blaß , als das Wort seinem Munde entflohen war . Er hätte viel darum gegeben , es nicht ausgesprochen zu haben , sehr viel ! Denn er erschrak vor dem wilden Blicke des jungen Mannes , der ihm gegenübersaß , vor dem unheimlichen Zucken seines schönen Mundes . Sie schwiegen beide ; Cäcilie klopfte das Herz , daß sie wähnte , die Andern müßten es hören können . So entschwanden ein paar Minuten . Renatus konnte zu keinem Entschlusse kommen . Einmal stand er auf dem Punkte , seinen Ausspruch als eine bildliche Redeform auszugeben , dann wieder meinte er mit der Enthüllung dieses Geheimnisses einen Zügel gewonnen zu haben , durch den er den unruhig phantastischen Sinn des jungen Mannes wirksam lenken könnte ; aber Valerio ' s heißes Blut trieb ihn zu schnelleren Entscheidungen , als Renatus sie zu fassen gewohnt war , und sich hoch aufrichtend wie ein tragischer Held , denn bei seiner Künstlernatur war er sich selbst in diesem Augenblicke noch ein Gegenstand der Darstellung , sagte er : Ich hoffe , meines Vaters Namen wirst Du mir wohl lassen müssen , da er diesen nicht , wie seinen Besitz , ausschließlich nur auf Dich vererben konnte ! Meinen Namen wenigstens danke ich doch Deiner brüderlichen Gnade nicht ! Nicht ? rief Renatus , der jetzt seiner selbst nicht länger Herr war , nicht ? - Und er hätte in seiner zornigen Empörung Tausende hinzuwerfen vermocht , hätte er die Beweise von Vittoria ' s Untreue , von Valerio ' s unrechtmäßiger Geburt dem Jünglinge unter die Augen halten können , der ihm zu trotzen wagte , nachdem er Unehre auf den alten Namen seines Hauses gebracht hatte . - Frage Deine Mutter , ob Du ein Arten bist ! Frage Deine Mutter , ob sie und Du nicht meinem Schweigen , meiner Ehrfurcht vor dem Namen meines theuren Vaters die Stellung verdanken , die ihr einnehmt ! Ein Wort von mir .... Er brach ab und bedeckte sein Gesicht mit seinen Händen . So weit hatte man ihn gebracht , so weit war er von sich selber und von den Ehrbegriffen seines Hauses abgefallen , daß er dem Leichtsinne eines Jünglings wie Valerio das Geheimniß anvertraute , welches der verstorbene Freiherr der Ehre seines Sohnes zu hüten gegeben hatte ! So weit hatte er sich vergessen , daß er Vittoria , die Freundin seiner Kindheit und Jugend , daß er die Mutter bloßstellte vor dem Urtheile ihres Sohnes - eines jungen Menschen , dessen Keckheit vor keinem Aeußersten zurückschrak ! Seine Unzufriedenheit mit sich selber kannte keine Grenzen , er schämte sich vor seinem eigenen Weibe ; und wie konnte er jetzt noch darauf hoffen , ein irgend erträgliches Verhältniß zwischen Vittoria und Cäcilien aufrecht zu erhalten , da er selber Vittoria als eine Ehebrecherin angeklagt , da er es Cäcilien jetzt verrathen , was er auch ihr bisher mit ängstlicher Geflissenheit verborgen und fern gehalten hatte ! Wie ein Wetterstrahl war das unglückselige Wort zwischen sie Alle niedergefahren , Alles zerstörend , Alle lähmend . Renatus rang nach Fassung ; aber es war Valerio , der sich zuerst bezwang , der sie zuerst erlangte . Die wilde Aufregung in seinen Mienen hatte nachgelassen , seine Stimme klang weich , und in einer Weise , welche seine große Erschütterung verrieth , sagte er : Du hast ein Wort ausgesprochen , über das ich in ' s Klare kommen muß ! Es zwingt mich , Dir eine Frage vorzulegen : War es nur der Zorn , der Dich jene Worte brauchen ließ , oder sagtest Du die Wahrheit ? Bin ich des Freiherrn Sohn , oder bin ich ' s nicht ? - Ist ' s deßhalb , daß ich fast ohne Antheil an unseres Vaters Erbe blieb , obschon unsere Güter nicht Majorate sind ? - Ist ' s deßhalb , daß meine Mutter in einer Weise von Deinem guten Willen abhängt , die für die Wittwe unseres Vaters mir schon seit lange unbegreiflich erschienen ist ? Bin ich Dein Bruder , bin ich ' s nicht ? - Und wieder in seinen Trotz zurückfallend , rief er heftig : Ich muß doch wissen , wer ich bin ! Dies wenigstens , diese Wahrheit habe ich von Dir zu fordern ! Der Freiherr maß ihn vom Wirbel bis zur Sohle . Das Pathetische in des Jünglings Erscheinung , das ihm immer mißfällig gewesen war , reizte ihn jetzt doppelt . Alles , was er seit Jahren und Jahren Lästiges und Schweres um Vittoria ' s wegen auf sich genommen , alle die Opfer , die er für sie und auch für Valerio gebracht , die quälenden Eindrücke , welche er seit gestern um des Letzteren willen durchzumachen gehabt hatte und mit denen er noch nicht zu Ende war , belasteten den Freiherrn wie ein einziger , gewaltiger Druck . Sein ganzes Leben war von Rücksichten auf seines Vaters Willen , auf die Ehre seines Hauses und Namens geleitet und bestimmt worden , und was hatte er damit erreicht ? Es war genug der Opfer , der Rücksichten auf Andere ! Nur an sich selber , an seine persönlichen Verhältnisse , an die Aufrechterhaltung seines Namens und seiner Ehre hatte er noch zu denken ; es war Zeit , seine Rechnung mit denen abzuschließen , die ihm dies erschwerten . In ihm , dessen war er sich bewußt , lebte der wahre Sinn seines Geschlechtes , er mußte sich und für sich die Möglichkeit des Fortbestehens zu erhalten suchen . Wollte er nicht untergehen zusammt dem Weibe , das sich ihm in Liebe anvertraut , so mußte er , wie bei einem Schiffbruche , endlich Alles von sich stoßen , was sich hemmend an ihn klammerte , was sich wider ihn zu erheben drohte , und finster , wie der Geist , der über dieser Stunde waltete , sagte er : Was fragst Du mich ? Lege diese Frage Deiner Mutter vor ! Valerio erhob