der bestversehene der Residenz , seine Kleidung von der zweckmäßigsten englischen Façon ; nur seine Gesundheit und seine Kraft konnte das Vermögen seiner Frau , das er seit seiner Rückkehr aus Italien durch mannigfache Spekulationen sogar noch zu vermehren gewußt hatte , ihm nicht mehr erkaufen . Aber man bewunderte die Selbstbeherrschung , mit der er seine wachsenden Beschwerden trug , den Muth , mit dem er gegen seine fortschreitende Lähmung ankämpfte , und vor Allem pries man die schöne Hingebung , mit welcher die Gräfin Berka ihn vergessen zu machen strebte , daß ihr an seiner Seite doch eine schwere Aufgabe zu Theil geworden war . Es gab nicht leicht ein Ehepaar in der Gesellschaft des hohen Adels , das mehr der allgemeinen Gunst und Theilnahme genoß , als Graf Gerhard und die Gräfin Hildegard ; man konnte sich auch kein würdigeres Familienverhältniß denken , als das , welches zwischen der alten Gräfin Rhoden und den Berka ' s herrschte , bei denen sie jetzt lebte . Die Einigkeit der Mutter und der Tochter , die schönen weltmännischen Manieren des Grafen , der Gräfin edler Sinn für Häuslichkeit machten , daß es Jedem wohl ward , der über ihre Schwelle trat ; und da man wegen der Kränklichkeit des Grafen große Gesellschaften zu geben so viel als möglich vermeiden mußte , so hatte Hildegard sich entschlossen , Mittags immer ein paar Plätze für gute Freunde an ihrem Tische bereit zu halten und allabendlich für dieselben um die Theestunde zu Hause zu sein . Man rechnete es ihr sehr hoch an , daß sie ihrem Gatten zu Liebe auf alle Geselligkeit außer ihrem Hause verzichtete , und selbst die Prinzen und Prinzessinnen suchten sie dafür zu entschädigen , daß sie sich ' s versagte , an den Hof zu gehen . Ihre Beschützerin , die alte Prinzessin , empfing sie in den Morgenstunden , in denen sie sonst Niemanden anders bei sich sah ; die jüngeren Prinzessinnen fuhren gelegentlich bei der guten Gräfin Berka vor , die an der Spitze aller wohlthätigen Unternehmungen stand und deren Religiosität , obschon sie eine Katholikin war , sich von jeder Ausschließlichkeit , vor aller Unduldsamkeit fern zu halten wußte . Selbst auf ihren Gatten , der es mit der Religion sonst leicht genug genommen hatte , wirkte der fromme Sinn der Gräfin Hildegard mit Segen ein . Der Graf fuhr regelmäßig an jedem Sonntage in die Kirche , die der Hof besuchte , und das Einzige , was seine Frau bedauerte , war ihr einstiger Uebertritt zur katholischen Kirche , zu welchem sie von der Mutter in ihrer Kindheit bestimmt worden war und der sie jetzt in gewissem Sinne von ihrem Gatten und von ihren fürstlichen Beschützern und Freunden trennte . Es war durchaus angenehm , mit den Berka ' s eng verbunden zu sein , und Hildegard war für ihren Umgang sehr wählerisch geworden . Sie hielt es für nothwendig , Jeden und Alles zurückzuweisen , was den Grafen aufregend oder störend berühren konnte , den man nach des Arztes Ausspruch vor heftigen Gemüthsbewegungen bewahren sollte , und sie nannte es gegen ihre vertrauten Freunde eine Rücksicht auf das Empfinden ihrer Mutter , daß sie den Freiherrn von Arten und seine Familie trotz ihrer sehr verschiedenen Lebensansichten bei sich sah . Denn , sagte sie eines Tages zu einer ihrer näheren Freundinnen , der Graf ist mit dem ganzen Thun und Treiben seines Neffen gar nicht einverstanden , und selbst mein Zusammenhang mit meiner armen Schwester ist leider ein sehr oberflächlicher geworden . Ich komme so selten in Cäciliens Haus . Sie wissen ' s ja , ich verlasse den Grafen ungern , und , ich bekenne Ihnen offen , die Baronin Vittoria ist mir nicht sympathisch , ist mir ' s nie gewesen ! Sie lehnte sich mit diesen Worten in ihren Sessel zurück und nahm ihre Stickerei wieder zur Hand , die für eine der Weihnachts-Ausstellungen bestimmt war , welche sie alljährlich in den schönen Räumen ihres Hauses abhielt . Die Freundin , an welche diese Worte gerichtet wurden , war die Mutter von des Königs Adjudanten . Ihr Mann war General gewesen , ihr zweiter Sohn bekleidete eine Instructorstelle im Kadettenhause . Die Mittheilung der Gräfin Berka hatte sie nicht überrascht . Man wußte , daß die beiden Familien wenig Gemeinschaft hielten , und eben deßhalb konnte die Generalin die Frage an die Gräfin richten , ob sie denn von der Unannehmlichkeit schon unterrichtet sei , die den Major von Arten eben in diesen Tagen betroffen habe . Eine Unannehmlichkeit ? wiederholte Hildegard . Was ist denn geschehen ? Ich weiß von nichts , die Arten ' s waren seit mehr als vierzehn Tagen nicht in unserm Hause . Ich bitte , sprechen Sie ; Sie beunruhigen mich auf das Aeußerste . Die arme Cäcilie ! Die Generalin ließ sich nicht lange bitten . - Es betrifft glücklicher Weise , sagte sie , dieses Mal den Major nicht selbst ; es ist nur eine widerwärtige Sache mit dem jüngeren Arten . Man hat ihn von der Anstalt fortgewiesen . Fortgewiesen ? wiederholte Hildegard , und sich zu ihrem Manne wendend , meinte sie : Du behältst also auch damit leider wieder Recht , lieber Gerhard ! Also von der Anstalt fortgewiesen ? Es war unmöglich , ihn zu halten ! versicherte die Generalin . Mein Sohn sagte mir , er habe in Rücksicht darauf , daß der junge Arten zu Ihrer Familie gehört , das Aeußerste gethan , diese Maßregel zu hindern ; aber der Leichtsinn des jungen Menschen sei unverbesserlich gewesen und man habe um der übrigen Kadetten willen nicht länger Nachsicht üben dürfen . Der Graf wollte wissen , was man Valerio zur Last lege . Die Generalin sagte , wie sie von ihrem Sohne erfahren habe , sei der junge Arten immer kein sonderlicher Schüler gewesen und habe seit Jahren vielfachen Anlaß zu Klagen gegeben . Einen Liebeshandel mit der Tochter eines der unteren Beamten ,