Und sind sie vorbeigeritten , so lauf wieder . Weißt du des Mareiners Haus ? « Das Mädel nickte an seinem Hals . » Kann sein , das Haus ist leer . Kann sein , ein altes , müdes Weibl ist da . Dem steck zwei güldene Pfennig in jeden Strumpf . Sag , die tät ihr einer schicken , der am Zäunl gestanden . Sonst tu kein Wörtl reden , nit von dir und nit von mir ! Und mach dich wieder davon ! « » Aber - « » Was ? « » Der ander Pfennig ? « Er küßte sie auf die Wange . » Den heb dir auf ! Von mir . « Sie schüttelte heftig den Kopf . » Das nit ! Darfst mir alles tun ! Das nit ! « Malimmes lachte . » Da mußt mir halt den überschichtigen Pfennig wieder bringen . « » Wann ? « Das Mädel schmiegte die Wange an seinen Hals . » Und wo ? « » Wenn ' s tagen will , kannst hinter dem Schwarzeck droben warten , auf dem Steig zum Hängmoos . Kann sein , ich komm . Kann auch sein , daß ich ausbleib . Da brauchst mich nimmer suchen . « Das hatte er ruhig gesagt . Und dennoch fing das Mädel , von dunkler Angst befallen , an seinem Hals zu zittern an . » Flink ! Tu folgen ! « Er packte sie fest , stellte sie auf die Füße und stand selber auf . » Mach weiter ! Ist nimmer viel Zeit . « Sie küßte ihn und suchte mit den Lippen die böse Narbe . Und flüsterte : » Wirst sehen , das heilet wieder . Ganz . Und da bist du der Schönste von allen . « Er gab ihr lachend einen Schlag auf die dralle Schattenseite . » Spring jetzt ! Flink ! « Traudi rannte davon und kam zurück . » Wenn aber das alte Weibl nimmer da ist ? « Eine Weile schwieg er . Dann sagte er hart : » Da tu , was du magst ! « Er hob den Bidenhänder aus dem Gras und lauschte gegen den Windbach . Hinter dem Leuthaus verhallte das flinke Schuhgeklapper des Mädels . Nun wieder die ruhige Nacht mit dem eintönigen Wellengesang im schwarzen Tal und mit den funkelnden Sternen in der stahlblauen Höhe . Nach dem Stande dieser weisenden Himmelslichter mußte Mitternacht schon lange vorüber sein . Da streckte sich Malimmes . Er hatte vom Windbach her ein Geräusch vernommen , wie wenn ein starker Brunnenstrahl auf einer hölzernen Kufe trommelt . Rasch verstärkte sich dieser Lärm und wurde zu einem Pochen von hundert eisernen Hämmern . Malimmes trat in den Hof , drückte das Tor zu und schob die zwei schweren Sperrbalken in die Zwingen . Mit ruhiger Hand bekreuzte er das Gesicht , zog den Bidenhänder blank und hakte die Lederscheide wie einen Gürtel um die Hüfte . Das Gehämmer dieser vielen Hufe kam immer näher , ohne seinen wirren Takt zu verlangsamen . » Es stimmt . Das geht vorbei . Die reiten zum Schwarzenbach . « Durch das Schuberloch des Tores guckte Malimmes auf die Straße hinunter . Nun kam ' s. Und das war wie ein langer , schwarzer , flinker , vielfüßiger Nachtdrache , der hurtig seine Ringe schob und die Stacheln seines Rückens auf und nieder zucken ließ . Nun tauchte das Ungeheuer , das aus der Finsternis gekommen , in die Finsternis hinein . Kamen bis in einer halben Stunde die flüchtenden Ramsauer auf ihrem andächtigen Bittgang nicht so weit , daß der schützende Mantel des heiligen Zeno sie umhüllte - dann wird dieser eisenschuppige Drache seinen Durst an ihnen stillen und Blut saufen . Das waren an die vierzig Reiter gewesen . So viele berittene Soldknechte unterhielt das Stift zu Berchtesgaden nicht . Es mußten auch die Domizellaren , die jüngeren Chorherren und die wehrhaften Bürgersöhne mit ausgeritten sein . Das Gehämmer der vielen Hufe klang schon wieder wie das Getrommel eines starken Brunnenstrahls auf einer hölzernen Wanne , wurde schwächer in der Ferne und versank im Rauschen der Ache . » Jetzt noch ein Stündl . Und die Raubleut kommen . « Malimmes schloß am Hagtor den Guckschuber , verwahrte den Bidenhänder in der Scheide und ging zum Haus hinüber . Aus den offenen Fenstern der großen Stube quoll ein trüber , zuckender Schein in die Nacht heraus . Der kam von den Talglampen , die neben dem Totenbrett des Haussohnes brannten . Und diesen Schein durchwirbelte der dünne , scharf duftende Rauch der Wacholderzweige , die zu Füßen des Toten in einem Kohlenbecken brannten . Lautlos trat Malimmes zu dem Fenster , das neben der Haustür war , und spähte in die Stube . Den Jakob , dessen Totenbrett auf der Erde lag , konnte er nicht sehen . Er sah nur den Qualm der Talglampen und die züngelnde Wacholderflamme , in der die brennenden Nadeln wie weißglühende Sternchen flogen . Und hinter diesem Schleier von Rauch und Licht gewahrte Malimmes die zwei schweigenden Menschen auf der Ofenbank . Runotter saß gebeugt , mit den Fäusten auf den Knien , und das niederhängende Grauhaar umhüllte sein Gesicht mit dunklem Schatten . So saß er regungslos . Nur manchmal hoben sich seine Schultern unter einem schweren Atemzug . Jula , deren Arme schlaff herunterhingen , hielt den Kopf an den Ofen gelehnt . Die langsam gleitenden Augen suchten im Leeren . Diese Augen waren heiß und trocken . Doch in der Blässe des versteinerten Gesichtes waren graue Striche , die vom Lampenruß beschmutzten Wege der eingedorrten Tränen . Immer machte Malimmes heimliche Zeichen zu ihr hin . Ihre irrenden Augen blieben blind . Und einmal , als Malimmes schon glaubte , sie hätte ihn gesehen , beugte sie sich nieder und legte einen frischen Wacholderzweig in die Glutpfanne . Das junge Feuer prasselte , und den wehenden Rauch durchflogen die blitzenden Sternchen .