er : Lerche , schwebst im blauen Feld , Willst gen Himmel dringen ? Ist ' s dein Ton , der so dich hält ? Trägt dich so dein Singen ? Vöglein , Vöglein , wüßtest du , Wie beim stillen Wandern Durch die grüne Sonntagsruh ' Du voransteigst andern - Wie in deinen Jubel sich Andrer Jubel mischen , Sich in deinem Sangesstrich Mit im Blau erfrischen - Folgend deinem Schwebeflug Hoch und höher steigen - Droben würdest bald genug Du als Stern dich zeigen ! Es kamen Briefe aus seinem Kapitel ... Es kamen Anfragen , ob er nicht eine Mission nach Wien übernehmen wollte zur Begrüßung des dort erwarteten Cardinals Ceccone ... ob er auch seine Stimme mitgäbe zu diesem Protest und zu jenem Begehren ... Es kamen Müllenhoff ' s Exercitien und - die lächerlichste Scene von der Welt - denn schon wieder hatte man dem Pfarrer von Sanct-Libori einen Streich gespielt , schon wieder ein Neugeborenes an seiner Thür ausgesetzt , diesmal ein Lebendiges sogar , nur kein Kind , sondern ein frischgeworfenes Kätzchen , das mit einem Häubchen und wie ein Wickelkind eingeschlagen und befestigt bei erster Morgenfrühe in einem Korb vor seiner Hausthür wehwinselte ... In dem darob entstandenen Lärmen erst erfuhr Bonaventura , daß diese Verspottung bereits ähnlich neulich vorgekommen . Er suchte den Pfarrer zu trösten , der diesmal kleinsilbig wurde und das Toben und Androhen mit den Gerichten der Kathrein , dem alten Tübbicke und den Hausangehörigen verwies ... Dabei versicherte Tübbicke aufs bestimmteste : Es ist nicht die Schmeling ! ... Bonaventura erfuhr , daß man für diese Streiche eine Hebamme im Verdacht hatte , die Müllenhoff öffentlich des » Teufels Großmutter « genannt haben sollte ... O brächte doch der Cardinal Ceccone , stöhnte Müllenhoff , seinen Zorn mit einem Stück harten Schinkens beim Frühstück hinunterwürgend , o brächte er doch eine großmächtige Kette von einigen hundert Meilen im Umfang , daß man unsere deutsche Wildniß wieder an Roms Gesetz und Regel binden könnte ! Nein ! Frau von Sicking sagte mir gestern , und eine junge Dame , die soeben aus der Residenz des Kirchenfürsten bei ihr eingetroffen ist , bestätigt mir ' s , daß die Curie Sie entsenden will , Hochgeehrtester , den Cardinal zu begrüßen - nein , Sie werden einer solchen Ehre und Gelegenheit , bald Bischof in partibus , mindestens Weihbischof zu werden , nicht ausweichen ! Die ganze germanische Kirchenprovinz bittet für Sie trotz Ihrer Jugend um das Pallium , wenn Sie ihr erwirken : Petri beide Schwerter ! Oder wenn nur das eine , doch dies auf beiden Seiten geschliffen ! ... Daran reihten sich einfach , wie der Pfeffer zum Schinken , in Müllenhoff ' s Reform : Bischofsrecht über jedes Amt in Schule und Kirche ! Keine Stelle vergeben , wenn nicht durch die Hirten Christi ! Kein Amt , keine Pfründe , keine Strafe , keine Belohnung mehr aus weltlicher Hand ! Keine Berufung mehr auf weltliches Gesetz ! Wer innerhalb der Kirche wagt , weltliches Gesetz gegen Geistliche anzurufen , excommunicirt ! Priester sind jetzt schon zu erziehen von Kindesbeinen an , damit hernach kein Mangel ist ! Religion auf keiner Schule mehr , als durch uns ! Kein Placet , kein Transeat , kein Cabinetspaß für den Willen Roms ! Gottesdienst überall , im Tempel und im Freien : Congregationen , Bruder- und Schwesterschaften nach Bedürfniß ! Klöster mit ganzer und halber Regel ! Selbstbeschauung , wer nur Lust hat , sich , sei ' s als Eremit allein , im Spiegel seiner Nacktheit zu erblicken oder im Bund mit andern in den Exercitien ! Verkehr zwischen Rom und jeder Hütte von Baumzweigen , » wo nur ein stümpernder Sanct-Antonius oder Sanct-Hieronymus « beten will ! Jeder Heller endlich , der der Kirche gehört , nur von unserer eigenen Regula de Tri verrechnet ! ... Alles das tobte die Verzweiflung aus , daß er Mutter Schmeling nicht sogleich unter den Hexenhammer einer geheimen , sicher wirkenden Inquisition bringen konnte ... Unter den Zeitungen , Briefen , Visitenkarten , die Renate geschickt hatte , fiel Bonaventura die Traueranzeige über den Tod Hendrika Delring ' s auf . Er widmete ihrem Andenken die innigste Theilnahme . Er vergegenwärtigte sich die Wirkungen dieses Schicksalsschlags , der das Kattendyk ' sche Haus betraf . Schon so frei , schon so entfesselt von seinen frühern Anschauungen war er , daß er sich sagte : Also ein Zeugniß für die Liebe weniger in der Welt ! ... Von Lucindens Nähe hatte er keine Ahnung ... In Witoborn fand er um Mittag alles von der Jagd erfüllt und von den Nachrichten , die schon über den Landrath eingelaufen waren ... Er selbst mußte sich geistlichen Aufträgen widmen und konnte deshalb auch nicht zum Kloster Himmelpfort , so gern er wollte ... Dann mußte er jedenfalls die in Westerhof heute so verlassenen Damen besuchen ... Onkel Levinus und Terschka konnten möglicherweise erst spät Abends zurückkehren ... Gegen vier Uhr fand er Westerhof einsam und still ... Die Dienerschaft war größtentheils zur Jagd ... Die Beamten sogar feierten - sie wohnten ringsum zerstreut in den entlegneren Wirthschaftsgebäuden ... Zwei Diener waren daheim geblieben und Dionysius Schneid war seines Ungeschicks wegen kaum zu rechnen ... Nur an weiblichem Personal war kein Mangel ... Er hörte sogleich , daß Paula heute wieder wohler war ... Wie immer mußte er sich erst Bahn brechen durch Hülfebegehrende , die sich auch von ihm die geistliche Segnung , die er im Vorübergehen spendete , nicht entgehen ließen ... Jetzt erst - zweimal vierundzwanzig Stunden nach der Frage : Und wenn nun doch noch die Urkunde gefunden würde - und wenn man dann verlangen würde , daß Sie das Opfer brächten , die Hand des Grafen Hugo zu nehmen ? ... sahen sich die Liebenden wieder ... Paula ' s Antwort lag in den stummen Gegenfragen der Begrüßung : Und jetzt erst seh ' ich dich wieder ? Ist denn