so viel Speiseöl , als nur im Hause vorräthig wäre und trug den jetzt Widerstrebenden die Stiege hinauf ... Auf den Moment des Erschreckens und des gewaltsamen Sichloswindens , wenn Hubertus bei dieser Procedur heimlich dem von ihm Getragenen ein Wort der Erkennung zuflüstern würde , war er gefaßt ... Soyez tranquille , Jean Picard ! flüsterte er ihm mitten auf der Treppe ins Ohr ... Auf das durch dies Wort wie von einem galvanischen Schlage getroffene mächtige Aufzucken , Umsichschlagen und Sichaufrichtenwollen des Halbgelähmten hielt ihn Hubertus , wie man einen Epileptischen bändigt , Glied an Glied ... Oben empfing sie Frau Schmeling ... Starr , mit aufgerissenen Augenlidern , sah Bickert in die festen Augen des Mönchs ... Es war ein Bild , wie auf der Guillotine sich ein Opfer niederwerfen mag , um nicht erst mit den Armen festgebunden zu werden ... Doch ein feierliches ruhiges Schweigen lag sogleich wieder auf Hubertus ' Lippen ... Bickert ließ sich jetzt behandeln wie ein Kind ... Wie eine Geistesverwirrung mußte es über ihn kommen , als der Mönch fortfuhr : Waschen Sie ihm doch auch das Gesicht , Frau ! Ei , ei , ei ! Allerdings ! Ihr sauberes , sauberes Bett ! Für wen ist ' s denn diesmal bestimmt ? ... Das ist ja gerade wie dazumal bei unserer armen Hedwig ! Wissen Sie noch ? Ziehen Sie nur gleich die Ueberzüge herunter ! ... Aber ich will ihn doch erst ein bischen sauberer machen ... Seinen Rock hab ' ich nicht mitgebracht , aber all sein Geld ... ja all sein Geld ... Nur heißes Wasser jetzt und das Oel ... Ich mach ' s so gut , wie im Spital ... Bis dahin war ' s mir denn doch für die Last zu weit ... Es war ein geräumiges Schlafzimmer , einfach , aber sauber gehalten , wo Hubertus den aus seinen Schmerzen nicht mehr Aufstöhnenden , nur vor Furcht und Schrecken in einem starren Schweigen Beharrenden auf eine Strohmatratze legte , die er aus dem Bett genommen und auf die Erde gebreitet hatte ... Dann nahm er das inzwischen heraufgebrachte Oel , verlangte Leinzeug , an dem im Hause kein Mangel war , und bestrich damit die verbrannten Hände , die er dann in die leinenen Streifen einschlug , den Einschlag mit Bändern befestigend ... Bickert sah bei alledem bald ihn , bald die Frauen starr an und wagte keine Frage , erwartungsvoll , was in dieser Lage ihm noch werden sollte ... Hubertus plauderte immer fort , schilderte das Feuer , lobte die Aufopferung des Geretteten , sprach harmlose Vermuthungen über den Grund des Brandes aus und endete , wie nur so ganz gelegentlich , mit den Worten : Im Feuer - ja da bin ich auch groß geworden , wenigstens in vierzig Grad Hitze - und schon früh hab ' ich meine Haut zum Braten hergeben müssen ! Einmal - ei schon als Junge - nein , ich konnte doch schon von den neuen Tabackstengeln rauchen , die die Spanier dazumal unter Napoleon mitbrachten - als ich zwei Stock hoch aus einem Brand hinuntersprang , zwei Schlingel im Arm , Jantje der eine und der andere - Wenzel hieß er ... So elektrisch getroffen fährt im Käfig ein Panther auf , wenn er die Nähe seines Wärters spürt , streckt den Kopf , reckt die Ohren und starrt erwartungsvoll ins Leere , wie jetzt Bickert ... Der Mönch drückte wieder ihn mit nervigem Arme , aber scheinbar ganz harmlos , nieder ... Ruhig , ruhig ! sagte er . Jetzt kommen wir ja an die Sonntagswäsche ! Brav , Jungfer ! brav ! Nur her mit dem Schwamm ! ... Schade wär ' s freilich um eure Betten ! Und um eure Prinzessin ! Eure weiße Unschuld ! Richtig - Jantje ! Von dem sprach ich ... Na , dem wäre schon damals besser gewesen , er hätte das Zeitliche gesegnet ! Verstand hatte er ohnehin nur halbwegs ! Manchmal - da kam ein bischen guter Wille zum Vorschein ! Sonst - Hier her , Frau Schmeling ! Gelt , Landsmann , der Schwamm thut gut ? ... Ja , Mutterchen , könnten wir Pfaffen doch überall so die Sünden und Brandmale wegtilgen - - besonders die an uns selbst ! ... Während Frau Schmeling die Bemühungen der Pfaffen um solche Seelenwäsche nach ihren neuesten Erfahrungen als höchst problematisch schilderte und namentlich die neueste hierländische Seife als viel zu beizend verwarf , wusch Hubertus die entblößten Arme , auf denen er schon längst beim Herübertragen des Bewußtlosen vom Schlosse die verhängnißvollen Zeichen erblickt hatte ... Seid Ihr denn da so kitzlich ? fragte er , als Bickert dem Aufknöpfen der Jacke und dem Aufstreifen der Aermel wehrte ... Laßt doch ! ... Franz Bosbeck , wie ich sonst hieß , ist ja keine zimpferliche Dame ! Mir gegenüber - Ei Jantje , Jantje - Seid doch nicht so verschämt ! Solche Muttermäler kenn ' ich ja ! So ! Es macht sich ... Die Frauen hörten diese Reden nicht alle ; sie gingen ab und zu , trugen das schwarze Spülicht fort , trugen die Kleider hinaus , brachten ein frisches Hemd , frisches Wasser . Ehe dann zuletzt eine Suppe kam , die Hubertus schon beim Hinaufsteigen bestellt hatte , reichte er noch einmal dem mit geöffneten Lippen ihn Anstarrenden die Korbflasche ... Bickert trank zwar , sprach aber für sich Fluch auf Fluch , wilde Worte , die er sogar - mit der Mutter Gottes bekräftigte ... Welche denn ? fragte rasch Hubertus . Doch wol die Mutter Gottes von Neus ? Eine in seinen heimatlichen Niederungen weit und breit verehrte Madonna ... Eine andere ! sagte Bickert , drückte seine Augen zu und sank aus seinem Trotz in Erschöpfung zurück ... Mütterchen , flüsterte jetzt Hubertus , nun hilft da nichts ! Die Nacht halt ' ich hier oben Wache ! Die Matratze liegt schon da ; ein