wie alljährlich , in ein böhmisches Bad begeben , die übrigen Hofstaaten rüsteten sich ebenfalls zum Aufbruche , und obgleich die Residenz damals noch nicht so groß war , daß man nicht bald vor das Thor gekommen wäre und außerhalb desselben nicht noch Feld und Wald und Wiesen genug gefunden hätte , suchte doch , wer es ermöglichen konnte , sich auch damals eine Veränderung des Aufenthaltes zu bereiten . Cäcilie und Vittoria aber weilten in der Stadt , denn Renatus war im Beginne des Sommers längere Zeit zum Ankaufe der Remonte-Pferde auswärts gewesen und war nun wieder seit einigen Tagen mit seinem Regimente zu den großen Manövern nach einer der benachbarten Provinzen kommandirt . Man konnte seiner Rückkehr erst in einigen Wochen entgegensehen . Die Sonne brütete über der Straße und glänzte blendend aus den gegenüberliegenden Fensterreihen wieder . Hier und da wirbelte der Südostwind die Staubmassen empor , daß man sie wie Wolken vorüberziehen sah . Vor dem Hause belud man einen großen Reisewagen mit Koffern und Schachteln . Der Wirth , ein reicher Kaufmann , der das Erdgeschoß bewohnte , ging mit seiner Familie in ein Bad und wollte die kühlere Nacht für den Beginn seiner Reise benutzen . Cäcilie und Vittoria saßen schon eine geraume Zeit schweigend neben einander . Endlich erhob Cäcilie sich , und die Fensterflügel öffnend sagte sie : Welch ein staubiger Brodem auf diesen Straßen liegt ! Ja , entgegnete Vittoria , ich dachte es eben ! Was für ein Land und was für ein Leben ist es , in denen man mitten in der besten Jahreszeit sich den grausigen Winter ersehnt ! Cäcilie setzte sich wieder zu ihr . In Richten muß es heute schön sein ! hob sie nach einer Weile an . In dem leeren , wüsten Schlosse ? entgegnete die Andere , und sich fächelnd , wie es ihre Gewohnheit war , rief sie nach längerem Schweigen : Wenn man nur wenigstens eine Stunde in das Freie fahren könnte ! Renatus hat die Pferde verkauft und noch keine ihm passenden gefunden - wir müssen uns gedulden , bis er wiederkommt ! bedeutete Cäcilie wie entschuldigend , und schloß mit der Bemerkung , daß es innen in dem Zimmer erträglicher als draußen sei , das Fenster , welches sie eben erst geöffnet hatte . Sie nahm ein Buch zur Hand und fing zu lesen an , aber man konnte sehen , daß sie nicht dabei war . Sie blätterte hin und her , legte es fort , griff nach einem Zeitungsblatte und schien auch von diesem nicht gefesselt zu werden . Vittoria sah ihr gelangweilt und ermüdet zu . Die Aussicht , einen ganzen Sommer in diesen engen Stuben zu verbringen , rief sie dann mit Einem Male aus , ist mir wirklich ganz entsetzlich ! - Und nach einer neuen Pause sagte sie , ihre eben erst gethane Aeußerung halbwegs vergessend : Ich wollte , Renatus hätte mich wenigstens gelassen , wo ich war - was hatte ich hier in der Stadt zu suchen ? Cäcilie antwortete ihr nicht gleich . Sie fühlte sich selbst gedrückt . Die neue Trennung von ihrem Manne ward ihr schwer , der ungerechte Vorwurf , den die Stiefmutter ihm machte , that ihr weh . Renatus hat es gut gemeint , sagte sie endlich , und mich dünkt , Du von uns Allen hättest die meiste Befriedigung hier in der Stadt gefunden . Wenigstens hast Du oft genug versichert , daß Dir hier ein neues Leben aufgegangen sei . Du hast Freunde gefunden , der Kronprinz zeichnet Dich aus , Du hast Genüsse aller Art ... Beklage ich mich denn ? fiel Vittoria ihr nach der Weise aller Derer in das Wort , die , keines zusammenhängenden Denkens gewohnt , von jeder in ihnen angeregten Vorstellung auf einen völlig veränderten Standpunkt geführt werden . Ich beklage mich ja nicht ! Ich meine , ich hätte es von jeher bewiesen , daß ich mich in das Unabänderliche zu fügen und daß ich auch zu schweigen weiß ! Was nennst Du das Unabänderliche ? fragte Cäcilie . Glaubst Du , entgegnete die Stiefmutter , daß es behaglich ist , daß es für eine Frau , die , wie ich , Herrin in ihrem Hause zu sein gewohnt war , behaglich ist , abhängig wie eine Klosterschülerin zu sein ? Mich dünkt , Du wärst so ziemlich die Herrin in unserem Hause ! wendete Cäcilie ein . Vittoria lachte . Nennst Du es Herrin sein , wenn mein Sohn , wenn Renatus mich förmlich unter Deine Kontrole stellt ? Wenn er mir die Weisung hinterläßt , daß ich in seiner Abwesenheit keine Besuche machen , Niemanden empfangen soll .... Vittoria , rief die junge Baronin , entstelle die Thatsachen nicht ! Renatus hat Dich nur gebeten , Emilio nicht bei Dir zu sehen , weil .... Weil Emilio Dir den Hof macht ! warf Vittoria ein . Cäcilie wurde blaß vor Zorn . Laß das , ich bitte Dich ! sagte sie sehr fest . Emilio ' s plötzliche Galanterie für mich täuscht weder meinen Mann noch mich ! Sei zufrieden , wenn wir schweigen - das Schweigen ist nicht immer leicht ! Und schweige ich denn nicht , füge ich mich denn nicht in alles , was Renatus fordert ? meinte Vittoria , die von ihrem früheren Klosterleben her ein Vergnügen in dem kleinlichen Kriege mit ihrer Umgebung fand , das sie sich , sobald sie Langeweile hatte , nicht versagte . O ja , rief Cäcilie , gewiß , Du schweigst , aber man sieht es Dir an , wie unbehaglich Du Dich fühlst , wie widerwillig Du Dich dem unerläßlich Gebotenen fügst ! Und glaube mir , das lastet so schwer , so schwer auf meinem Manne und auch auf mir , fuhr sie , wider ihren Willen heftig werdend , fort , daß wir .... - Sie brach plötzlich ab . Vittoria fragte , ob sie nicht vollenden wolle . Indeß