meldete er , daß Aschta genau nach Süd geritten sei , wohin auch alle andern Spuren führten ; unser Ziel aber lag westlich von hier . Dann fragte er , indem er sich zu uns niedersetzte : » Ist das nicht ein Wunder , ein wahres Wunder ? Genau wie damals , ganz genau ? Und sie wissen es , daß der Schuß damals nicht mir gegolten hat ! Und gesucht haben sie nach mir ! Gesucht bis heutigen Tages ! Diese guten , guten Menschen ! Heut ist der größte Feiertag meines Lebens ! Ja wahrlich , der größte Feiertag ! Wenn es Winter und Dezember wäre , so würde ich sagen : Heut ist Weihnacht für mich , und der Herrgott hat beschert . Ja , der Herrgott selbst , denn kein Anderer kann so Etwas geben , so ein Glück ! So ein wirklich großes und wirklich wahres Glück ! « Hierauf wurde er still , sehr still . Denn je tiefer und reiner das Glück ist , desto weniger macht es Worte ! Auch für mich hatte das Zusammentreffen mit dieser jungen , schönen Indianerin eine große Bedeutung , und zwar nicht nur eine rein äußerliche . Ich hatte von hier aus in die Zukunst , in die Ferne zu folgern und zu schließen . Besonders interessant mußten mir die zwei Perlensterne sein . Sie waren ein Erkennungszeichen . Der » junge Adler « sagte nichts hierüber ; so fragte ich also auch nicht . Ich wußte ja auch ohne Frage und Antwort , woran ich war . Es handelte sich hier ganz einfach um den großen Unterschied zwischen » Stamm « und » Clan « bei der roten Rasse . Das ist ein Gegenstand von größter Wichtigkeit , obgleich es selbst ernsten Forschern noch nicht geläufig gewesen ist , ihm die Aufmerksamkeit zu widmen , die er ohne alle Frage verdient . Wie viele Menschen , besonders sogenannte Volks- oder gar Jugendschriftsteller , haben schon » Indianerbücher « geschrieben , ohne von dem Außen- und Innenleben der amerikanischen Rasse auch nur die geringste , positive Kenntnis zu besitzen ! Und das wird dann von Andern , die noch weniger wissen , gelobt und warm empfohlen ! Ich wurde schon von vielen , sogar von sehr vielen » Indianerschriftstellern « besucht ; aber es gab keinen , wirklich keinen Einzigen unter ihnen , der von dem Allerersten , was man da zu studieren hat , nämlich von den Clanverhältnissen , etwas wußte . Wie in der Entwickelung der Menschheit im allgemeinen , so machen sich auch in der Entwickelung jeder einzelnen Rasse zwei einander grad entgegengesetzte Bestrebungen bemerkbar , nämlich der Zug der Zerklüftung und der Zug nach Vereinigung , oder sagen wir , der Zug nach Einheit und der Zug nach Vielheit . Die Zerklüftung beginnt ihren Weg bei dem , was man als Menschengeschlecht bezeichnet , geht über die Rasse , die Nation , das Volk , die Stadt , das Dorf immer weiter herab und hört erst beim abgelegenen Einödhof auf , dessen Besitzer sich nur bei gewissen Gelegenheiten darauf besinnt , daß er auch mit zur Menschheit gehört . Das ist der Weg des Patriotismus , der Vaterlands- und Heimatliebe , aber auch der Weg der nationalen Selbstüberhebung , der politischen Rücksichtslosigkeit . Der andere Weg ist dem direkt entgegengesetzt . Er führt zur Vereinigung aller Einzelnen durch einen einzigen , großen Gedanken zu einem einzigen , großen Volke . Welcher von diesen beiden Wegen der Weg zum wirklichen , zum wahren Glücke ist , das hat die Menschheit noch bis heute nicht erkennen wollen , also muß sie es durch bittere Erfahrung kennen lernen . Wie schmerzlich , ja , wie grausam diese Erfahrung ist , das zeigt sich bei keiner Rasse so deutlich wie bei der amerikanischen . Sie ist es , welche die Zerklüftung , die Zerspaltung am allerweitesten getrieben hat . Nirgends , selbst im fernsten , dunkelsten Oriente nicht , ist die einst mächtige , imponierende Einheit in so kleine , winzige , ohnmächtige Brocken und Bröckchen zerrieben und zerkleinert worden wie bei den Indianern . Jeder dieser Brocken , jeder dieser vielen Stämme und jedes dieser unzähligen Stämmchen ist stolz auf sich selbst und stets bereit , aus lauter Selbstschätzung vollends zugrunde zu gehen . Diese Zersetzung hätte schon längst zur völligen Vernichtung geführt , wenn die großen Medizinmänner der Vergangenheit nicht bemüht gewesen wären , ihr entgegenzuarbeiten , und zwar in doppelter Weise , nämlich zunächst in theologischer und sodann in sozialer . Der theologische Weg der Vereinigung lag in dem Gedanken , » Großer Geist « oder » Großer , guter Manitou « . Die Forschung hat gezeigt und wird noch weiter zeigen , daß der echtblütige Indianer gläubiger Monotheist war und sich dabei glücklich fühlte , bis die zersetzende Vielgötterei sich von außen her tief in sein Inneres bohrte und den großen Niagarafall des Rassensturzes und der Rassen- und Sprachzerstäubung vorbereitete . Und der soziale Weg der Vereinigung wurde in dem Gedanken der Clans gegeben , durch welche die äußerlich zerspaltenen Stämme innerlich wieder verbunden und zusammengehalten werden sollten . Freilich darf man das Wort Clan11 hier nicht im englischen resp . schottländischen Sinne nehmen . Es wurde ein Clan der Wahrhaftigkeit , der Treue , der Wohltätigkeit , der Beredsamkeit , der Ehrlichkeit gegründet . Wer sich in der Beredtsamkeit üben wollte ; wer sich vornahm , das ganze Leben hindurch wohltätig zu sein ; wer sich stark genug fühlte , niemals eine Lüge zu sagen , niemals untreu oder unehrlich zu sein , der konnte dem betreffenden Clan beitreten und sich durch Wort und Handschlag verpflichten , das betreffende Gebot zu erfüllen und lebenslang zu halten . Wer es auch nur einmal übertrat , der wurde ausgestoßen und galt als ehrlos für immer . Der leichteren Unterscheidung wegen und um ein sichtbares Erkennungszeichen zu ermöglichen , nahm jeder Clan den Namen irgend eines Tieres an , dessen Bild als Merkmal diente