veranlaßte sein Abschiedsgesuch . Es kommt nun freilich darauf an , auf wessen Seite du dich stellst , Waldemar . Ich glaube , der Administrator wäre nicht abgeneigt , zu bleiben , wenn du ihm gestattetest , nach wie vor den unumschränkten Gebieter zu spielen . Ich füge mich natürlich deiner Entscheidung . « Der junge Nordeck machte eine ablehnende Bewegung . » Ich bin ja erst seit gestern abend hier und kann mich unmöglich so schnell in die Verhältnisse finden . Wenn Frank übrigens gehen will , so werde ich ihn nicht halten , und wenn wirklich Streitigkeiten mit dem Schlosse die Veranlassung dazu sind , so traust du es mir doch hoffentlich nicht zu , daß ich dem Administrator gegenüber meine Mutter dementieren werde . « Die Fürstin atmete auf . Sie hatte doch einige Besorgnis hinsichtlich Franks gehegt . Ihr Sohn sollte erst mit ihm in Verkehr treten , wenn er mit ihren Augen sehen gelernt hatte und gründlich gegen seinen Beamten eingenommen war . Bei dem rücksichtslosen Freimute desselben und dem ungestümen Charakter des jungen Gutsherrn , der nicht den geringsten Widerspruch ertrug , mußte es dann notwendig zu einem Zusammenstoße kommen – da störte der unerwartete und unpassende Besuch im Gutshofe den ganzen Plan . Indessen Waldemars Haltung bewies , daß es in der kurzen Zeit , die er drüben verweilte , zu keinen Erörterungen gekommen war ; er legte augenscheinlich gar keinen Wert auf das Gehen oder Bleiben des Administrators und besaß Schicklichkeitsgefühl genug , sich von vornherein und ohne jede Prüfung auf die Seite seiner Mutter zu stellen . » Ich wußte , daß ich auf dich rechnen konnte , « erklärte sie , sehr befriedigt von dieser ersten Zusammenkunft . Es fügte sich ja alles und jedes nach ihren Wünschen . » Aber da geraten wir gleich in den ersten Stunden auf dieses unerquickliche Beamtenthema , als ob uns nichts Besseres zu Gebote stände . Ich wollte – ah , da bist du ja , Bronislaw ! « wandte sie sich an ihren Bruder , der mit seiner Tochter am Arme eintrat . Waldemar hatte sich bei den letzten Worten gleichfalls umgewendet . Einen Moment schien er doch betroffen , so fremd war ihm die Erscheinung , die so hoch und stolz ihm gegenüberstand . Er hatte nur das sechzehnjährige Mädchen mit seinem frischen Jugendreize gekannt ; diese Gestalt mochte ihm doch neu sein . » Sie verspricht dereinst schön zu werden , « hatte die Fürstin Baratowska von ihrer Nichte gesagt . Wie sehr dieser Ausspruch sich bewähren würde , hatte sie wohl selbst nicht vorausgesehen . Freilich lag die Schönheit hier nicht in dem Begriffe der Regelmäßigkeit , denn dem entsprachen Wandas Züge durchaus nicht . Der slavische Charakter trat zu deutlich darin hervor , und sie entfernten sich ziemlich weit von dem griechischen oder römischen Ideale , aber trotzdem war dieses immer noch etwas bleiche Antlitz von einem hinreißenden Zauber , dem sich niemand verschließen konnte . Das tiefschwarze Haar , im Widerspruche mit der herrschenden Mode ganz einfach geordnet , zeigte sich eben dadurch in seiner ganzen prächtigen Fülle ; was aber der jungen Gräfin den mächtigsten Reiz lieh , das waren ihre dunkeln , feuchten Augen , die sich groß und voll unter den langen Wimpern aufschlugen . Jetzt freilich stand etwas andres darin , als Kindesübermut und Kinderscherze . Mochten diese tiefen Augen sich nun in träumerischer Ruhe verschleiern oder in leidenschaftlicher Glut aufstrahlen , rätselhaft und gefährlich blieben sie immer . Man fühlte bei ihrem Anblicke , daß sie rettunglos bestricken , unwiderstehlich festhalten konnten , und Gräfin Morynska hatte diese Macht zu oft erprobt , um sich ihrer nicht im vollsten Maße bewußt zu sein . » Sie haben ganz Wilicza mit Ihrer Ankunft überrascht , Waldemar , « sagte der Graf , » und finden nun gleich Gäste in Ihrem Hause . Wir wollten eigentlich schon heute früh abreisen , auf die Nachricht von Ihrem Eintreffen hin aber mußten wir uns doch noch Zeit zur Begrüßung nehmen . « » Gewiß , Cousin Waldemar ! « bestätigte Wanda , indem sie ihm mit einem reizenden Lächeln und der graziösesten Unbefangenheit die Hand entgegenstreckte . Nordeck verneigte sich sehr förmlich und abgemessen vor seiner schönen Cousine . Er schien die dargebotene Hand nicht zu sehen und die liebenswürdig vertrauliche Anrede nicht gehört zu haben , denn ohne auch nur eine Silbe darauf zu erwidern , wandte er sich zu Morynski . » Ich will doch nicht hoffen , daß ich Sie vertreibe , Herr Graf ? Da ich vorläufig ja auch nur der Gast meiner Mutter bin , so sind wir im gleichen Falle . « Der Graf schien angenehm berührt von dieser Artigkeit , die er seinem Neffen gar nicht zugetraut hatte ; er antwortete verbindlich , Wanda dagegen stand stumm mit fest zusammengepreßten Lippen da . Sie hatte für gut befunden , dem jungen Verwandten mit der ganzen Unbefangenheit der Weltdame entgegenzutreten , ihm großmütig eine peinliche Erinnerung zu ersparen , indem sie dieselbe vollständig vergaß , und nun mußte sie es erleben , daß die Unbefangenheit gar nicht angenommen , die Großmut zurückgewiesen wurde . Der Blick , der mit so eisiger Gleichgültigkeit über sie hinglitt , zeigte ihr , daß Waldemar die einstige Neigung allerdings vergessen , die einstige Beleidigung aber nicht verziehen hatte und sich jetzt dafür rächte . Das Gespräch wurde bald allgemein , da auch die Fürstin und Leo sich daran beteiligten . An Stoff fehlte es nicht . Man sprach von Waldemars Reisen , von seiner unvermuteten Ankunft , von Wilicza und der Umgegend , aber so belebt die Unterhaltung auch war , es blieb doch jede Vertraulichkeit ausgeschlossen ; man sprach zu einem Fremden , mit dem man zufällig in verwandtschaftlichen Verhältnissen stand . Dieser Nordecksche Sprößling gehörte nun einmal nicht zu dem Kreise der Baratowski und Morynski – das wurde von beiden Seiten gefühlt und unwillkürlich regelte sich der Ton danach . Der Graf