zehn ... Jedes sagte : Wenigstens noch ein Glück , daß der Unfall so zeitig ausbrach ... Wächter wurden für die Nacht bestellt ... Allmählich wurde alles stiller ... Die Gruppen lösten sich auf ... Man zerstreute sich ... Auch die Schloßbewohner bedurften der Ruhe ... Onkel Levinus fand sich leicht in neue Thatsachen , die er gedruckt las , schwerer in solche , die er selbst erlebte ... Er hatte mehr als sonst gewohnt dem Rebensafte zugesprochen , auch auf der Jagd selbst schon manche Herzstärkung genommen ... Um sich zu finden und im Nichtzuändernden zu orientiren irrte er mit einem offenen Lichte so lange im Schlosse auf und ab , bis ihn die Wächter aufmerksam machten , er könnte leicht den Brand aufs neue entzünden ... Armgart flüchtete auf ihr Zimmer wie ein verstörter Geist ... Terschka , dem man kaum die Anwesenheit des Mönchs Hubertus und dessen gewaltige That erzählt hatte , als er auch schon in seine unversehrt gebliebene Wohnung entschlüpfte , schien am längsten zu wachen ... Das Licht an seinen Fenstern erlosch erst nach Mitternacht ... Bonaventura war mit Benno , Thiebold , Hedemann und Müllenhoff zu Fuß gegangen ... Endlich breitete die stille Nacht über das Gemälde des Schreckens ihre dunkeln Schwingen ... Schauerlich ist es , wenn nach solchen Begebnissen auf einsamem Lager der Schlummerlose das Krähen des Hahnes so laut und hell und wohlgemuth hört , wie zu aller Zeit , und doch sich sagen muß : Der anbrechende Morgen zeigt das Neue in seiner ganzen folgenschweren Größe ... 18. Frau Schmeling , jenes Mütterchen , durch das , wie wir wissen , eine ganze Generation um Witoborn das Licht der Welt erblickt hatte , wußte ihre Nächte zu schätzen ... Der himmlische Vater läßt seine Kinder öfter bei Nacht in dies Freuden- und Jammerthal einschlüpfen als bei Tage ... Selbst eine so große Begebenheit , wie der Brand auf Schloß Westerhof , brachte die alte Frau nicht aus ihrem zweistöckigen , stattlichen Häuschen , das nur ein klein , klein wenig abseits vom Wege zwischen Witoborn und Westerhof lag , zugänglich ihrer Stadt-und Landpraxis , umgeben von einer gewissen geheimnißvollen Verschwiegenheit , die das Zutrauen zu ihr seit nahezu vierzig Jahren nicht wenig gemehrt hatte ... Aber im Bett litt es die alte und etwas reizbare Frau denn doch nicht ... Schon war sie zur Ruhe gegangen , als ihr einziger Hausbewohner , eine alte Magd , sie weckte und ihr die Schreckenskunde von dem Brand in Westerhof brachte ... Mutter Schmeling war so ergrimmt auf den Pfarrer Müllenhoff zu Sanct-Libori , der ihr auf ihr fünfzigjähriges Jubiläum noch mit dem Kirchenbann hatte drohen und sie des Teufels Großmutter nennen können , daß sie geradezu herausbrummte : Ob ' s denn auch wirklich auf dem Schloß wäre ? Und doch nicht etwa - in Sanct-Libori ? ... Ein leises Kichern dabei , das hörte die Magd nicht einmal ... hörte nicht die still für sich ins Bettkissen , ja in einen kleinen grauen Bart gebrummten Worte : Kindtaufe ! Kindtaufe ! Hihi ! Er läßt vielleicht schon illuminiren ... Ne , ne ! sagte die Magd , dat muot en groot Füer sin ! und zeigte durchaus nach Westerhof ... Und nicht minder plattdeutsch entgegnete Mutter Schmeling , so wolle sie denn up stahn und wenigstens Licht maken ... Inzwischen unterhielt sie ' s , den großartigen Lärm zu hören , der sich auf der Landstraße entwickelte ... Ihr Häuschen lag in einem Hohlweg , der sich von der Landstraße abwärts senkte den Gärten zu , die zur großen Besitzung der Frau von Sicking gehörten ... Im Sommer war das hier alles gar grün ringsum ... Lämmlein und - Schweine genug weideten auf den Triften und ein paar einsame alte Bäume , die hinterm Gärtchen des Hauses lagen , hatten sogar Ruf und Anziehungskraft durch die ihnen angehefteten Bildchen und frommen Sprüche und besonders durch eine erquickliche Aussicht und eine Bank , wo mancher Bauerbursch und manche Bauerdirne unter nächtlichem Sternenglanz in ernst bedeutsamem Gespräch mit der Alten verweilen und über Manches seufzen konnten ... Hundert Schritte davon lag eine Art Vorwerk von Witoborn , obgleich es nachher noch Strecken von Wiesen und von Kirchhöfen gab , bis man die Mauern der alten souveränen Bischofsstadt erreichte ... Jetzt jagten die Spritzen mit Fackeln nach Westerhof ... Gensdarmen sprengten dahin , zuletzt ein Piket Husaren ... Und die Menschen liefen und - lachten sogar , denn » Feuer ist eine Bürgerfreude ! « sagt ein frankfurter Sprichwort ... Daß aber die junge Gräfin das Feuer nicht beschwören kann ! meinte die Magd , die , wenn ' s verlangt wurde , an Hexen glaubte ... Dummer Schnack ! antwortete Mutter Schmeling , die in diesem Gebiet bewanderter war . Eine weise Frau - sie verstand darunter eine Zauberin , keine sage femme - eine weise Frau kann wol andern Gutes thun , aber sich nicht selbst ... Nach so tiefsinniger Aeußerung überlegte sie , ob wol im Bereich des Schlosses Jemand wäre , den Mutterhoffnungen demnächst auf ihre Hülfe anwiesen . Es kamen Fälle vor , wo gerade solche Schreckensaugenblicke Geburten beschleunigten , andere vereitelten ... Sie zählte an den Fingern , wie weit es noch mit der Moorbäuerin und Frau Leyendeckerin hin war ... Endlich bog Niemand vom Weg in ihren Hohlweg ab ... Sie verbrannte nur unnütz Oel ... Die Wand , wo sie schlief , faßte sich noch kalt an ... Sie wollte sich wieder zur Ruhe legen ... Eine Stunde mochte sie vergebens den Schlaf gesucht haben - Der Lärm der Glocken , das Blasen und Trommeln in Witoborn , das Rasseln auf der Landstraße förderten die Ruhe nicht - als sie heftig an ihre Hausthür pochen hörte ... Die Magd , die sich nicht nehmen ließ oben auf dem Dache nach Westerhof zu die malerische Aussicht zu genießen , kam erschreckt in die Stube zur ebenen Erde mit ihren klappernden Holzpantoffeln herabgelaufen und flüsterte der Alten