sie dann leise , » sie ist sehr reizend , sehr – und nun leb wohl , Beate ! « » Willst du weinen ? « fragte die Cousine , » du hast so glänzende Augen ! « » Nein « , sagte Klaudine , » ich will nicht weinen . « » Na , dann leb wohl , Herzenskind , und denke an frische Toiletten . Lothar will ein Fest geben . Ich meine , du wirst dann selbst diese › sehr reizende ‹ Prinzessin ausstechen , und nicht wahr , du leihst mir ein wenig deinen Rat , ich hin in der Hofsitte so unerfahren wie ein kleines Kind . Leb wohl , Schatz , leb wohl ! « Klaudine eilte ins Haus zurück in ihr kleines Stübchen . Ihr war , als sei die Welt aus den Fugen gegangen seit gestern . Sie wußte ja nur zu gut , warum Prinzeß Thekla ihr zweites Töchterchen nach Neuhaus brachte ! » Verloren ! « flüsterte sie , » verloren für immer ! Aber – kann man denn etwas verlieren , was man nie besaß ? « Sie war nicht ärmer als bisher , und doch – seit gestern , seit diesem bunten schrecklichen Gestern hatte sich riesengroß eine Hoffnung in ihr Herz gedrängt , sie hatte wider Willen an seinen nächtlichen Ritt tausend süße törichte Gedanken geknüpft . Hoffen und Bangen hatte sie bewegt bis zum grauen Morgen . Welche Torheit ! Er war nicht gekommen , um mit liebendem Auge ihren Schatten zu erspähen , er hatte nachsehen wollen , ob sie daheim sei , wie es ehrbaren Mädchen ziemt ! O , er war sehr besorgt um die Ehre seines Namens ! Sie preßte die Hände vor die Augen , so fest , daß sie Feuerfunken zu sehen vermeinte , aber mitten darin gaukelte eine zierliche Mädchengestalt . Sie ließ die Arme wieder sinken und schaute durchs Fenster . War sie überhaupt noch bei Sinnen ? Durch die roten Flecke , die noch vor ihren Augen tanzten , leuchtete jenseit des Gitters die Purpurlivree des herzoglichen Dieners , und nun stürzte Fräulein Lindenmeyer bereits ins Zimmer : » Klaudinchen ! Fräulein Klaudine , die Hoheiten ! « Mit schwankendem Schritt trat Klaudine vor den Spiegel , setzte das weiße Strohhütchen auf , ließ sich von Fräulein Lindenmeyer den blaugefütterten Sonnenschirm in die Hand drücken und ging hinunter . Sie sah kaum , daß auf dem hohen Bock des sehr niedlichen zweisitzigen Wagens der Herzog in eigenster Person die Zügel hielt . Mechanisch beugte sie sich auf die Hand der Herzogin , deren zartes Gesicht vor Wonne über diese Spazierfahrt leuchtete . » O , danke , danke , meine beste Klaudine , es geht mir vortrefflich ! « sagte sie mit ihrer matten Stimme , » wie soll es auch anders sein ? Dieses himmlische Wetter , dieser Tannenduft , der Herzog als Wagenlenker und Sie mir zur Seite ! Sagen Sie selbst , meine Beste ! « Man war stundenlang in den Wäldern umhergefahren , vor einer einsamen Mühle wurde haltgemacht und die Herzogin hatte von der jungen , ganz bestürzten Müllersfrau ein Glas kühler Milch erbeten , während der Herzog dem Diener die Zügel zuwarf und plaudernd am Wagenschlag lehnte . Den ehrerbietig herzugeeilten Müller hatte er huldvoll nach dem Gange des Geschäfts gefragt und ihn geheißen , der Frau Herzogin die drei Buben vorzustellen , die mit den kleinen Prinzen just in einem Alter standen , und die fürstliche Frau hatte die blonden sonnverbrannten Kinder gefragt , was sie werden wollten , und auf die Antwort : » Soldaten ! « jedem für die Sparkasse einen blanken Taler mit dem Bilde des Herzogs geschenkt . Dann war man weitergefahren , heimwärts , denn die Abendsonne begann durch das Tannengezweig zu leuchten . Die Herzogin tat noch immer tausend Fragen . Gewaltsam mußte Klaudine ihre wild davonflatternden Gedanken zusammennehmen . » Neuhaus hat Gäste « , sagte jetzt die fürstliche Frau , » dort weht die Standarte unseres Hauses . « » Ihre Durchlaucht Prinzeß Thekla « , bestätigte Klaudine mit matter Stimme . » Und Helene ? « » Prinzeß Helene wird ebenfalls erwartet , Hoheit . « » Leb wohl , du schöne Einsamkeit ! « rief die Herzogin . Die Kutsche näherte sich rasch der niedrigen Mauer des Neuhäuser Parkes , ihr entgegen rollten in scharfem Trabe zwei Landauer , die Kutscher und Diener in großer Livree . Man mußte sich unmittelbar an der Einfahrt begegnen , und in der Tat , der Herzog senkte grüßend die Peitsche , und die Herzogin winkte freundlich mit der Hand zu dem Wagen hinüber , in deren braunseidenem Rücksitz zwei Damen saßen , gegenüber Baron Lothar . Klaudine sah , wie die junge Prinzessin , im koketten Reisemantel aus hellgrauer glänzender Seide , unter dem zierlichen Strohhütchen hervor einen spöttisch verwunderten Blick zu ihr hinüberwarf , wie Prinzeß Thekla die Lorgnette bei der Verneigung , die sie der regierenden Herzogin halb widerwillig zukommen ließ , kalten Auges auf sie richtete und wie Lothar sie kaum zu beachten schien . Nach ein paar Sekunden war man aneinander vorüber . » Dort tritt die künftige Herrin in das Neuhäuser Schloß « , sagte der Herzog , und seine blitzenden Augen streiften das bleiche Mädchengesicht . » Du meinst wirklich , Adalbert ? Welch Glück für die kleine Verwaiste ! « Er antwortete nicht . Klaudine preßte die Hände um den Griff ihres Sonnenschirmchens , sie zwang sich gewaltsam , ihre tiefe Bewegung nicht zu verraten . Ahnte der Herzog , wer es war , den sie im Herzen trug ? Sie konnte nicht hindern , daß eine heiße Röte sich über ihr Antlitz ergoß , und jetzt begegnete sie abermals dem forschenden Auge des Herzogs . » Sie ist ein verwöhntes kleines Geschöpf « , sagte die Herzogin , die jetzt wie träumerisch in dem Polster des Wagens lehnte , » möge sie Glück bereiten und