selbst wenn er nicht ein Musterehemann würde wie Bergen . Er wäre eben er , und so wäre es gerade gut . Ich las noch einmal durch , was ich geschrieben , legte einige kleine Blumen von meinem Fenster in den Brief , drückte einen Kuß darauf und begab mich , nachdem ich ihn in meinem Nähtische verborgen hatte , zu Bett , um das erstemal nach langer Zeit meine Augen unter dem Dache meines Vaterhauses zu schließen . » Was man träumt in solch erster Nacht , geht in Erfüllung « , hatte mir Liesel noch vor dem Scheiden gesagt . Und Wilhelm erschien mir im Traum . Ich ging an dem kleinen Flusse im Park und suchte etwas , aber vergebens . Da stand Eberhardt drüben , ich winkte ihm , er aber schüttelte mit dem Kopfe und zeigte mit betrübter Miene nach rückwärts . Ich suchte nach einer Brücke , aber es war keine vorhanden . Da nahm ich einen schwanken Zweig und legte ihn über das Wasser ; ich wollte darauf hinübergehen , zitternd vor Angst . Als ich mitten auf ihm war , stürzte ich in den Fluß . Ich rief um Hilfe . Eberhardt rührte sich nicht , nur ein Stöhnen hörte ich . Ich machte verzweifelte Anstrengungen , um ans Ufer zu gelangen , und kam nicht von der Stelle , während das Stöhnen immer ängstlicher und lauter wurde . Ich erwachte und konnte mich nicht besinnen , kalter Schweiß stand auf meiner Stirn . Da tönte mir wieder das Stöhnen ins Ohr , und nun wußte ich , wo ich mich befand . » Kathrin , bist du krank ? « Ein neues Stöhnen war die Antwort . Grauenhaft hörte es sich an . Im Nu hatte ich Licht angezündet und war in den Kleidern – da lag die arme Kathrin mit dunkelrotem Gesicht , der Atem ging pfeifend , als müßte sie ersticken , das Stöhnen rang sich unheimlich von ihren Lippen , die Augen sahen stier zur Decke . Ein namenloser Schrecken überfiel mich . Ich war allein mit der Kranken , Erfahrung hatte ich gar nicht , was sollte ich beginnen ? Ich versuchte , sie ein wenig hochzurichten und rief ihren Namen . Schwer sank sie wieder in die Kissen . Einen Augenblick war ich vollständig ratlos , dann nahm ich ein Tuch um und ging hinüber zum Pfarrhause . Es war eine dunkle , windige Nacht , aber ein warmer Frühjahrshauch verkündete schon den kommenden März . Ich klopfte an einen Fensterladen , wo ich das Schlafzimmer der Frau Renner vermutete – ein- , zweimal , es hörte niemand . Endlich vernahm ich ein Geräusch , oben wurde ein Fenster geöffnet , und die Stimme des jungen Pastors rief herab : » Wer ist da ? Soll ich zu einem Kranken kommen ? « » Nein , ich bin ' s « , sagte ich beklommen . » Kathrin ist so krank . Ich weiß nicht , was ich anfangen soll , und da wollte ich Ihre Frau Mutter bitten , daß – « » Gleich , Fräulein Siegismund , sofort will ich sie wecken . Gehen Sie wieder hinüber zu der Kranken , Sie sollen sogleich Hilfe haben . Gehen Sie , ehe Sie sich erkälten . « Ich ging . Kathrin lag noch ebenso . Ich beugte mich über sie , sie erkannte mich nicht . Eine kurze Zeit verfloß , da klang die Haustür , und Frau Renner trat , begleitet von ihrem Mädchen , ein . » Herr Gott , Sie armes Kind , wie mögen Sie sich ängstigen « , sagte sie herzlich und faßte meine Hand . » Was mag nur dem alten Wurm sein , sie stöhnt ja furchtbar ? « Sie trat an das Bett Kathrins , fühlte den Kopf und meinte : » Wir müssen kalte Umschläge machen , bis der Arzt kommt . Morgen ist glücklicherweise der Tag , wo er das Dorf besucht . Die Rose Marthal hat das Nervenfieber , und da wird er schon früh hier sein . Ängstigen Sie sich nur nicht , mein armes Hundel « , fügte sie echt schlesisch hinzu , » ich bleibe die Nacht bei Ihnen , und kommt ein neuer Tag , kommt auch ein guter Rat , es ist nicht alles so schlimm , wie es sich anläßt . « Ich hätte der alten , praktischen Frau die Hände küssen mögen für ihren Beistand , wenn sie es mir erlaubt hätte , und bat ihr in Gedanken alles ab , womit ich sie beleidigt hatte . Gehorsam folgte ich ihren Anordnungen , tauchte Tücher in kaltes Wasser und legte sie der Kranken auf die Stirn . » Das gibt eine Lungenentzündung , passen Sie auf , mein Kindel . Das pfeift viel zu sehr . Mein seliger Mann hat ' s auch durchgemacht . Es ist kein Spaß , sag ' ich Ihnen . « » Sie wird doch nicht sterben ? « fragte ich angsterfüllt . » Wollen ' s nicht wünschen , aber sie ist nicht mehr jung und , wie gesagt , es ist halt nicht zu spaßen mit einer Lungenentzündung . « » Ach , mein Gott , nur das nicht ! « betete ich für mich . Es kam mir mit einem Male der Gedanke , ich hätte das alte , treue Herz noch so recht nötig für mein junges Leben . Und immer schlimmer wurde es mit ihr , und als es endlich Morgen war und der Arzt kam , da machte er ein bedenkliches Gesicht und meinte , die Patientin wäre schwerkrank . Mit wahrer Todesangst wachte ich Tag und Nacht an dem Bette der Alten . Es war gewiß nicht leicht für mich , und ich erkannte , wie verwöhnt ich war . Vom Schloß wurde mir die Liesel zur Hilfe geschickt , auch sorgte die Baronin für ein » Tischchen deck dich « , obgleich mir vor