manchmal garnicht , wie er selber vor , wenn er in lässiger Lümmelei auf einem Lehnstuhl in Frau Rehorsts Boudoir saß , wohin man ihn jedesmal führte , auch wenn Frau Rehorst zufällig noch nicht daheim war . Frau Rehorst war in Einharts Gesellschaft jetzt ganz ruhig . Dieser eigene , dunkle Zigeuner , wie er war - ein rechter Jungmann geworden , mit sanftem Haarflaum auf der feinen Lippe , das gelbgraue , schmale Gesicht geistig erfüllt im Sinnen , mit den schmächtigen , aber sanft bewegten Gliedern - brachte Frau Rehorst wie in eine Stillung , solange sie ihn auch nur in ihrem Hause und in ihrem Zimmer wußte . Und wenn sie daheim war , konnte sie jetzt scheinbar ganz achtlos mit ihm lachen und plaudern . Einharts Meinungen gingen in sie ein wie Gleichnisse , die mancherlei Dingen einen eigenen Sinn verliehen . » Einhart « nannte sie ihn immer , wenn sie allein waren , mit lachender Zärtlichkeit . Und » Herr Einhart Selle « war es , wenn es sich um Menschen sonst handelte , die mit dabei waren . Frau Rehorst tat bald fast nichts mehr , wenn es nicht Einhart gut geheißen . Sie konnte fast gar nichts mehr denken , wenn sie sich nicht Einharts scharfe Dunkelblicke dazu gedacht . Und sein Lächeln über Ärgernisse brachte sie sofort über jeden Groll . Wenn sie allein beieinander am Kaminfeuer saßen und plauderten , sahen sie sich oft in die Augen . Und Frau Rehorst war in seiner kindlichen Ausdrucksweise wie gefangen , ging dann auf und ab mit Einhart , indem sie achtlos die Fugen der Diele mit ihren Schritten einhielten , beide , und so eine Art Parade machten , unterdessen das Lachen über die früheren Zustände , in denen Einhart zum ersten Male jetzt sich vor ihr besann , gelebt zu haben , sie innerlich voll erfüllte . Einhart hatte dann eine heitere Sicherheit , viel männliches Rückblicken ging aus ihm . In der Nähe dieser hohen , losen , jetzt ebenso kindlich gestillten Frau begannen sich in ihm Meinungen und Überzeugungen zu kristallisieren , über die er selbst sich wunderte . Daß in ihm das Gefühl aufwuchs , eine Kraft zu gewinnen und seinem Verlangen einen klaren und starken Ausdruck . Nie noch hatte er im Leben mit jemand so heiter und so überlegen , so ins Große vorgewendet in Laune , und so ohne Acht der Unterschiede geredet . Es ging auch manches Schalkswort in Frau Rehorst über , wie ein Funke . Es war eine richtige Ausgelassenheit . Einhart hatte wie eine Haut der Schüchternheit noch vollends abgestreift und war in diesen Stunden ein kräftig Lachender geworden , der sich hoch hielt . Frau Rehorst hing mit großen Blicken an ihm und an dem Erdigwarhaftigen seiner ganzen Erschauung , das nirgend mit aalglatten Worten kam , das nur Sachen und Erlebnisse stammelte , stammelte mit der ganzen echten Sinnenkraft , die beglücken kann aus jedem Dinge . Einhart hatte Frau Rehorst die Hand geküßt jedesmal , wenn er gegangen . Aber er zog die Hand jetzt zu sich empor , so sanft gab sie sie ihm und streckte sie seinen Lippen entgegen . Und je öfter sich die Abende wiederholten , desto inniger war eine Kameradschaft zwischen Einhart und Frau Rehorst erwachsen . 11 Es war um die Weihnachtszeit . Und Einhart hatte sich oben in seinem Atelier im Bodenraum lange abgemüht . Denn seine Ideen waren jetzt ins Große gewachsen . Und seine Zerfahrenheit infolge aller möglichen Vergnügungen und Inanspruchnahmen auch . Er hatte sich nun zum vierten Male entschlossen , das große Bild , was er Reigen nennen wollte , beiseite zu stellen , und noch einmal völlig neu , wie aus ganz freiem , neuem Schauen einzusetzen . Im Atelier kroch die Dämmerung aus der Vorhangsfalte , und draußen lag ein grauschmutziger Luftton über viel Weihnachtsgefunkel in den Straßen . Einhart war ziemlich müde vom Abend vorher in Rehorsts Hause . Er war lange in allerlei flüchtigem , zerrissenem Treiben seiner inneren Gesichte gefangen auf dem Bettrand sitzen geblieben , unterdessen das Feuer im Eisenofen auf die in Dunkel einsinkende Stube ein lebendiges Farbenzucken malte und vernehmlich dazu seine Deutungen hinplauderte . Da war ihm auf einmal , als wenn sein Zimmer in hellen Flammen stünde und er von einem tollen Spiel züngelnder Lohe umgeben dasäße , oder auch schon schwebte wie in Flammen und Feuergarben . Und als wenn er in ganz ungebundener Uebertreibung diese Gewalten aus sich selber herausgerufen , war er dem Himmelan dieses geistwehen Treibens mit versunkener Haltung derart hingegeben , daß er selber an Haaren und Fingern und an allen Kleidern Flammenzungen mit sich emportrug . Es war nur ein Augenblick . Er erwachte gleich . Er sah , daß in der Tat auf dem Stuhle neben ihm ein Tuch lichterloh brannte . Und er sprang auch sofort auf , um den Brand noch rechtzeitig zu löschen . Sein Herz schlug ihm . Er war sehr erschrocken . Und er untersuchte noch einmal aufs genaueste alles , ehe er sich zum Ausgehen plötzlich entschloß . Aber auch wie er draußen auf der Straße , im Zuge der vielen Menschen , im Scheine der Weihnachtserstrahlungen in den Straßen ging , war er nicht ruhig geworden . Es war durchaus seine Weise , daß er sich noch immer wie an Ecken und Enden entzündet vorkam und ein paarmal in sich zurückkehrte mit dem Gefühl des Wunderbaren dieses Emporbrennens der Dinge . Dann schien ihm das Feuer nur noch ein Spiel zu geben . Das Feuer brannte aus seinen Erinnerungen auf . Er dachte an manches Feuer , das er mit irgend einem ergebenen Helfer aus der Schule einst in der Haide gemacht . Er dachte auch an die Zigeunerfeuer . Flüchtige Schatten flogen in seinem Auge hin , wie sonderliche Gesichte , die er kaum noch zu nennen wußte . Einhart war heut durchaus nicht auf dieser Welt . Auch jetzt