dem man vor einigen Monaten auf die Spur gekommen sei , habe man vertuscht ; man habe ihn oftmals wegen seines Hanges zum Spotte verwarnt , die Karikaturen , die er gezeichnet und in der Anstalt in Umlauf gesetzt , geflissentlich übersehen , bis man neulich ein getuschtes Blatt in verschiedenen Exemplaren vorgefunden habe , durch welches die Liebhaberei Sr. Majestät für das Theater und namentlich für das Ballet in wahrhaft empörender Weise zum Gegenstande des Spottes , zu einer Karikatur gemacht worden sei . Und was ist danach geschehen ? erkundigte sich der Graf . Die Generalin zuckte die Schultern . - Es wäre natürlich meines Sohnes Pflicht gewesen , sagte sie , betreffenden Ortes davon Anzeige zu machen , aber eben weil mein Sohn um Ihretwillen auch an dem Major Antheil nimmt , hat er davon abgestanden . Er hat den Major sofort von dem Vorfalle benachrichtigt , man hat den jungen Arten in seine Familie zurückgeschickt , und der Direktor der Anstalt hat dem Major den Rath ertheilt , den jungen Menschen so bald als möglich von hier fort und in eine andere Lebensbahn zu schaffen , da er ohnehin sehr phantastisch sein soll . Das kommt von der Mutter ! meinte der Graf , während Hildegard die Gräfin Rhoden , welche hinzugekommen war , mit einem Bedauern , dem der Ausdruck ihrer Züge völlig widersprach , von dem Geschehenen in Kenntniß setzte . Die Generalin bemerkte , der verstorbene Freiherr Franz sei auch sehr phantastisch gewesen . Der Graf fragte , was sie mit der Erinnerung sagen wolle . Die Generalin erwiderte , daß leider der Apfel selten weit vom Stamme falle . Wenn ihn der Baum getragen hat , gewiß nicht ! entgegnete der Graf ; aber an wie manchen alten Baumes Stamm findet man Früchte , die von außen hinübergeworfen worden sind und auf die das Sprüchwort also wenig paßt . Die Generalin sah ihn überrascht und neugierig an . Hildegard , der die schweren seidenen Kleider und die kleinen weißen Spitzentücher , die sie über ihre noch immer lang herniederfallenden , röthlich-blonden Locken zu knüpfen pflegte , ein jugendlich matronenhaftes Ansehen gaben , hob die Augen mit ihrem sanftesten Blicke bittend zu ihrem Gatten auf , und der Graf versagte es sich also , die Neugier der Generalin zu befriedigen . Aber diese gab ihre Erwartung so leichten Kaufs nicht für verloren . Nehmen Sie es mir nicht übel , rief sie , als müsse sie ihr Herz endlich einmal von einem schweren Zweifel zu befreien suchen , ist denn irgend etwas daran , daß die Vergangenheit der Baronin nicht ganz makellos ist , und ist ' s denn wirklich wahr , was man sich von der Liaison der Baronin Vittoria mit Emilio erzählt ? Ich würde mir , darauf kennen Sie mich ja , eine solche Frage sicherlich nicht gestatten , wenn ich nicht zuverlässig hoffte , von Ihnen zu erfahren , daß man der Baronin Unrecht thue , aber - unvorsichtig bleibt es doch , daß man Emilio auch jetzt noch in des Freiherrn Hause sieht . Die Gräfin Rhoden , deren Mutterherz durch den neuen Kummer , welcher jetzt über Cäcilie wieder hereinbrach , doch bewegt ward , sagte , die Generalin irre , wenn sie glaube , daß Emilio noch zu den Umgangsgenossen ihrer Kinder zähle . Man empfange ihn seit nahezu einem Jahre nicht mehr . Es war auch gar nicht möglich , länger ein Auge zuzudrücken , fügte Hildegard hinzu , als müsse sie diese Erklärung geben , denn Emilio trieb seine Schauspielkunst in meines Schwagers Hause so con amore , daß er , um sein Verhältniß zu der Baronin Vittoria zu verbergen , nicht übel Lust bezeigte , sich als den Verehrer meiner Schwester darzustellen . Das wird ihm nicht eben schwer gefallen sein , meinte die Generalin , denn die Baronin Cäcilie wird mit jedem Jahre schöner . Sie wird Ihnen , liebe Rhoden , seit sie voller geworden ist , nur immer ähnlicher . Die Mutter nahm das Lob der Tochter , das ihr zugleich schmeichelte , freundlich auf . Hildegard sagte , Cäcilie werde doch gar zu stark , und kaum hatte die Generalin sich entfernt , als Hildegard die Mutter fragte , ob sie nicht anspannen lassen solle und ob sie nicht gemeinsam zu Cäcilie fahren wollten , nachzuhören , was dort wieder vorgefallen sei und was man etwa für sie thun könne . - Cäcilie bemitleiden zu gehen , war die Gräfin Berka immer bei der Hand , und ihr Mitleid war der Schwester und dem Schwager nicht das Leichteste , das sie zu tragen hatten . Auch jetzt wieder lasteten ihre Zustände schwer auf diesen Beiden . Valerio war seit dem vorigen Tage in des Freiherrn Hause . Es hatte heftige Auftritte und die unangenehmsten Verhandlungen gegeben . Cäcilie sah mit Kummer , wie die Furchen auf ihres Gatten Stirn sich mit jedem neuen Jahre vertieften , wie sein ganzer Sinn sich verdüsterte und seine Reizbarkeit sich krankhaft steigerte . Auch der Vorfall mit Valerio hatte ihn wieder sehr niedergeschlagen , während der Jüngling selber und seine Mutter das Geschehene äußerst leicht zu nehmen schienen . Vittoria sagte , sie habe immer die Ueberzeugung gehegt , ihr Sohn sei nicht dazu geschaffen , in dem geistlosen Zwange der militärischen Disciplin seine glänzende Begabung untergehen zu lassen . Ihr Blut , das Blut eines glücklicheren Volkes , lebe in seinen Adern . Die Natur habe ihn bestimmt , ein Künstler zu werden , und die Natur lasse sich nicht überwinden , sie räche sich , wenn man ihr Gewalt anthue . Auch Valerio sprach von seinem eigentlichen Berufe , von seinem inneren Müssen . Der Freiherr beachtete ihre Worte kaum . Der Gedanke , daß der Jüngling , den er in großmüthiger Liebe als seinen Bruder gelten lassen , der seinen Namen trug , daß ein Freiherr von Arten wegen einer unwürdigen Handlung aus dem Kadettenhause ausgestoßen worden sei , brannte