, daß ich ihn das erstemal in meinem Leben bedauert habe . Die Fürstin hatte am Fenster gesessen , er vor ihr gestanden , Julia saß auf dem Sofa und hatte ein großes Gemälde vor sich , nach welchem sie einen Teppich stickte . Ich saß ihr gegenüber am Tisch und erzählte ihr von Spanien , von der Einsamkeit der öden Straßen , von dem romantischen Zauber dieses Alleinseins und dergleichen ; sie war freundlicher als gewöhnlich und ließ zuweilen die Nadel ruhen , indem sie forschend auf mich hinsah . Dies träumerische Zuhören gab ihr einen so rührend unschuldigen , harmlosen Ausdruck , daß ich gar zu gern zu ihr gesprungen wäre . Ich wünschte Konstantien und William zum Henker . Bald darauf schloß sich das Gespräch , wie ich Dir erzählte . Die Fürstin ging und gleich darauf auch William . Julia ward unruhig und machte Miene , ihre Arbeit zusammenzulegen und aufzubrechen ; sie scheint wie etwas Unheimliches das Alleinsein mit mir zu fliehen . Ich sprang zu ihr , drückte ihre Hand an meine Lippen und bat , wirklich schmerzlich erregt , so sanft als ich konnte , sie möge nicht so hart gegen mich sein , sie möge mich nicht fliehen . Einen Augenblick stand sie unschlüssig mit gesenktem Köpfchen , ließ mir aber ihre Hand , dann sah sie auf , das Wasser stand ihr in den Augen , der alte Hippolyt erwachte , ich wollte sie in meine Arme schließen ; sie drückte mir aber die warme kleine Hand ins Gesicht , schüttelte weinend ihre Locken und ging nach der Tür . Wo hätte ich sonst das Abweisen eines Sturmes so ohne neuen Versuch hingehen lassen ! Ich blieb starr und traurig stehen . Und dies schien sie zu ermutigen . Sie hatte schon die Tür in der Hand , als sie mit ihrer rührenden Stimme sagte : » Wollen wir einen Gang durch den Garten machen ? « Ich führte sie in eine dunkle Kastanienallee , die aus dem Garten in ein nahes Wäldchen führt . Sanft und mild war sie und sprach mehr als gewöhnlich . Ich faßte ihren Arm , um sie zu führen ; sie bebte zusammen , als meine Hand sie berührte . Mein ungeduldiges Herz duldete den Zwang nicht länger , es drängte mich stürmisch , das blühende Mädchen zu umarmen . Ihre klare , durchsichtige Haut war durch die Bewegung auf den Wangen gerötet ; es war ein warmer Tag , und sie trug ein leichtes weißes Kleid , ein dünnes rotes Flortüchlein um den Hals , mit dem die Lüfte spielten , und das nicht imstande war , das schöne weiße Fleisch der runden Schultern und des jungen Busens zu verhüllen . Unter einem großen Platanusbaume , der einsam unter den Kastanien stand und seine breiten Äste wie ein gefälliger Liebeshehler ausbreitete , hielt ich plötzlich im Gehen inne , schlang meinen Arm um das heiße strahlende Mädchen - sie wendete sich nicht zu mir und ich konnte nur ihre Seite an meinen glühenden Körper drängen . » Nicht so , Hippolyt , « bat sie innig . Mein gerührtes Herz zerbrach die Sehnen meines Körpers , ich knickte zusammen und mein Kopf sank auf ihre Schulter . Ich fühlte ihre Hand in meinen Haaren und den Hauch eines Kusses auf meiner Stirn . » Leb ' wohl , mein Freund , « sprach sie und flog davon . An die Platane gelehnt , sah ich ihr schmerzlich nach . Das mag wohl etwas von Eurer sentimentalen Liebe sein , was mir mit diesem Mädchen gekommen ist ; ich wüßte nicht , daß es mir je so ergangen wäre ; meine Augen standen in Tränen . Wie lange ich an dem Baume gestanden , weiß ich nicht . - Prinz Leopold kam aus dem Wäldchen hergeschlendert und weckte mich durch seinen Gesang . Es war eines jener leichtsinnigen deutschen Liebesliedchen , deren die Deutschen so wenig , die Franzosen soviel , die Spanier gar keine haben , in denen Liebe und Liebchen gutmütig verspottet werden . Sie sind die Kritik eines leichten Herzens . Er erzählte mir lachend , daß ihm der Pfarrer und der Förster soeben die Tür gewiesen . Sie waren dahinter gekommen , daß er ein Liebesverhältnis mit den Töchtern von beiden zu gleicher Zeit unterhielte . Der Pfarrer hatte dem Förster und dieser dem Pfarrer vom zukünftigen Schwiegersohne erzählt , und am Ende hatte sich ' s ergeben , daß sie beide denselben meinten . Darauf hatte ihn der Förster unsanft unter mehrfachen Grobheiten und Flüchen , der Pfarrer mit himmlischem Schwefel drohend unter salbungsvoller Rede jeder aus seinem Hause gewiesen . Er war nämlich zuerst bei letzterem gewesen und hatte sich für solch ' Finale rasch bei der Tochter des ersteren stärken wollen , war aber aus dem Regen in die Traufe gekommen . Dem groben Förster hatte er mit seiner Prinzlichkeit gedroht ; das hatte aber den nur noch mehr ergrimmt . Hinter dem Hause indes hatte ihm das gutmütige Försterröschen zum Abend um neun noch ein Rendezvous im Walde versprochen , und als er auf dem Rückwege bei der Kirche vorbeigekommen , hatte ihm Juditha , des Pfarrers Töchterlein , einen Abschied abends um elf unter dem Sturmdach der Sakristei zugesagt . Ich mußte über unsern kleinen Detailhändler in der Liebe herzlich lachen . Wenn übrigens der kleine Aff ' nicht wirklich der Sohn eines Prinzen ist , so glaubt er doch gewiß bald selbst daran - aus lauter Poesie . Es ist alles an ihm so Duft , Lüge , Traum , daß er am wenigsten darüber Auskunft geben kann , was von seinen Verhältnissen richtig und wahr ist . Ich glaube ihm nicht einen Vorgang , den er mir erzählt ; deshalb klag ' ich seinen lügenhaften Willen nicht an , er weiß es nicht besser . Jeden Vorfall sieht er mit tausend dichterischen Augen an , er kann nicht dafür , daß er unendlich viel