Waschkrug schnurrte leise vor sich hin , die Tür klapperte . Draußen aber über dem Dache schienen schwere Gegenstände sausend durch die Luft zu fahren , zuweilen kam ein Pfeifen , ein ausgelassenes , höhnisches Pfeifen , als jagte dort irgendwo ein Gassenbube durch die Luft . Oder ein Klagelaut kam schrill und verzweifelt , und plötzlich wurde all das übertönt von dem mächtigen Rollen und Krachen des Donners . Doralice sprang aus dem Bett und lief an das Fenster des Wohnzimmers . Die Nacht war ganz schwarz und schien voll wilden Getümmels , ein Blitz zuckte auf und zeigte für einen Augenblick in einem blauen Lichte das seltsam veränderte Meer . Es erhob sich dort wie große schwarze Mauern , Mauern , die schwankten und stürzten und überall lag es auf ihnen wie bläulicher Schnee . Doralice hatte Angst , nur das , keinen anderen Gedanken als nur diese Angst , die uns treibt , uns zu verbergen , zu verkriechen , nach Hilfe zu rufen . Das Zimmer wurde hell , Agnes stand da , die Lampe in der Hand und die gelben Augen der alten Frau sahen Doralice starr und böse an . Da begriff Doralice . » Hans , « murmelte sie . » Ja , bei diesem Wetter auf dem Wasser zu sein « , sagte Agnes scheltend , » hat man so was gehört , und mit diesem Saufaus von Steege , der zu faul ist , um sein Boot ordentlich zu halten . « Agnes wurde dann sehr geschäftig , leise fortscheltend ging sie ab und zu , holte einen Mantel , hüllte Doralice in ihn ein , zwang sie , sich in einen Sessel zu setzen , holte eine Decke , um sie damit zu bedecken , und als das getan war , setzte sie sich selbst auf einen Stuhl , faltete die Hände im Schoß , schaute starr und böse in das Licht der Lampe und wiegte den Oberkörper sachte hin und her . Zuweilen murmelte sie vor sich hin : » Nun muß er gleich kommen , der tolle Junge . Als ob wir nicht Fische genug hätten , und noch mit dem Steege . « So still zu sitzen und hinauszuhorchen war furchtbar qualvoll , Doralice ertrug das nicht , sie mußte etwas tun . » Ich gehe zu Wardeins « , sagte sie . Agnes zuckte die Achseln . » Was können die tun ? « meinte sie . Aber Doralice ging doch hinaus , schlich sich an der Mauer hin , um von dem Sturm nicht umgeworfen zu werden , und trat in die Stube der Wardeins . Die Wardeinin hatte eine kleine Lampe angesteckt und ging nur mit einem kurzen Rocke bekleidet im Zimmer umher , befestigte die Fensterläden , löschte die letzte Glut auf dem Herde , rückte an den klappernden und schnurrenden Geräten auf dem Bord . Als Doralice eintrat , schaute die Wardeinin sie ruhig und ernst an und wandte sich wieder schweigend ihrer Hantierung zu . Doralice stand da , atemlos von dem Gang durch den Sturm , und sagte leise : » Ach , Frau Wardein , dieser Wind . « » Der ist nicht gut « , antwortete die Wardeinin , » aber was kann man machen ? « Doralice setzte sich auf einen Stuhl und wartete , daß die Frau noch etwas sagen würde , etwas , das wie Trost klang . Da ließ sich von dem großen Bett her Wardeins tiefe Stimme vernehmen : » Ich hab ' s gesagt , aber die wollen ja klüger als der Wardein sein . Nun , der Stibbe hat das neue große Boot , der schlägt sich wohl durch , und der Steege - na ja , dem hat mit seinem alten Kasten von Boot der Teufel schon früher mal herausgeholfen . « Diese rauhe Stimme , die grob und vertraulich von dem Furchtbaren da draußen sprach , tat Doralice wohl . Die Kinder begannen im Bett zu weinen und die Mutter mußte sie schelten und schlagen . Die Großmutter hatte sich in ihren Kissen aufgerichtet und starrte auf das Fenster , als könnten ihre Augen sehr weit in die Dunkelheit hineinsehen . » Schlechter Wind , schlechter Wind « , murmelte sie . Doralice saß noch immer da , sie konnte sich nicht entschließen zu gehen . Die enge Stube mit ihrem alltäglichen Leben mitten in all dem Furchtbaren da draußen war etwas wie Geborgenheit . Allein die Wardeinin schien mit ihren Geschäften fertig zu sein , sie stand vor ihrem Bett , gähnte und sah Doralice an . Doralice mußte gehen , hier wollte man sie nicht mehr . Und sie ging wieder in das Wohnzimmer hinüber , wo Agnes vor der Lampe saß und den Oberkörper sachte hin und her wiegte . Fröstelnd drückte sich Doralice wieder in den Sessel und hüllte sich in ihre Decken . Es war qualvoll und furchtbar anstrengend , beständig auf die wirren Töne da draußen zu hören , diese Töne , die , je länger sie ihnen lauschte , um so ausdrucksvoller wurden , sich in gespenstische Gestalten wandelten . Wenn das höhnische Gassenjungenpfeifen erscholl , sah sie deutlich ein kleines Ungetüm mit gelbem Gesicht voller Sommersprossen , mit rotem Haar , in grauen , zu weiten Kleidern , das die Hände in den Hosentaschen unendlich frech durch die dunkle Luft hinschlenderte . Die lauten Klagelaute gehörten einer großen Frau mit lang niederhängendem , grauen Haar . Die Augen waren hellgelb wie Meersand , den Mund öffnete sie weit - ein großes schwarzes Loch in dem weißen Gesicht . Und mitten in allem diesen Spuk und Schrecken , in dieser Finsternis und diesem Geheul war Hans , dort mußten ihr Denken und ihr Warten ihn suchen . Doralice fuhr empor , als wollte sie eine unerträgliche Last von sich abschütteln . Auch Agnes wurde unruhig , sie begann auf dem Spirituskocher Tee zu kochen . Das interessierte beide . Und das Teetrinken