befanden ... Tante Benigna leitete sie selbst ... Noch aber fehlte es an Menschen ... Die Diener sagten dem Domherrn , man spanne bereits an ... Tante Benigna rief : Fahren Sie mit der Gräfin zum Stift ! Bonaventura kehrte zurück und sorgte für die Zurüstungen der Flucht ... Paula fand er gefaßter ... Man eilte , nach Kleidern zu suchen ... Bonaventura verschloß schnell das offen gebliebene Schreibbureau der Tante und steckte den Schlüssel zu sich ... Inzwischen mehrte sich der Zustrom der Nachbarn , die eine Riesenflamme jetzt nach außen hin hatten ausbrechen sehen , eine Flamme , die ihren Weg von dem in Brand befindlichen Altartabernakel in der That zum Archiv suchte , dem sich von außen nicht beikommen ließ , da die Fenster vergittert waren ... Der eine Flügel des Schlosses schien verloren ; schon machte sich die Flamme durch das erste und zweite Stockwerk Bahn ... Bonaventura verlor seine Geistesgegenwart nicht ... Die wichtigsten Schränke ließ er sich bezeichnen , ließ Silbergeräth packen und folgte den Weisungen Paula ' s , die gerade jetzt in den seltsamsten Zustand gerieth ... Nicht daß sie ihr Bewußtsein verlor , aber wie eine Traumwandelnde schritt sie dahin , wie eine Geisterjungfrau , die zuletzt , falls sie entfloh , auf einem Gespann von geflügelten Drachen entschweben mußte ... Sie gab Weisungen , Aufklärungen , wie eine Seherin im Sturm am Ufer des brausenden Meeres ... Dort ! rief sie ... Die Kisten ! Die Schlüssel hängen ja hier ! Nehmt sie doch ! ... Hier sind die Bücher der Grundverschreibungen ! Da ! Der Aufgang ist frei ! ... Uebereilt nichts ! Der Dachstuhl brennt , aber an den Eckthürmen ist alles von Stein ! ... Leert das Laboratorium von brennbaren Sachen ! Der Bau ist feuerfest ! ... Seht , der Wasserstrahl trifft ja mächtig ! ... Rettet nur das Archiv in den Keller ! ... Ha , der Mann ! Seht den Mann ! Folgt ihm nicht ! Nein ! Nein ! Ein Balken stürzt ! ... Niemand sah einen Mann , den sie von der Galerie des Hofes aus erblicken wollte ... Indessen ertönte ein furchtbares Krachen im Innern ... Nach innen mußte das zweite Stockwerk eingestürzt sein ... Die Flamme schlug schon oben zum Dach hinaus ... Von den beiden Eckthürmen aus bekämpfte man ihr Weiterdringen durch die hinaufgezogenen Schläuche zweier Spritzen , die von unten her nur wenig hatten wirken können ... Dabei tönte die Schloßglocke hülferufend und mit herzzerreißender Eile schon seit einer Viertelstunde von einem dritten der vier Eckthürme ... Paula lehnte jede Entfernung vom Schlosse , jede Schonung ihrer selbst ab ... War es der entschlossene Beistand Bonaventura ' s , war es die Erregung des Augenblicks oder welche Geister standen ihr zur Seite - sie befehligte wie die Gebieterin des Ganzen ... Sie war die Stammherrin der Dorste-Camphausen , die Letzte ihres Geschlechts ... Mit leuchtenden Augen , beschienen von Flammen , im erstickenden Qualm des Rauches verlor sie die Besinnung nicht ... Die Tante dagegen brach schon zusammen ... Wenigstens bedachte sie nur noch die Rettung des Kleinen und Einzelnen , während Paula im Ganzen lebte ... Menschen waren nun endlich genug da , die Befehle gaben und befolgten ... Schon fehlten die Spritzen aus Witoborn nicht ... Gensdarmen kamen daher gesprengt ... Man isolirte das Feuer mit Erfolg ... Ueber die Entstehung schwankten die Meinungen ... Die einen leiteten das Unglück aus dem Laboratorium her , die andern aus einem Kohlentopf in der Kapelle , den vielleicht ein Andächtiger hatte stehen lassen ... Daß die Gräfin das Feuer schon gestern gesehen , war ein Wunder , wodurch die Anstrengung des Rettens , die Erhöhung der Stimmung gemehrt wurde ... Bonaventura irrte in trüben Ahnungen und barg sich jetzt - vor Müllenhoff , der im Eifer angekommen war , aber seine Zunge nicht ruhen ließ , der Entrüstung Worte zu geben über Fräulein Benigna , die kaum ihn erblickend Besinnung gewann und geradezu ihn beschuldigte , die Ursache des Feuers zu sein ... denn ihm und seiner » Toilette « zu Liebe hätte man die Zahl der Vorhänge am Altar vermehrt , jene Sakristei hinter dem Altar improvisirt , ihm in dem engen Raum den seit Jahrhunderten dort verpönten Gebrauch von Licht gestattet ... Den heftigen , ganz aus der geistlichen Sprache und Rücksicht fallenden Wortwechsel unterbrach die Ankunft eines Pikets Husaren aus Witoborn ... Man sperrte den Zudrang der Menschen , die von allen Richtungen herbeiströmten ... Nur wer sich ausweisen konnte , wurde jetzt noch über die kleine Brücke gelassen , die zu der Insel führte , auf welcher Westerhof lag ... Glücklicherweise war Windstille ... Die Funken flogen nicht an die nahen Wirthschaftsgebäude und Kornspeicher ... Unter denen , die über die Brücke wollten , befand sich auch der allen wohlbekannte Bruder Hubertus ... Er machte sich Bahu mit einer Gewalt , die unwiderstehlich war ... Laßt mich , rief er den ansprengenden Reitern entgegen und keines Roßhufs achtend , drängte er zur Brücke hinüber und stürmte in die Gefahr , die inzwischen nachließ ... Vorzugsweise war es jetzt , wie Paula ganz recht gesehen hatte , ein einziger Mann , der mit Anstrengung , ja mit Lebensgefahr dem Umsichgreifen des Brandes Einhalt that ... Es war dies jener Dionysius Schneid , dem man anfangs vergebens gerufen hatte , der sogleich die Pferde und den Wagen in den Wirthschaftsgebäuden für Paula bestellen sollte , der sich dort » eine Ewigkeit « , wie die Angst der Tante ein Dutzend mal ausrief , aufhielt , der aber auch jetzt beim Einreißen der Zwischenmauer , beim Absperren der Flamme einen verdoppelten Eifer zeigte ... Mit geschwärztem Antlitz , plötzlich rothen Haars , das Niemand seit dem Finkenhof wieder an ihm gesehen , saß er in einer buntgestreiften Stalljacke mitten in der Verwüstung des halb in Trümmern liegenden Flügels zwischen den beiden Thürmen , hob die Axt , zertrümmerte glühende Balken , um deren Zündkraft zu mildern ,