. Eine jubelnde Symphonie von vielen Instrumenten , die zwischen den Bäumen versteckt waren , empfing sie . Juliane trug ein weißes Kleid von der feinsten Gaze , das in leichten Falten bis zu den Füßen herabfiel , unter der Brust war es von einer Reihe Smaragden zusammengehalten , ihre Haare in eigner Pracht , ohne allen Schmuck aufgesteckt ; feine goldne Kettchen zierten Hals und Arme , auf dem schönen Busen wiegte sich ein Stein von Diamanten . So schwebte sie aus dem Schatten der Bäume hervor , herrlich geschmückt , doch leicht und kunstlos . Augen und Herzen flogen ihr entgegen . Eine selige Heiterkeit verklärte ihr Gesicht beim Anblick der frohen Menge . Ihre Eltern an der andern Seite des Platzes erblickend , wollte sie sogleich zu ihnen herüberfliegen ; ihre eiligen Schritte aber wurden von Kindern gehemmt , welche sie mit Blumenketten umgaben und festhielten ; zugleich näherte sich ihr mit Gesang der Trupp junger Mädchen . Sie hob Theresen zu sich hinauf , küßte sie , und ließ sich den blühenden Kranz von ihr auf die Locken drücken . Mit nassen Augen lächelte sie beim Gesang der Mädchen , die einen Korb mit den schönsten Blumen zu ihren Füßen niedersetzten . Kaum hatte sie sich in den Armen ihrer Eltern von der freudigen Rührung erholt , als die beiden Knaben , Julianens Brüder , einen kleinen Wagen ganz von Rosen durchflochten herbeizogen , die Kinder zwangen sie scherzend hinauf , sie setzte sich unter eine Art von Rosenthron . Therese stand ihr auf dem Schoß , der Blumenkorb zu ihren Füßen , so ward sie im Thriumph und Freudengeschrei fortgezogen ; das Ganze sah so reizend und zauberisch aus , daß man einen Feenaufzug zu sehen glaubte . So ging es fort nach einem stillen entfernten Teil des Parks , wo das Frühstück bereitet war . Zwischen den Büschen standen blühende Orangenbäume , die einen balsamischen Duft verbreiteten . Wo man hinsah , erblickte man Julianens und Eduards Namen aus Blumengehängen . Die Bäume waren durch ebensolche Blumengehänge verbunden , und das Ganze bildete einen vollen bedeutenden Blütenkranz . Von verschiedenen Seiten in kleiner Entfernung ließen sich Oboen und Waldhörner bald wechselnd , bald zusammenstimmend hören , und wenn sie schwiegen , erschallte ganz von ferne die fröhliche Musik bei den Landleuten herüber . Jedes Geräusch war entfernt , alle saßen schweigend und horchend , jedes schien beschäftigt , die Freuden mit allen Sinnen in sich aufzunehmen . Florentin verglich im stillen den Eindruck dieses kleinen Tempels mit dem des prangenden Schlafgemachs , das er gesehen , und es ist leicht zu erraten , welches er sich von beiden am liebsten zum Allerheiligsten im Heiligtum der Liebe ausersehen hätte . Von tausend süßen Gefühlen durchströmt , das Herz pochend von liebevoller Ahndung , lehnte Juliane das glühende Gesicht an den Busen ihrer Mutter , Eduards Lippen ruhten auf ihrer Hand , die er mit den seinigen umschlossen hielt . - » Meine Juliane , mein angebetetes Mädchen ! « sprach er im Entzücken der Liebe , » werde ich dich jemals so glücklich machen können , als du in den Armen der Mutter bist ? « - » Sie bleibt in den Armen ihrer Mutter « , sagte Eleonore , sie sanft an sich drückend , » auch wenn sie die Ihrige sein wird ! Sie rauben sie uns nicht , lieber Eduard ! « - » Mögt Ihr beiden das höchste Glück jedes das seine im andern finden « , sagte der Graf , indem er sie umarmte , » Ihr seid mein kostbarstes Kleinod . Gott verleihe euch seinen reichsten Segen in dem meinigen ! « - Die Rede des Grafen schien erst bestimmt zu sein , noch mehreres zu enthalten , er brach aber mitten darin ab , und sah nach seiner Uhr mit einiger Bedenklichkeit . » Ich hätte sehr gewünscht « , fing er wieder an , » noch einige Zeit in diesem vertraulichen Kreise zu verweilen , aber ich sehe soeben , daß wir keine Zeit mehr zu versäumen haben : Juliane , du mußt an deine Toilette denken , wir müssen uns ja noch alle umkleiden . « - » Bleibt die Gräfin Juliane nicht so , wie sie da ist ? « fragte Florentin ; » das werden wir bedauern müssen ; sie ist so schön in diesem Anzuge , daß keine Veränderung vorteilhaft für sie sein kann . « - » Es ist wahr « , sagte der Graf , » aber hier darf nicht die Rede von der Schönheit der Kleidung sein , sondern von der Schicklichkeit . In dieser kann sie nicht öffentlich getraut werden , heute müssen wir notwendig in Gala sein . Wenn uns nur die Fremden nicht überraschen , wir haben zu lange verweilt . « - » Nun laßt uns zurückgehen « , sagte Eleonore , » wir finden wahrscheinlich schon einige versammelt . Auch unser wunderlicher Obristwachtmeister wird wohl schon aufgestanden sein ; es wird mich belustigen zu sehen , was er zu unserm Volksfeste sagen wird ; ich wette , er findet etwas gegen die Humanität darin zu tadeln . « - Man trennte sich . Jeder ging auf sein eignes Zimmer . Eleonore fand , daß sie noch eine Stunde übrig hatte , sie verschloß sich in ihr Kabinett und schrieb folgenden Brief an Clementinen , die in der allgemeinen Freude von allen schmerzlich vermißt ward . Eleonore an Clementina Mitten aus dem festlichen Getümmel , und in unruhiger Besorgnis , jeden Augenblick abgerufen zu werden , schleiche ich mich in meine Kammer , um Dir einige Worte zuzurufen : Ich will meinem Herzen diese Freude nicht versagen , ich will zu Dir reden , will mir einbilden , Du säßest neben mir , und ich sähe es dem lieben Gesicht an , wie Dein Herz die Freuden des meinigen teilt . Aber auch schelten muß ich mit Dir , Du Unvernünftige ! Wie ? Juliane wird