in kleinere Stücke , und arbeitete fast mit Wildheit allen andern zuvor , die sein Beispiel ermunterte ... Hubertus kam mit dem Namen : Schneid ! auf den Lippen . Wie mußte er erstaunen , als man ihm auf diesen Namen den Diener zeigte , der hoch im qualmenden Gebälk saß , die blinkende Axt in der Hand ... Unmöglich ! entgegnete er ... Doch ! Doch ! rief man ihm zu und bezeugte seine Anerkennung über die Entschlossenheit des sonst so trägen Dieners ... Im Hof war ein Gedräng und kaum zum Hindurchkommen ... Eimer , Spritzen , geborgene Geräthschaften bildeten schon einen hohen Haufen , über den die Menschen hinwegklettern mußten ... Den Mönch , den die zuweilen noch aufzuckenden blauen Flammen am wassertriefenden Gebälk in seinen allbekannten Todtenkopfzügen beleuchteten , würde man nicht geduldet haben , hätte man nicht gewußt , daß der riesenstarke Greis es liebte , in solchen Fällen sich nützlich zu machen ... Schon hatte er , immer den in der qualmenden Zerstörung sitzenden Schneid im Auge , von den Gensdarmen einen Eimer zugereicht erhalten , um Wasser zu holen aus dem glücklicherweise im Thauen begriffenen Teich , der die Insel bildete ... Schon war sein unwillkürliches Erbeben vor der Anrede durch die Beigeordneten des Landraths die Ursache , daß Hubertus mechanisch Folge leisten wollte , als ein noch einmal auf die Stätte der Zerstörung im obern Stock geworfener Blick ihm eine plötzliche Gefahr zeigte , in die der Diener des Hauses gerieth ... Sein eigener Zuruf erstickte schon in dem allgemeinen Geschrei : Er stürzt ! Eine Leiter ! Er ist verloren ! ... Der schwarzberußte Mensch , der wie ein Gnom der Unterwelt durch Feuer und Rauch sich den Weg zu bahnen suchte , wollte sich vor einem drohenden Mauersturz vom Dache retten , sprang auf ein verkohltes Sparrenwerk , das unter ihm zusammenbrach , stürzte tiefer und tiefer und schwebte zuletzt mit seinen Füßen , die ohne Halt im Leeren tasteten , über einem Abgrund , in den er unfehlbar hinunterstürzen mußte , da sich seine Hände nur am glühenden Stumpf eines Balkens halten konnten ... Eine Leiter war nirgend anzulegen ... Eine Minute noch - und unfehlbar fiel Schneid aus dem zweiten Stockwerk auf Steingeröll und Balken mit zerschmettertem Schädel nieder ... Doch nur eine Secunde der Rathlosigkeit , wo man die Leiter anbringen sollte , die an sechszig Stufen zählte und hin- und herschwankte vor der Macht ihres Gewichts , da schon stand Hubertus und rief : Hinauf ! Wer steigt hinauf ? ... In seinen knöchernen Armen hielt er die Leiter , daß sie frei schwebend stand wie gelehnt an eine Mauer ... Klettert hinauf ! rief er wiederholt und immer dringender redete er den Ablehnenden zu ... Habt keine Furcht ! bedeutete er die , die die Leiter , so nur frei in der Luft gehalten , zu besteigen zögerten ... Endlich wagte es Einer der Feuerleute aus Witoborn ... Schon berührten die Füße des in der Luft Hängenden die obere Sprosse der Leiter - er würde sich nicht haben halten können ohne einen Arm , der ihn umfing ... So kletterte der Mann an der aus freier Hand gehaltenen Leiter empor ... Wie eine Gerte bog sie sich , je höher er kam ... Hubertus stemmte sich aber fest wie ein Athlet und balancirte die ungeheuere Wucht ... Hülfe , die hinzukam , stieß er zurück mit dem Ruf : Gleichgewicht ! - Das - kann nur Einer ! - Mit den Zähnen knirschte er zum Zeichen seiner äußersten Anstrengung ... Der Arbeiter war jetzt oben ... Er ergriff den schon Sinkenden , dessen Hände verbrannt sein mußten ... Jetzt zog er ihn zu sich herüber auf die Leiter ... Diese , vom doppelten Gewicht überlastet , bog sich ... Ein Schrei des Entsetzens unter allen Umstehenden , von denen einige hinzusprangen , um Hubertus wiederum zu unterstützen ... Doch » Zurück « ! rief er ihnen allen aufs neue entgegen und klemmte die Leiter zwischen seine beiden Kniee , die Arme in der fünften und sechsten Sprosse eingeschlungen , sodaß er die gewaltige Last nur wie eine vom Sturm bedrohte schwanke Fahnenstange hielt ... Der Arbeiter stieg nieder und brachte den Ohnmächtigen glücklich zu Boden ... Je näher dem Mönche Jean Picard kam , je näher ihm der Anblick des Armes möglich wurde , auf dem er das verhängnißvolle Zeichen der Erkennung suchte , desto schwächer wurde die Kraft des Bruders , dessen Kutte hie und da an den noch brennenden Trümmern schon versengte ... Nun ließ er das Hinzukommen anderer geschehen ... Als der Arbeiter mit dem Geretteten auf unterster Sprosse stand , sank die Leiter in die Hände der Uebrigen ... Hubertus holte einige Augenblicke Athem , hörte mit lächelndem Kopfnicken die bewundernden Beifallsäußerungen der Umstehenden und folgte dem Arbeiter , der den Bewußtlosen weg von der Brandstätte trug ... Diesem bot man jetzt Hülfe , Erquickung , ein Lager in dem andern Flügel des Schlosses ... Hubertus aber sagte zu dem Träger : Laßt das alles , Landsmann ! ... Ich trag ' ihn schon selbst weiter ! ... Mit Brandwunden weiß ich umzugehen ! ... Damit nahm er den Ohnmächtigen und trug ihn aus dem Gewühl und ganz aus dem Schloß hinaus in das inzwischen aufs neue und immer mächtiger vom Menschenstrom belebte Dunkel der Nacht ... Während jetzt schon von allen Thürmen auf Meilen umher die Feuerglocken riefen , kamen auch die Theilnehmer der Jagd an ... Terschka voraus auf einem leichten Wagen ... Thiebold ... der Onkel ... Auch von Witoborn kamen Benno und Hedemann ... Armgart machte sich Bahn durch alle ... Paula ' s hohe Entschlossenheit und muthvolle Haltung hörte erst auf , als sie in die Arme ihrer weinenden Freundin sinken konnte ... Bonaventura stand voll Rührung und sprach , als die Gefahr vorüber schien , mit zitternder - tiefahnungsbanger Stimme ein Dankgebet , in das alle Nahestehenden mit entblößten Häuptern einstimmten ... Die Thurmuhren schlugen