dies große , feuerfeste Gewölbe , zu denen man durch eine niederwärts gehende Treppe von der Straße herabstieg und die nach jenem Verbindungshofe mit dem Rathhause wieder ihren Ausgang hatten . Der Rathskeller war immer nur den tüchtigsten und empfohlensten Küfern anvertraut worden . Es war eine Pachtung , die man vom Rathe nicht meistbietend , sondern nach einer Prüfung erstand . Die gewaltigen Vorräthe aus alter Zeit , die man mehr der Curiosität als der Nutznießung wegen gesammelt hatte , standen unter der Pflege dieses Rathskellermeisters , während der übrige Theil seines Geschäftes auf eigene Rechnung ging . Der gegenwärtige Rathskeller war eins der beliebtesten Stelldicheins der Stadt geworden . Man fand nicht nur an den vorzüglich gehaltenen Weinen seinen Gefallen , sondern auch an der außerordentlich gemüthlichen Einrichtung dieser vielen kleinen Souterrains . Wenn man von der Straße etwa acht Stufen niedergestiegen war , betrat man einen langen Gang , der auch den ganzen Tag schon durch Gaslicht erleuchtet und an den Wänden nicht ohne Geschmack in Fresko bemalt war . Links und rechts gingen schwere eichene , größtentheils neue Thüren zu kleinen , fensterlosen , grünangestrichenen Cabineten , die alle von einer Gasflamme erhellt waren . Diese durch dicke Grundmauern getrennten Cabinete waren groß und klein , je nachdem man möglichst allein oder in größerer Gesellschaft sein wollte . Klingeln führten auf den Gang hinaus und setzten jeden noch so isolirten Besucher mit den Kellnern , die im Schurzfelle als Küfer auftraten , in Verbindung . Mit der Kellerei war eine sehr gut unterhaltene Speisewirthschaft verbunden . Dieser Rathskeller war eins der ältesten Gebäude der Stadt . Man setzte es auf die Zeiten des vierzehnten Jahrhunderts zurück und mancher Alterthümler betrachtete voll Theilnahme seinen Giebel oder ließ sich den innern Bau zeigen , der verfallen war , unwegsam durch die hier aufgeschichteten Papiervorräthe , alten Schränke , Pulte , Stühle , aber durch seine Bauart und die Behandlung des Balkengefuges noch mannichfaches Interesse bot . Ursprünglich gehörte dies Haus denselben Templern , die in Tempelheide einen Hof hielten . Es war das Profeßhaus des Ordens gewesen , der in Deutschland sich länger erhielt als irgendwo und , wie wir wissen , auf Befehl des Papstes in den St.-Johanniterorden , ohne weitere Anfechtungen zu bestehen , überging . Bis zur Reformation gehörte dies Profeßhaus den Johannitern , und nach ihr , als diese norddeutschen geistlichen Ritter protestantisch wurden , rechnete man es gleichfalls zu jenen Besitzungen , die bei der Theilung der unglaublich ausgedehnten Güter des Ordens dem Ritter Hugo von Wildungen überwiesen wurden . Noch jetzt sah man das alte dreiblätterige Kleeblatt an den vier Enden des Kreuzes am höchsten Giebel des Rathskellers und fand es auch sonst auf sinnige Weise hier und da so zu architektonischer Verzierung benutzt , daß der kreuzliebende Don Eusebio in Calderon ' s Andacht zum Kreuze darüber seine freudigsten Schauer würde empfunden haben . Es war nach sieben Uhr und schon dunkel , als in dem Verbindungshofe des Rathhauses und des Rathskellergebäudes zwei Männer standen , die einen Dritten zu erwarten schienen . Der Eine war eine hohe stattliche Gestalt mit dickem Backenbart und einem tief über die Stirn gedrückten Hute . Der Andere klein und schmächtig und wie von Hektik gebeugt , kurzathmend und klapperdürr . Zum Henker mit Ihrer Schwerhörigkeit , sagte der Starke und Stattliche zu dem Schmächtigen , der ihn schon einige Dutzendmale mit seinem Wie ? Wie sagten Sie ? geplagt hatte . Und sich dicht an das Ohr des Fragenden lehnend , rief er hinein : Haben Sie ihm punkt Sieben gesagt ? Punkt Sieben , Herr Oberkommissair ! Der Oberkommissair Pax zog seine Uhr und ließ sie repetiren . Es war sieben Uhr . Der Erwartete kam noch immer nicht . Ungeduldig ging der Harrende auf und ab . Hier lagen alte Balken , da standen Tonnen , die zur Kellerei gehörten . In mancher Ecke hing noch eine eiserne Kette oder ein Ring , der früher zu den in den Rathhaushöfen üblichen Executionen benutzt wurde . Der Oberkommissair spielte ungeduldig mit einem dieser Ringe und sah zu den Fenstern des Rathhauses hinauf , die nach dieser Seite hin vergittert waren . Ein menschliches Wesen ließ sich sonst nicht blicken . Abgelegen und still lag dieser Hof , nur zugänglich den Leuten des Rathskellermeisters und den Subalternen des Rathhauses , wenn sie in den Fall kamen , aus den Verschlägen des alten Profeßhauses Akten oder zu feierlichen großen Sitzungen Stühle und Tische holen zu müssen . Eine andere Thür zu dem alten Gebäude als die , zu der man auf einer halben Leiter hinaufstieg , war nicht sichtbar . Ohne Zweifel hatte hier früher eine größere Steintreppe gestanden , war baufällig geworden , abgerissen und nun durch eine hölzerne Nothtreppe ersetzt , die in der That mehr den Namen einer Leiter verdiente . Kommen Sie , Schmelzing , rief der Oberkommissair , wir bleiben einstweilen beim Rathsdiener Spieß oder wir schließen auf und gehen immer hinein . Der zu einem Rathe in diesem Falle Aufgeforderte war in der That der ehemalige Schreiber Schmelzing , der schon lange in mancherlei Relationen zur Polizei gestanden hatte , seitdem aber Hackert ' s Talente von Pax erkannt und für die öffentliche Sicherheit gewonnen waren , sich gleichfalls dem Oberkommissair offener zur freien Verfügung gestellt hatte . Er war mannichfach zu verwenden . Schrieb er auch nicht so kunstvoll wie Hackert , der in der Kalligraphie ein Künstler war , so war seine Feder doch rascher , sein Auge geübter im Enträthseln schwieriger Handschriften und seine Kenntniß des Kanzleistyles zuverlässiger als bei Hackert , dem oft einfiel , seine eigenen Wege zu gehen und in die von dem Oberkommissair verlangten Berichte seine eigenen Ideen einfließen zu lassen . Die heutige Expedition war eine von denen , denen Schmelzing sich gern unterzog , da sie besonders gut bezahlt wurden und ohne ein besonderes Vertrauen der Behörde nicht gut ausgeführt werden konnten . Leider störte ihn seine Harthörigkeit , die