, wenn ich fragen darf ? « » Ich weiß ganz gut « , sagte Eißler lächelnd und ließ das Monokel fallen , » daß Sie auf meine Protektion nicht angewiesen sind , aber andererseits kann ich mir denken , daß es ihnen vielleicht nicht unsympathisch wäre , auf die Vermittlung von Agenten und andere Annehmlichkeiten dieser Art verzichten zu dürfen ... ich meine nicht wegen der Perzente . « Georg blieb kühl . » Wenn man einmal entschlossen ist eine Theaterkarriere einzuschlagen , so weiß man ja auch , was man alles mit in den Kauf zu nehmen hat . « » Kennen Sie vielleicht den Grafen Malnitz ? « fragte Eißler , unbekümmert um Georgs Lebensweisheit . » Malnitz ? Meinen Sie den Grafen Eberhard Malnitz , von dem vor ein paar Jahren eine Suite aufgeführt worden ist ? « » Ja , den mein ich . « » Persönlich kenn ich ihn nicht und was die Suite anbelangt ... « Durch eine Handbewegung gab Eißler den Komponisten Malnitz preis . » Seit Beginn dieser Saison « , sagte er dann » ist er Intendant in Detmold . Darum hab ich Sie gefragt , ob Sie ihn kennen . Ein guter , alter Freund von mir . Er hat früher in Wien gelebt . Seit zehn oder zwölf Jahren treffen wir uns jedes Jahr , in Karlsbad oder in Ischl . Heuer wollen wir um Ostern eine kleine Mittelmeerreise machen . Erlauben Sie mir , lieber Baron , bei dieser Gelegenheit Ihren Namen zu nennen und von Ihren kapellmeisterlichen Absichten ein Wort zu sagen ? « Georg zögerte zu antworten und lächelte höflich . » O , fassen Sie meinen Vorschlag nicht als Zudringlichkeit auf , lieber Baron . Wenn Sie nicht wollen , halt ich natürlich das Maul . « » Sie mißverstehen mein Schweigen « , entgegnete Georg liebenswürdig , doch nicht ohne Hochmut . » Aber ich weiß wirklich nicht « » So ein kleines Hoftheater « , fuhr Eißler fort , » stell ich mir gerade für den Anfang als den richtigen Boden für Sie vor . Daß Sie von Adel sind , wird Ihnen gerade auch nicht schaden , sogar bei meinem Freunde Malnitz nicht , obwohl der gerne den Demokraten spielt , zuweilen sogar den Anarchisten ... mit Nachsicht der Bomben selbstverständlich . Aber er ist ein charmanter Mensch und wirklich enorm musikalisch ... wenn er nicht grad komponiert . « » Nun « , erwiderte Georg etwas befangen , » wenn Sie die Güte haben wollen , mit ihm zu reden ... man biete dem Glücke die Hand . Jedenfalls dank ich Ihnen sehr . « » Keine Ursache . Ich garantiere ja nicht für den Erfolg . Es ist eben eine Chance unter andern . « Frau Oberberger und Sissy traten ein , von Demeter Stanzides begleitet . » Was haben wir da für ein interessantes Gespräch unterbrochen ? « fragte Frau Oberberger . » Der erfahrene Platoniker und der unerfahrene Wüstling ! Da hätt man dabei sein sollen . « » Beruhigen Sie sich , Katharina « , sagte Eißler , und seine Stimme hatte wieder ihren tremolierend tiefen Klang . » Man spricht zuweilen auch von anderen Dingen , als von der Zukunft des Menschengeschlechts . « Sissy nahm eine Zigarette zwischen die Lippen , ließ sich von Georg Feuer geben und setzte sich in die Ecke des grünen Lederdiwans . » Sie kümmern sich ja heute gar nicht für mich « , begann sie mit dem englischen Akzent , den Georg so sehr an ihr liebte . » Als wenn man überhaupt gar nicht auf der Welt wäre . O , es ist so . Ich bin doch eine treuere Natur als Sie . Bin ich nicht ? « » Sie treu , Sissy ... ? « Er schob einen Fauteuil ganz nahe zu ihr hin . Sie sprachen von dem vergangenen Sommer und von dem kommenden . » Voriges Jahr « , sagte Sissy , » haben Sie mir Ihr Wort versprochen , daß Sie hinkommen werden , wo ich bin . Sie haben es nicht getan . Heuer aber müssen Sie Ihr Wort halten . « » Gehn Sie wieder nach der Isle of Wight ? « » Nein , wir werden diesmal ins Gebirge gehen , nach Tirol oder ins Salzkammergut . Ich will Ihnen schon sagen . Werden Sie kommen ? « » Sie dürften jedenfalls wieder ein großes Gefolge haben ? « » Ich werde mich für keinen kümmern als für Sie , Georg . « » Auch wenn Willy Eißler sich zufällig in Ihrer Nähe aufhalten sollte ? « » O « , sagte sie mit einem verworfenen Lächeln und drückte das Feuer ihrer Zigarette gewaltsam in der gläsernen Aschenschale aus . Sie redeten weiter . Es war eines jener Gespräche , wie sie es in den letzten Jahren so oft geführt hatten . Scherzend und leicht fing es an und glühte am Ende von zärtlichen Lügen , die einen Augenblick lang Wahrheit waren . Georg war wieder einmal berückt von Sissy . » Am liebsten möcht ich mit Ihnen eine Reise machen « , flüsterte er ganz nah bei ihr . Sie nickte nur , ihr linker Arm lag auf der breiten Lehne des Diwans . » Wenn man könnte , wie man wollte « , sagte sie und hatte einen Blick , der von hundert Männern träumte . Er beugte sich über ihren zitternden Arm , redete weiter und berauschte sich an seinen eigenen Worten . » Irgendwo , wo niemand uns kennt , wo man sich um keinen Menschen kümmern müßte , möchte ich mit Ihnen zusammen sein , Sissy . Viele Tage und Nächte . « Sissy bebte . Das Wort Nächte jagte ihr Schauer durchs Blut . Anna erschien in der Tür , gab Georg mit dem Blick ein Zeichen und verschwand gleich wieder . Er lehnte sich innerlich auf , und doch war es ihm