die junge Frau hatte sich schon wieder zusammengenommen . Sie bereute ihre Aufwallung , denn Renatus wollte durchaus den Frieden in seinem Hause aufrecht erhalten haben , und bemüht , dieses Ziel zu erreichen , bemüht , ihrem Manne vielleicht durch eine Erörterung mit seiner Stiefmutter das Leben zu erleichtern , sagte sie , sich überwindend : Du bist wirklich nicht gerecht gegen uns , beste Vittoria ! Du weißt es , glaube ich , wirklich nicht , wie schwer der arme Renatus es hat ! Er thut für Dich und für uns alle , was er kann , aber .... - sie zögerte auf ' s Neue und sagte dann endlich , als müsse es einmal ausgesprochen werden : Er will freilich nicht , daß Du darum weißt , indeß Du kannst ja ohne das seine Handlungsweise nicht begreifen , und ich kenne ja auch Deine Liebe für ihn und mich , wennschon Du manchmal an die unsere für Dich nicht glauben willst ! - Sie machte eine Pause , dann fuhr sie fort : Heute zum Beispiel - wie gern wollte ich Dir einen Wagen holen lassen ! Ich führe ja auch selbst gern vor das Thor hinaus ! Aber unsere Einkünfte sind nicht groß , und das Leben kostet hier so viel ! Dazu .... - sie näherte sich der Stiefmutter , nahm ihre Hand und sagte : Versprich mir , daß Niemand , am wenigsten Renatus darum erfährt , und laß es Dich nicht kränken , wenn ich sage , daß das ganze Unheil nur von des Vaters falscher Großmuth herrührt - dazu ist Renatus seit den beiden letzten Jahren immer in großer Geldverlegenheit gewesen . Wir haben schon im vorigen und in diesem Winter überlegt , wie wir es machen könnten , uns zurückzuziehen , ohne ein unangenehmes Aufsehen zu erregen , und nöthig wäre es , denn Renatus hat , von einem Wechselgläubiger gedrängt , sich schon vor anderthalb Jahren entschlossen , von unserem Pächter Vorschüsse zu nehmen . Es bleibt ihm in diesem Jahre also nichts mehr übrig , als die auf ihn laufenden unglückseligen Wechsel verlängern zu lassen , was neue , größere Kosten machen wird , während wir mit unserem Gehalte beim besten Willen nicht im Stande sind , unsere Ausgaben zu bestreiten ! Hättest Du ihn je gesehen , wie ich , wenn die Zahlungstermine nahe kommen - und er hat ja schon in dem zweiten Jahre unserer Ehe die Hypothekenlast auf Richten noch erhöhen müssen - Du würdest Dich nicht mehr über ihn beschweren ! Die Stiefmutter hörte ihr ruhig zu , aber Cäcilie merkte , daß sie mit ihren Worten nicht den erwarteten Eindruck auf sie machte , denn Vittoria sagte , offenbar gelangweilt , sie verstehe von diesen Angelegenheiten nichts . Gewiß , hob die junge Baronin , weil sie lebhaft wünschte , ihrem Manne vor Vittoria ' s Ansprüchen Ruhe zu schaffen , so freundlich als sie konnte , noch einmal an , Du verstehst das nicht genau , und ich - ich habe ja auch davon nichts verstanden oder vielmehr nie recht daran gedacht , bis ich es Renatus endlich anmerkte , daß ihn etwas drückte ! Nun ich ihn aber gefragt habe , nun er mir Alles vertraut hat , nun ich weiß , weshalb Renatus für den Sommer unsere Wagenpferde verkauft und den Kutscher und den Diener bis zum Winter abgeschafft hat , nun ertrage ich , weil es ja dem geliebten Renatus zu Hülfe kommt , den heißen , einsamen Sommer hier in unserem Hause auch weit besser ! Und ich meine , auch Du wirst Dich gedulden um seinetwillen , Liebe ! Er hat ' s gewiß nicht leicht , er hat oft schwere Tage , und er ist ein Herr von Arten , von dem man in der Gesellschaft und im Regimente etwas erwartet ! Er muß doch leben , wie es einem Arten zukommt ! Cäcilie fand eine Beruhigung darin , daß sie dies endlich ausgesprochen hatte . Sie hoffte durch diesen Beweis ihres unbedingten Vertrauens ihre Schwiegermutter mit den Einschränkungen auszusöhnen , die sich aufzuerlegen sie ihrem Manne versprochen hatte ; aber Vittoria faßte es anders auf . Ich habe Dich nicht unterbrechen mögen , Kind , sagte sie ; indeß ich begreife nicht , weßhalb Du mir solche Mittheilungen machst , obenein , wenn Renatus Dir dies verboten hat . War ich es , die den Eintritt in die Welt begehrte , die unsere Vorstellung am Hofe forderte ? Oder meinst Du , daß mein Luxus Deines Mannes Geldverlegenheit verschuldete ? Nein , nein , gewiß nicht ! besänftigte sie Cäcilie , die bereits einzusehen begann , daß sie einen Mißgriff gethan hatte . Aber Du hegtest doch so gut wie ich die Neigung , die Gesellschaft kennen zu lernen , und Renatus hielt und hält es noch für nöthig , daß wir uns in ihr bewegen ! So muß er auch die Mittel schaffen , daß wir ' s können , entgegnete Vittoria mit großem Gleichmuthe , und er hat Unrecht , daß er Dich und mich mit Angelegenheiten peinigt , in denen wir ihm doch nicht helfen können ! Sein Vater that das nie ! Er machte Alles mit sich selber ab . Er war nicht kleinlich ! Renatus weiß davon zu sagen ! fuhr Cäcilie auf ; aber sie unterdrückte , was sie noch hatte hinzufügen wollen , und schweigend und in sich versunken blieb sie in dem Zimmer neben ihrer Schwiegermutter sitzen . Sie war dieses Zusammenlebens mit Vittoria von Herzen müde , sie war der Nothwendigkeit des Scheinenmüssens höchlich satt . Wäre sie nicht in der Liebe ihres Mannes so glücklich gewesen , hätte sie sich nicht damit getröstet , daß er sich glücklich in seiner Ehe mit ihr fühle , sie würde Hildegard oft um das ruhig bescheidene Leben in ihrer Mutter Hause beneidet haben . Bisweilen , wenn die Zahlungstermine für die Wechselschulden ihres Mannes herankamen , wenn sie berechnen