rot oder grün , in blau oder weiß sich präsentiert . Aber nicht genug damit . Auf diesem breiten Farbenrande befinden sich , zu weiterer Unterscheidung , entweder die Namen der Besitzer , oder noch häufiger ihre Wappenzeichen : Kreuze , stehend oder liegend , Sterne , Kreise und Sonnen , eingegraben und eingebrannt . Man kann hier von einer völligen Heraldik sprechen . Die alten » Geschlechter « aber , die diese Wappen tragen und pflegen , sind die Lendels , die Mays , die Kühls , die Schnetters , und unmittelbar nach ihnen die Rietz , die Kuhlmeys , die Dehnickes . Als altwendisch gelten die Lendels und die Rietz , vielleicht auch die Kuhlmeys . Ist nun aber das Landen der leeren Tienen , wie wir es eben geschildert haben , eine heitere und malerische Szene , so kann diese doch nicht bestehen neben dem konkurrierenden Schauspiel des Einladens , des an Bord Schaffens , das schon beginnt , bevor das Ausladen zur Hälfte beendet ist . Etwa von fünfeinhalb Uhr ab , und nun rapide wachsend bis zum Moment der Abfahrt , kommen die Obstwagen der Werderaner heran , kleine , grüngestrichene Fuhrwerke , mit Tienen hochbepackt und mit zwei Zughunden an der Deichsel , während die Besitzer , durch Stoß von hinten , die Lokomotion unterstützen . Ein Wettfahren beginnt , alle Kräfte konzentrieren sich , von links her rollt es und donnert es über die Brückenbohlen , von rechts her , auf der chaussierten Vorstadtstraße , wirbelt der Staub , und im Näherkommen an das ersehnte Ziel heulen die Hunde immer toller in die Luft hinein , wie verstimmte Posthörner beim Einfahren in die Stadt . Immer mächtiger wird die Wagenburg , immer lauter das Gebläff , immer quicker der Laufschritt derer , die die Tienen über das Brett hin in den am Landungsdamm liegenden Kahn hineintragen . Jetzt setzt der Zeiger ein , von der Werderschen Kirche herüber tönen langsam die sechs Schläge , derer letzter in einem Signalschuß verklingt . Weithin an den hohen Ufern des Schwielow weckt er das Echo . Im selben Augenblick folgt Stille der allgemeinen Bewegung und nur noch das Schaufeln des Raddampfers wird vernommen , der , eine Kurve beschreibend , das lange Schlepptau dem Havelkahne zuwirft , und rasch flußaufwärts seinen Kurs nehmend , das eigentliche Frachtboot vom Ufer löst , um es geräuschlos in das eigene Fahrwasser hineinzuzwingen . Von der Brücke aus gibt dies ein reizendes Bild . Auf dem großen Havelkahn , wie die wilden Männer in Wappen , stehen zwei Bootsleute mit ihren mächtigen Rudern im Arm , während auf dem Dampfer in langer Reihe die » Werderschen « sitzen , ein Nähzeug oder Strickzeug in den Händen , und nichts vor sich als den Schornstein und seinen Eisenkasten , auf dessen heißer Platte einige dreißig Bunzlauer Kaffeekannen stehen . Denn die Nächte sind kühl und der Weg ist weit . Eine Viertelstunde noch und Dampfer und Havelkahn verschwinden in dem Defilee bei Baumgartenbrück ; der Schwielow nimmt sie auf und durch das » Gemünde « hin , an dem schönen und langgestreckten Kaputh vorbei , geht die Fahrt auf Potsdam zu , an den Schwänen vorüber , die schon die Köpfe eingezogen hatten und nun unmutig hinblicken auf den Schnaufer , der ihren Wasserschlaf gestört . Bei Dunkelwerden Potsdam , um Mitternacht Spandau , bei Dämmerung Berlin . Und eh ' der erste Sonnenschein um den Marienkirchturm blitzt , lachen in langer Reihe , zwischen den Brücken hin , die roten Knupper der Werderschen . Glindow Glindow Hier nährten früh und spat den Brand Die Knechte mit geschäft ' ger Hand , Der Funke sprüht , die Bälge blasen , Als gält ' es , Felsen zu verglasen . Schiller Was Werder für den Obstkonsum der Hauptstadt ist , das ist Glindow für den Ziegelkonsum . In Werder wird gegraben , gepflanzt , gepflückt , – in Glindow wird gegraben , geformt , gebrannt ; an dem einen Ort eine wachsende Kultur , an dem andern eine wachsende Industrie , an beiden ( in Glindow freilich auch mit dem Revers der Medaille ) ein wachsender Wohlstand . Dazu steht das eine wie das andere nicht bloß für sich selber da , sondern ist seinerseits wiederum eine » Metropole « , ein Mittelpunkt gleichgearteter und zugleich widerstrebender Distrikte , die es fast geboten erscheinen lassen , nach Analogie einiger Schweizer Kantone , von Werder-Stadt und Werder-Land , oder von Glindow-Dorf und Glindow-Bezirk zu sprechen . Bei Werder haben wir diesen Unterschied übergangen ; bei Glindow wird es dann und wann unvermeidlich sein , auf ihn Bezug zu nehmen . Deshalb an dieser Stelle schon folgendes : Distrikt Glindow ist etwa zwei Quadratmeilen groß ( vier Meilen lang und eine halbe Meile breit ) und zerfällt in ein Innen- und Außenrevier , in einen Bezirk diesseit und jenseit der Havel . Das Innenrevier » diesseit der Havel « ist alles Lehm- und Tonland und umfaßt die gesamten Territorien am Schwielow- , am Glindow- und Plessowsee ; das Außenrevier oder das Revier » jenseit der Havel « ist neuentdecktes Land und dehnt sich vorzugsweise auf der Strecke zwischen Ketzin und Tremmen aus . Dies Außenland , abweichend und eigenartig , behauptet zugleich eine gewisse Selbständigkeit und zeigt eine unverkennbare Tendenz , sich loszureißen und Ketzin zu einer eigenen Hauptstadt zu machen . Vielleicht daß es glückt . Vorläufig aber ist die Einheit noch da und ob der Tag siegreicher Sezession näher oder ferner sein möge , noch ist Glindow 42 Metropole und herrscht über Innen- und Außenrevier . Die Bodenbeschaffenheit , das Auftreten des Lehms ist diesseit und jenseit der Havel grundverschieden . Im Innenrevier tritt der Lehm in Bergen auf , als Berglehm , und wenn wir uns speziell auf die wichtige Feldmark Glindow beschränken , so unterscheiden wir hier folgende Lehmberge : den Köllnischen , zwei Brandenburgische ( Altstadt , Neustadt ) , den Kaputhschen , den Schönebeckschen , den Invalidenberg ,