Frieden und guter Hoffnung ! « Benigna las diesen Brief in einem Ton der Angst und Sorge , der seinem so versöhnlichen Inhalt widersprach . Auch sie war mit der Zeit so angesteckt von der Krankhaftigkeit der ganzen Sphäre , in der sie hier lebte , daß sie ihre eigene resolute Weise verloren hatte und sie nur noch zuweilen bei aufloderndem Poltern geltend machte . So sicher und fest , wie in diesen beiden Briefen , war auf Westerhof lange nicht gesprochen worden . Paula , gedenkend des neulichen Abends , wo Armgart den an Terschka gerichteten Brief ihrer Mutter zurückbehalten hatte , sagte mit derselben Zuversicht wie damals : Sie versöhnen sich beide ! Und Armgart hat es zur seligsten Jungfrau gelobt , daß auch sie nicht eher ruhen will ! Die Sehnsucht beider nach ihrem Kinde wird das harte Eis der Herzen brechen ! Was könnte noch dazwischen liegen ? ... Der Vermuthung Armgart ' s , auch ihre Mutter liebe Terschka , hatte sie gleich anfangs nicht nachleben mögen ; Armgart ' s neue Gedankengänge kannte sie nicht ... Sie war befremdet über Bonaventura ' s Schweigen ... Diesem hatte freilich Monika von Ehescheidung und zweiter Liebe gesprochen ... Inzwischen sagte , Bonaventura ' s stillen Schmerzblick nicht beachtend , die Tante : Ich schreibe beiden : Kommt und versucht Euer Heil ! Armgart ist kein Kind , das sich regieren läßt ! Ihre Stellung auch im Stift macht sie selbständig ... So und ähnlich schrieb sie fort und ließ dem Flüstergespräch der beiden Liebenden Raum ... Freilich blieb Bonaventura - ein Priester und Paula - eine Leidende ... Wie die zarte Gestalt , die Künstlerhand aus Alabaster schuf , nur mit äußerster Vorsicht von prüfenden Händen berührt wird , so schonungsvoll mußte sich von selbst jedes Wort , jede Bewegung geben in Paula ' s Gegenwart ... Der Athem eines so räthselhaften Mundes ; der feuchte Glanz eines Auges , das so geisterhaft in die Ferne sehen konnte ! ... Wäre nicht das Gefühl gewesen : Risse ich dich mit mächtigem Arm an meine Brust und bedeckte deine Lippen mit Küssen , du würdest dem Leben angehören , das uns alle bindet , den Sinnen , die die Schranken unserer gemeinsamen Natur sind ! - es hätte Bonaventura wohl bange werden dürfen in dieser unheimlichen , spukhaften Umstrickung von Fäden , die Geisterhände um Paula zu spinnen schienen ... Oft erschrak er , wenn die sanften schwarzen Wimpern sich über die blauen Augen senkten und das unendlichste Behagen in den edlen Formen des jungen Mädchens ihre Neigung auszudrücken schien , sanft zu entschweben in jenes dunkle Zwischenland zwischen Wachen und Traum , zwischen Leben und Tod , jenes Land , das hier den Menschen das Jenseits erschien ... Die weißen Hände sanken dann nieder in den Schoos ... Das ganze Sein der Kranken schien Nahrung einzusaugen , die aus der Luft ihr zuströmte , ja aus Bonaventura ' s Athemzügen ... Der unwiderstehlichste Reiz des Frauenthums , die hingegebene willenlose Schwäche , benahm ihm die Sinne ... Wäre in der wahren Liebe nicht der Vorbau des Herzens immer mächtig , daß es sich sagte : Entweihe Deine Gottheit nicht ! Laß sie rein und unberührt von deinen stürmischen Wünschen ! Lege deine Schätze für noch seligere Zukunft zurück ! - er würde sich nicht haben halten können , mit seinen Armen diese seltsame Welt - an sich zu ziehen und zu zwingen , sich zur Menschheit zu bekennen ... So kam schon die siebente Stunde ... Tante Benigna schrieb immer noch und störte die Liebenden nicht ... Sie wußte - und sie wußte nicht , sie sah - und sie sah nicht ; sie war ganz in den ihr unbewußten Fesseln eines Idealanfluges , der , ob sie auch beim » Aufarbeiten ihrer Rester « am Schreibbureau Gänse , Enten , Schweine und Ochsen addirte , sie doch dabei wie ins Paradies versetzte , wo ja auch wildes und zahmes Gethier so fromm und heilig um den noch unberührten Baum der Erkenntniß wandelte ... Tiefe Stille ... Nur die Tante sagt viertelstündlich : Wo nur Armgart bleibt ! ... Wenn die Jagd nur kein Unglück bringt ! ... Plötzlich fällt ein so seltsam heller Schein ins Zimmer ... Die beschlagenen Fensterscheiben klirren leise ... Anfangs beachtet niemand den Schein und das Klirren ... Jetzt dringt ein Geruch ins Zimmer , der selbst der Tante , die an die Consequenzen der Landwirthschaft gewöhnt ist , zu fremdartig vorkommen sollte ... Aber sie nimmt Anstand , dem Besuch zu verrathen , worauf man im Landleben alles gerüstet sein müsse ... Sie schweigt und räth auf die Küche und das verbrannte Nachtessen ... Nun aber wird der Schein zu licht ... Alle drei erheben sich zu gleicher Zeit ... Da hört man schon das Klirren von zerspringenden Fensterscheiben ... Das ist Feuer ! ruft die Tante und greift an den Klingelzug ... Schon stürzen die Mädchen den todtblassen Damen entgegen - sprachlos ... Statt ihrer spricht der in Glührothschimmer getauchte Vorsaal ... Es brennt - ? ! wollte die Tante ausrufen ... Der Ton erstickte in ihrer angstgeschnürten Brust ... Doch schon war sie hinaus ... Bonaventura hielt Paula ... Die Mädchen hatten schon inzwischen gesagt , daß die Kapelle brenne ... Menschenstimmen ... Rufen , Schreien ... Das Laboratorium ! hörte man . Das Archiv ! ... Zusammenkrachendes Gebälk , eingeschlagene Thüren ... Bonaventura , halb bewußtlos , übergab Paula den Mädchen , um selbst nach den Ausgängen des Schlosses zu sehen ... Die Treppen waren steinern ... Im Hof entdeckte er eine mächtig lodernde Flamme , die aus der schon eingeschlagenen Thür der Kapelle wie eine gierige Zunge nach Nahrung suchte ... Noch schien sich das Feuer auf das Innere der Kapelle zu beschränken ... Wer aber wußte , was schon drinnen zerstört war ! ... Dem Archiv suchte man durch andere Zimmer beizukommen ... Im Hof arbeitete mächtig eine der Spritzen , die sich im Schlosse