, in seinem berühmten Gemälde › Las Lanzas ‹ genannt , welches die Übergabe von Breda darstellt . Die Rubensschen Geschichtsbilder konnten sich des allegorischen Beiwerks nicht entledigen . Velasquez ' Genrebilder mit lebensgroßen Figuren sind auch schon im modernen Sinne konzipiert , z.B. der Besuch in einer Gobelinfabrik , ein Bild , das Gerôme für das bestgemalte Bild überhaupt erklärt hat . Die Spanier halten ihre großen Meister auch hoch in Ehren ; Murillo gilt ihnen als der › pintor del cielo ‹ , Velasquez als der der › tierra ‹ . Merkwürdigerweise hat auch Murillo höchst realistische Genrefiguren ( München , Louvre ) gemalt . Die Porträts des Velasquez stehen in ihrer Art auf dem Gipfelpunkt des Erreichbaren . Der geistreiche Blick derselben erhascht , nach dem Ästhetiker Vischer , › den reinsten Phosphor der Persönlichkeit ‹ . Man hat in Spanien immer das Gefühl , daß es eine Weltmacht war ; häufig begegnet man noch dem Flitter vergangener Größe . Interessant ist das Volksleben , die Tänze auf öffentlichen Plätzen , das Zigeunertreiben , das Aufregende der blutigen Stierkämpfe , die Hingabe der Frauen , die klangvolle Sprache , die äußerste Lebendigkeit in der Komödie und Posse , die Gastfreundschaft , dazu die Fülle der Abenteuer , deren man dort mehr erleben kann , als in anderen Ländern . Im Alcazar von Sevilla und in Granada lernte ich die Blüte arabischer Architektur kennen und befreundete mich mit dem Architekten Herrn von Diebitsch , der damals in der Alhambra seine Studien machte . Von Cadix ging ich mit einem kleinen vollgepackten Marktboot nach Marokko hinüber ; die Fahrt sollte acht Stunden dauern , ein Sturm trieb uns aber vierundzwanzig Stunden umher . In Tanger sah ich zum erstenmal ein Stück fremden Erdteils , das sich mir tief einprägte und auf meine spätere Entwicklung einen großen Einfluß übte . Fast alles war anders wie in Europa , wo die nivellierende Kultur die sonst so verschiedenen Länder in der äußeren Erscheinung ziemlich gleich gemacht hat . Die Trümmer der Beschießung von Tanger und Mogador durch die Franzosen waren , eine Folge der großen Indolenz der Bewohner , noch nicht fortgeräumt . Am Strande ( einen Hafen besaß Tanger noch nicht ) und vor den Toren der Stadt lagen Hunderte von Arabern , Berbern und Kabylen , die von Algerien hierher verschlagen waren , in Fetzen und Lumpen , unter ebenso zerrissenen Zelten halb nackt umher . Sie machten den Tag zur Nacht . Es war die Zeit des Fastenmonats Ramadan , wo von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht Speise noch Trank genossen werden darf . Ein Unglücklicher , der seinen Durst nicht bezwingen konnte , glaubte heimlich trinken zu können , ohne dabei bemerkt zu werden . Aber das wilde , scharfe Auge des Hafenkapitäns hatte den Sünder erspäht , und sofort riß er , in seinem religiösen Fanatismus , eine Latte vom Zaun , ( ein Nagel war darin stecken geblieben ) und hieb auf den Armen ein , daß das Blut herumspritzte . Dazu war der Anzug dieses improvisierten Henkers rot vom Turban bis zu den Maroquinschuhen . Das war so ein Stück patriarchalischer Rechtsprechung . Ich mußte ein paar Stunden unter dem wilden Volk warten , ehe ich die Tore passieren durfte , da erst die Pässe revidiert werden mußten , – der meinige durch den schwedischen Generalkonsul ; denn wir hatten damals noch keinen Vertreter dort . Ein Russe , der Sohn des Gouverneurs von Sibirien , wurde überhaupt nicht eingelassen und mußte mit dem nächsten Schiff wieder abreisen . Zurück fuhr ich , viele Wochen später – wie hier vorgreifend gleich bemerkt werden mag – auf einem französischen Kriegsschiff , auf dem sich der berühmte französische Kriegsmaler Raffet befand ; eben dies Kriegsschiff sollte das hier lagernde algerische Gesindel nach Oran zurückschaffen . Dabei hatte ich denn Gelegenheit , noch manche Seltsamkeiten dieses Gesindels kennenzulernen . Von Tanger aus besuchte ich die Höhlen der Riffpiraten und die malerische Stadt Tetuan . Dem Pascha derselben hatte ich keinen Besuch gemacht , weil solche Besuche jedesmal mit großen Geldopfern , die ich damals nicht machen konnte , verbunden sind . Er rächte sich aber dafür ; denn als ich von Tetuan nach Tanger zurück wollte , gab er mir vier Begleiter mit auf den Weg , für die ich pro Tag zwanzig Dollars bezahlen mußte . Und dabei verlangte er vorweg eine schriftliche Erklärung , dahingehend , › daß ich ihn nicht verantwortlich machen wollte , wenn mir ein Überfall zustieße ‹ . Ich blieb nämlich eine Nacht unterwegs , da mir ein Tagesritt von zwölf Stunden , den ich auf der Hinreise gemacht , zu anstrengend war . Meine Begleiter , wie vorauszusehen , schliefen gleich ein , statt abwechselnd die Wache zu halten , weshalb ich sie persönlich übernehmen mußte . Dies wurde mir dadurch leichter , daß wir an einem Orte lagerten , wo kurz zuvor eine Karawane angekommen war , mit vielen im Atlasgebirge eingefangenen Affen , die nun von den scharenweis herbeikommenden wilden Hunden angebellt wurden , was einen Höllenlärm verursachte . Nach Spanien zurückgekehrt , glaubte ich mich in meine Heimat versetzt , so groß war der Unterschied zwischen europäischem und afrikanischem Leben . In Tanger und Tetuan mußte ich mich durch einen spanischen Dolmetscher mit den Arabern verständlich machen ; in Madrid mietete ich mich jetzt in eine spanische Familie ein , um die Sprache schneller zu erlernen . Durch die Liebenswürdigkeit der Damen , besonders der Töchter des Hauses , gelang mir ' s auch einigermaßen . Auf der weiteren Rückreise durch Südfrankreich hatte ich einen Unfall , und ward im Gebirge oben vom höchsten Sitz der Messagerie durch Sturz des Wagens wohl zwanzig Fuß herabgeschleudert , derart , daß ich acht Tage meinen Kopf nicht bewegen konnte . « So verlief die genau dreiviertel Jahr umfassende spanisch-marokkanische Reise W. Gentz ' , die , wie hier parenthetisch bemerkt werden mag , trotz der vorerwähnten kostspieligen Militäreskorte von Tetuan nach