konnte , wie jedes fortschreitende Halbjahr sie mit wachsender Gewalt in eine immer tiefere Verwirrung ihrer Verhältnisse hinabzog , hatten ihre Sorge und ihre Liebe für den Gatten ihr die verschiedensten Plane zu seinem Beistande eingegeben . Sie hatte sich an Eleonore , an Seba , an Tremann , an den Kronprinzen wenden und ihn um ein Darlehen angehen wollen , das mäßig zu verzinsen und dann allmählich abzuzahlen , nicht über ihre Kräfte gegangen wäre ; indeß die leiseste Andeutung einer solchen Möglichkeit hatte stets ihres Gatten Zorn erregt , und sich bescheidend , weil sie nichts zu ändern vermochte , hatte sie sich gewöhnt , am Tage den Tag zu leben und sich mit den kleineren und größeren Entbehrungen und Ersparnissen zu beschwichtigen , die sie unter annehmbaren Vorwänden sich aufzuerlegen und den Ihren abzugewinnen geschickt erlernt hatte . Ward Renatus das gewahr , so schlug es ihn nieder , und seine Zärtlichkeit suchte dann nach einem Anlaß , Cäcilie für ihr Opfer freigebig zu entschädigen ; aber sie hatte die Sorglosigkeit verloren , sich daran zu freuen , und auch jetzt war sie in trübe Befürchtungen versunken , als ein Wagen vor ihrer Thüre vorfuhr und der Diener des Grafen ihr seinen Herrn und die Comtesse Rhoden meldete . Um diese Stunde ? riefen beide Frauen , da der Graf , wenn er nicht das Theater oder ausnahmsweise eine Gesellschaft besuchte , gegen den Abend nicht mehr ausfuhr ; es blieb ihnen jedoch nicht lange Zeit , über den Anlaß seines Kommens nachzudenken , denn auf Hildegard ' s Arm gelehnt , trat der Graf in das Zimmer ein , und sich auf den Sessel niederlassend , den sein Diener ihm schnell herbeiholte , sagte er : Um Vergebung , meine Freundinnen , daß wir Sie zu ungewohnter Stunde stören , aber Glück ist etwas so Seltenes , daß ich meinte , ein paar Glückliche müßten zu jeder Zeit willkommen sein ! Erlauben Sie also , fügte er lächelnd hinzu , daß wir uns Ihnen als Verlobte vorstellen ! Als Verlobte ? wiederholten Cäcilie und Vittoria , ihren Ohren kaum vertrauend , und während die Letztere sich noch bemühte , ihr Erstaunen über dieses unerwartete Ereigniß in Glückwünschen zu verbergen , hatte Hildegard der Schwester Hände bereits ergriffen , und ihr tief in die Augen blickend , sprach sie in ihrem sanftesten Tone : Sieh ' , Cäcilie , nun ist Alles zwischen Dir und mir vergessen und Alles wieder , wie es war ! Ich darf wohl sagen , wie es geschrieben steht : sie dachten es böse mit mir zu machen , aber der Herr hat es wohl gemacht ! - Ich bin sehr glücklich , so glücklich , daß ich Dir Dein Glück von Herzen gönne ! Schreibe das Renatus , oder ich will es lieber selber thun ! Nicht wahr , geliebter Gerhard , wir wollen an Renatus schreiben ? Ich denke , es soll ihm wohlthun , und auch Dir , Cäcilie , wird es das Herz befreien , daß ich glücklich , ja daß ich sehr glücklich bin ! Sie umarmte Cäcilie , sie umarmte Vittoria , sie war voller Zärtlichkeit , voller Vergebung für die Schwester , und doch war jedes ihrer Worte wie darauf berechnet , Cäcilie zu verwunden . Mit großem Geschicke wußte sie , ohne der Gegenstände irgend zu erwähnen , die Schwester auf die neue , reiche Kette , an der sie ihre Uhr trug , auf den feinen florentiner Hut , auf den prächtigen türkischen Shawl aufmerksam zu machen , und von ihrer nahe bevorstehenden Hochzeit wie von der Badereise zu sprechen , die sie gleich nach der Hochzeit unternehmen würden . Nur ganz beiläufig erzählte sie , daß sie einen neuen Reisewagen kaufen werde , weil auf des Grafen Wagen für ihre Kammerjungfer nicht der nöthige Platz vorhanden sei , und von allen ihren beabsichtigten Anschaffungen sprechend , gelangte sie endlich an das von ihr ersehnte Ziel , der Schwester die Mittheilung von dem reichen Erbe zu machen , welches ihr anheimgefallen war . Dann erhob sie sich plötzlich mit der Bemerkung , daß es Zeit zum Aufbruche sei , und noch im Fortgehen wiederholte sie es der Schwester , daß sie und der Graf dem Freiherrn schreiben würden , um ihm Kenntniß von ihrem Glücke zu geben . Gaetana brachte eben die Lampe in das Zimmer , als der Graf mit Hildegard sich entfernte . Ist das Vorhaus schon erleuchtet ? fragte Cäcilie lebhaft . Die gnädige Frau haben ja befohlen , die Lampe in dem Vorhause immer so spät als möglich anzuzünden ! wendete die Dienerin ein . Cäcilie schwieg und biß sich in die Lippe . Hildegard wird immer einen gut erleuchteten Vorsaal , wird immer einen Bedienten haben ! dachte sie in ihrem Innern , und von einer bittern Empfindung hingenommen , verließ sie das Gemach . Sie wollte wenigstens allein sein . Zehntes Capitel Graf Gerhard hatte es im Scherze stets gesagt , er halte es mit Montecuculi , denn zum Leben wie zum Kriegführen brauche man Geld und Geld und Geld , und er verstand es in der That vortrefflich , das große Vermögen seiner Frau mit Anstand zu benutzen . Die Hochzeit des Grafen war wenig Wochen nach seiner Verlobung gefeiert worden ; die Neuvermählten waren in ein Bad , aus diesem zu einem Winteraufenthalte in den Süden gegangen , und nach ihrer Rückkehr in die Heimath hatten sie das inzwischen nach des Grafen Angabe eingerichtete Haus bezogen , welches sie nun bereits seit drei Jahren inne hatten . Kein Haus in der ganzen Stadt war so geschmackvoll und so wohnlich als das des Grafen Berka ausgestattet . Pracht und Bequemlichkeit gingen in demselben Hand in Hand , und wie seine Wohnung , so war alles , was ihm gehörte , auf das Beste ausgewählt . Er ließ seine Wagen und seine Pferde aus England kommen , er hielt sich einen französischen Koch , sein Keller war