüchtige Augen gesehen . Auf einmal fiel ihm ein gutes Mittel ein , drei Wünsche zu befriedigen , zwei laute und einen stillen . Nr. 20. Zeder von Libanon Das Klavierstimmen Es ist bekannt , daß nach der sechsten Klausel des Testamentes der Notar auch einen Tag lang stimmen muß , um zu erben . Längst hatt ' ihn außer Vult noch sein Vater , der nicht erwarten konnte , wie der sogenannte Regulier-Tarif oder die geheimen Artikel Fehler setzen und strafen würden , um Verwaltung dieses Erb-Amts als des kürzesten angelegen , um hinter die Ehrlichkeit des sel . Testators zu kommen ; aber Walt hatte beiden stets das Unrecht entgegengesetzt , den alten gebenden Mann