. « » Ach , Fritz , dann kommst du doch etwas zu spät . « Er beugte sich noch etwas weiter vor : » Wirklich zu spät ? Schau nicht immer zum Onkel hinüber , schau mich an , Ellen , wir sind doch beide so jung , und ich habe auch noch nie geliebt . - Warum hast du dich denn verlobt , willst du wirklich heiraten ? Du hast mir doch erzählt , daß er zehn Jahre älter ist als du . Dann kann er dich doch gar nicht verstehen - du wirst nur unglücklich sein mit ihm , und was dann ? « - Er sprach fort und fort mit dem vergeblichen Bemühen , auch nur ein ernsthaftes Wort aus ihr herauszulocken . Ellen ließ ihm ihre Hand , die er dann und wann an seine Lippen zog . Dann wurde es spät , und man mußte heimgehen . Die beiden versprachen dem Fritz , morgen vormittag auf sein Atelier zu kommen , er wollte ihnen etwas zeigen , was er gemalt hatte . Ellen erschien denn auch frühmorgens bei Zarek , um ihn abzuholen , aber er lag noch im Bett und wollte nicht mit . » Mußt du allein gehen , Kleines . « » Aber wenn er nun wieder von vorne anfängt , um Gottes willen . « » Ach , ist nicht so heiliger Ernst - hab ' ich ihm gesagt , du liebst ihn schon , und wartet er auf dich . « Der Fritz wohnte weit draußen beim Kirchhof . Als Ellen kam , fand sie ihn mitten in einem fast leeren Zimmer vor der Staffelei , die Palette in der Hand , in jedem Knopfloch seiner Maljacke und über jedem Ohr steckten Pinsel , und einen hatte er quer im Mund . Auf dem Fensterbrett stand eine Schnapsflasche und zwei Gläser . » Ja , da kommst du ja wirklich , Ellen - aber warum kommst du nicht lustig hereingesprungen , - warum lachst du nicht - gibst mir keinen Kuß zum guten Morgen ? « Dabei machte er ein frivoles Gesicht und befreite sich von seinen Pinseln . Ellen wußte selber nicht , weshalb sie jetzt nicht wieder lachen konnte und statt dessen ein plötzlicher Zorn in ihr aufstieg . Sie ging ans Fenster und sah hinaus : da lag der Kirchhof mit seinen weißen Grabsteinen und kahlen Bäumen . Regen und Wind fegten darüber hin , alles sah so trostlos melancholisch und verlassen aus . Als der Fritz , immer noch mit einem leichtsinnigen Lächeln , auf sie zutrat , sah er , daß sie weinte . » Aber Ellen , was hast du ? « Sie wußte es selbst nicht , sie fühlte sich nur todunglücklich . Man sollte nicht so mit ihr umgehen - ja , sie wäre schon leichtsinnig - aber was fiele dem dummen Onkel ein , solche Geschichten zu machen . Konnte sie sich nicht verlieben , in wen sie wollte ? Aber deshalb brauchten sie sich nicht einzubilden , daß sie nun jedem von ihnen gleich in die Arme sänke . Ratlos stand der Fritz neben ihr und wollte sie trösten , aber ihr fielen immer mehr traurige Sachen ein , alle glaubten , daß man mit ihr nur lachen und Tollheiten treiben könnte , aber sie brauchte auch Menschen , die gut gegen sie wären ; wußten sie denn überhaupt , was alles für Kämpfe und Schmerzen hinter ihr lagen ? Der Fritz ging ganz in Mitgefühl auf ; daß Ellen auch traurig und empfindsam sein konnte , war so überraschend für ihn , daß er alles andre vergaß . Er streichelte ihre Haare und legte den Arm um sie wie ein guter Bruder , schließlich weinten sie beide zusammen helle Tränen über alles , was es im Leben Schweres und Trauriges gab , - bis zum späten Nachmittag blieben sie droben . Dann gingen sie in die Stadt zum Essen - und bei Zarek zerbrach man sich den Kopf darüber , warum die beiden sich den ganzen Tag nicht sehen ließen . Aber von nun an hatte Ellen am Fritz einen treuen Freund gefunden , auf den sie sich verlassen konnte , und der nie mehr von Liebe sprach . » Das taugt alles nichts « , sagte Walkoff - Ellen war bei ihm im Atelier und hatte einen Haufen Zeichnungen mitgebracht - , » du zeichnest wie verrückt drauf los , aber es liegt nichts darin - gar nichts . Deine Arbeiten sind ganz wie du selbst : du taumelst herum , fällst auseinander - ein Stück hierhin , eins dorthin . « Sie sah ihn an . Ja , wenn sie reden könnte , warum sie so war , so geworden - alles , was sie drückte - aber davon wollte er nichts wissen - drängte alles in sie zurück . » Hart sein , Ellen , nicht dies ewige Sichhingebenwollen . Nur in der Kunst , da gib dich ganz hin , aber im Leben halt dich zusammen . Ich will dein Freund sein , aber gerade deshalb mag ich dich nicht schwach sehen . Wenn ich dir helfen soll , darfst du kein Mitleid von mir wollen . - Leg einmal deine Hand dort hin . « Er rückte die Lampe zurecht und fing an zu zeichnen : » Das soll nicht etwa nur wie eine Hand aussehen - das ist kein Kunststück und jeder kann es lernen , einfach etwas nachzumachen - aber fühlen muß man , wie es darin lebt und zuckt . Sieh mal , wie es da weich in den Schatten hinübergeht - das herausbringen , die Bewegung , das Leben . Wozu malst du überhaupt , wenn du nichts dabei fühlst ? Eine Zeichnung kann noch so schlecht sein , wenn nur eine Linie darin Empfindung hat . Und arbeiten , Ellen , arbeiten ! Den ganzen Tag davor hinsitzen ist noch kein Arbeiten . Lieber gar nichts tun ,