- Und hilflos stand man hier und sah den Tempel der Arbeit zusammenstürzen , und mit den aufquellenden Rauchwolken schienen die Geister der Stätte zu entfliehen . Er dachte : Ich sollte fortgehen - die Frau wegführen . Was tun wir hier . Man war nur ein tatenloser Zuschauer wie all diese Tausende , die sich im Schlunde aller Gassen hüben und drüben preßten . Er hatte nicht einmal das Recht , sich zu betätigen - da arbeitete die Wehr - die nur ihre geschulten Kräfte an ihre Maschinen heranließ - da war die Polizei , die sogar den Besitzer fortwies . Hier waren keine Menschenleben in Gefahr , die man mit heldischem Mut hätte retten wollen und können . Hier galt es die höchste Umsicht und die rasendste Arbeit , das Feuer nicht weiterspielen und -tanzen zu lassen - zu verhüten , daß ein großes Fabrikviertel , daß zahllose Schiffe ein einziges großes Feuerwerk wurden , daß sich Lagerstätten voll von Millionenwerten in prasselnde Scheiterhaufen , Raketen und Glühbomben auflösten . Ja - fort - die Qual des Zusehens war zerrüttend . Julia flüsterte : » Ich möchte fort - bringen Sie mich nach Haus . « - - Er verstand nicht . Trotzdem man das Gefühl hatte , inmitten einer grandiosen , andachtsvollen Stille zu sein , durch die nur Kommandorufe hallten , war in der Tat die Luft voll von Geräuschen , die durcheinander sausten und zischten . Sie mußte es noch einmal sagen . » Ja , « sagte er , » gewiß . « - Und nun fühlte er : es hielt ihn hier mit bezwingender Gewalt fest - es war ein Opfer , die Frau zu geleiten . - Ganz rasch machte er sich aber klar : In einer Viertelstunde kann ich wieder hier sein . Er versuchte , Julia durch das Gedränge zu bringen . Jeder wollte gern vor ihm zurückweichen , denn viele kannten ihn als den Besitzer der brennenden Farbwerke , und andere errieten , daß er es sei . Das teilnahmvolle Platzmachen war aber schwer , denn jeder Gefällige , indem er sich bewegte , drückte schon mit seinem Rücken gegen die Brust eines Hintermannes . Endlich kamen sie aber doch durch diese lang sich hinstreckende , zusammengekeilte Menge . Und da war auch ein Auto . Sie stiegen ein . Julia fiel , wie in halber Ohnmacht , mit ihrem Kopfe gegen seine Schulter . Mit ihren beiden Händen umklammerte sie seinen Arm , ging , wie suchend , mit ihren Fingern abwärts , bis sie seine Rechte fand , und umpreßte sie mit heftigem Druck . Und rasch schien sie sich zu erholen . Sie sprach - in abgebrochenen Worten - aber jedes kam aus seinem eigenen Gemütszustand - sagte ihm , wie ihm zumute war ; sein tiefstes Innere , so wie es in dieser Stunde war , schien auf ihren Lippen sich in die rechten , erlösenden Reden zu kleiden . Das tat ihm wundervoll wohl . Er war ja nicht schwach und nicht zerbrochen . Aber er war weich , erregt , nervös . Und dieser Weichheit war es Trost , so mit verstehenden , zarten Worten gestreichelt zu werden ... Das schien nicht die Frau mit dem deutlich versucherischen Wesen . Das war das Mitleid , das war das Verständnis in Person - vor allem dies letztere . - So klein und einsam vor dem gewaltigen Ereignis hatte er gestanden - so ganz in menschliche Nichtigkeit aufgelöst . - Und man ist nicht mehr in der zermalmenden Einsamkeit vor der Naturmacht , man ist nicht mehr eine Nichtigkeit voll Ohnmacht , wenn eine verstehende Seele sich zu einem neigt : » Ich leide mit Dir , weil ich weiß , daß Du leidest . « - - Und immer traulicher schmiegte sie sich in seinen Arm . Da hielt das Auto - droben im Haus glänzten erhellte Fenster in die Nacht hinaus . - - » Dank , « sagte er mit unsicherer Stimme , » Dank für all Ihr Mitgefühl . « - - Und da neigte sie sich zu ihm - so nah - daß ihre schwarzen , flehenden Augen dicht vor seinem Gesicht waren . War sie es , die zum Kuß seine Lippen berührte - war er es , der die ihren suchte ? - Ein kurzer Augenblick ... Dann Stimmen - der Chauffeur , der die Tür aufriß - helle Rufe von droben aus den Fenstern - Geräusche drinnen an der Haustür . - Julia stieg die drei , vier granitenen Stufen zu ihr empor . - Und er , der im Auto saß , das sofort wendete - er sah nicht das Siegerlächeln auf ihrem Gesicht . - Allert jagte zurück . Dieser kurze Augenblick war rasch abgetan - mit einer Handvoll vernünftiger Worte , die er sich sagte : die arme Frau war außer sich - gleich ihm jäh mit dem Donnerwort aus dem Schlaf gejagt - er wußte ja , wie einen das umwarf - und dann die Furchtbarkeit des Brandes - das war ein Schauspiel , das die Nerven fieberischer erbeben macht als jedes andere . - Ein zartes Weib hat das Verlangen , sich zu halten - es ist das natürliche Begehren nach Schutz , das sie sich an den Mann schmiegen heißt , der zufällig neben ihr ist . - Und gerade alles , was an Ritterlichkeit in ihm war , erklärte und entschuldigte ihre Hingegebenheit - und er entschuldigte auch sich selbst . - Es gibt Stimmungen und Augenblicke , die einen über die Grenzen führen . - Aber er war sich bewußt , jenseits der Grenzen nichts Unerlaubtes empfunden zu haben . Eine Aufwallung der reinsten Menschlichkeit - zwischen zweien , die in diesem Augenblick nicht Mann und Weib waren . - Und am andern Vormittag weinte seine Mutter an seiner Brust . Und er mußte und konnte ihr auch tröstend sagen : » Wär ' ich ein Mann , wenn