. » Du weißt doch , woraus es besteht ? Die Herrschaft Brunnhof in Niederösterreich ; die Herrschaft Nagykyral in Ungarn ; das Palais in der Wallnerstraße , die Sammlungen , der Familienschmuck ; - kurz , das Ganze hat einen Wert von ... nun , Du wirst es wohl wissen ... « » Ja , und daneben besitzest Du bedeutendes Privatvermögen und wirst noch ein reichliches Erbe von Deiner Mutter erhalten ... Du stehst pekuniär nicht schlecht . « » Nein . Und Du ? « » Ich ? Ich besitze meinen Gehalt und - als Erbschaft von meinem Vater - ein paar tausend Gulden Schulden , die ich mich verpflichtet habe , nach und nach abzuzahlen . « » Das ist schön von Dir . Wie steht es mit Deiner Heiratsabsicht ? « » Die kann noch zehn Jahre auf Erfüllung warten . « » Das ist lang ... Fräulein v. Rels , die jetzt schon achtundzwanzig Jahre alt sein mag , wird dann etwas verblüht sein ... « » Mein lieber Rudolf , Du hast mich noch niemals aufgesucht ... und wenn Du es nur tust , um mir so unangenehme Dinge zu sagen ... um zu protzen , wie reich Du bist , und mich zu verhöhnen , wie arm ich bin , so ist das doch - « » Verzeih : Protzerei und Hohn sind nicht meine Motive ... aber den Kontrast rücke ich absichtlich ins Licht - es macht mir Freude ... « » Danke schönstens , « murmelte Max . » Und wird Dir noch eine größere machen . Hör ' mich an - ich werde Dir etwas Merkwürdiges sagen ... Ich will - « Er hielt inne . Auf den Augenblick , der jetzt kommen sollte , hatte er sich schon lange gefreut . » Also ? Was willst Du ? « » Ich will auf das Majorat verzichten und Du trittst an meine Stelle . « Max Dotzky sprang auf und griff mit beiden Händen an seinen Kopf . » Bin ich verrückt - oder bist Du ' s ? « » Bitt ' Dich , setz ' Dich nur wieder nieder . Ich bin bei Vernunft und spreche im Ernst . Und ich genieße die Situation ... Ich weiß , daß ich Dich unbändig glücklich mache . Das ist zwar auch nicht das Motiv meiner Tat ... das liegt tiefer : ich tu ' s nicht Dir , sondern mir selber - meinem Lebenszweck zu liebe ; aber an Deinem Glück werde ich mich doch ergötzen . Es ist ein gar seltenes und so großartiges Schauspiel , ein Mensch in wahnsinniger Freude - Deine erste Idee war ja , daß Du verrückt geworden - und doppelt angenehm ist dieses Schauspiel , wenn man dessen Urheber ist ... Zu Deiner Hochzeit lade ich mich als Trauzeuge ein - natürlich heiratest Du noch in diesem Jahr und ziehst gleich in Brunnhof ein ... Du bist ja ganz starr und sprichst nichts ? « Max , der sich wieder auf seinen Sessel geworfen hatte , saß bewegungslos da . » Und was mich auch befriedigt , « fuhr Rudolf fort , » ist das Bewußtsein , daß Du ein braver , ehrenwerter Mensch bist und daß Du dem Hause Dotzky als dessen Oberhaupt Ehre machen wirst . Wenn Du und Elsbeth Rels in Brunnhof regieret , so werde ich wissen , daß mein einstiger Besitz in gute Hände gelangt ist . « Max war es zumute , als hätte er einen Schlag vor die Stirn bekommen . Die Gedanken wirbelten ihm im Kopf herum , und so sehr er sich mühte , fassen konnte er das Gehörte - Unerhörte - nicht . Es mußte ja , wenn es wahr war , und wenn er es erst ganz gefaßt hatte , ihn ganz unsäglich glücklich machen , das wußte er , - aber das Glücksgefühl selber konnte nicht das Gefühl des unbändigen , mit Zweifeln gemischten Staunens verdrängen , das ihn erfüllte . Endlich fand er Worte : » Rudi ... Wundermensch ... reiß ' mich aus diesem Traum - schwöre , daß es Wirklichkeit ist - oder gestehe , daß es ein Spaß war , ein verzweifelt schlechter Spaß ... « » Du hast recht , der Witz wäre matt . Es ist keiner - es ist die volle Wahrheit - hier mein Handschlag darauf . Noch einige Formalitäten und der Herr des Dotzkyschen Fideikommiß ' bist Du . « » Mein Gott , mein Gott , mein Gott ! « rief der andere . Dann vergrub er sein Gesicht in beide Hände und atmete heftig . Rudolf betrachtete ihn schweigend und weidete sich an der Tiefe seiner Ergriffenheit . Das war also ein von Freude überwältigter Mensch ! ... Dem Spender dieser Freude war ' s ein genußreicher Augenblick ; es gewährte ihm - wie ja alles Große , Volle , Übergewöhnliche zu erwecken pflegt - ein ästhetisches Entzücken . XVIII Die gerichtlichen und geschäftlichen Transaktionen der Besitzesübertragung waren erledigt . Zur feierlichen Übergabe veranstaltete Rudolf ein kleines Fest in Brunnhof , welches zugleich ein Abschiedsfest sein sollte , bei dem er seine Familie und Freunde zum letzten Male auf dem alten Herrensitze um sich versammelte . Die Tafel war im großen Speisesaal gedeckt . Der Spätherbsttag hatte empfindliche Kälte gebracht und im Monumentalkamin brannten ganze Stämme knisternden Fichtenholzes . Vom Kronleuchter flutete das Licht von achtundvierzig Wachskerzen herab , und noch sechs silberne Kandelaber ( auch Stücke des zum Majorat gehörigen Familiensilbers ) , die zwischen den Aufsätzen auf der Tafel standen , und zahlreiche Lampen auf den Pfeilertischen vervollständigten die Beleuchtung . Kostbare alte Gobelins an den Wänden ; kunstvoll geschnitzte Eichenholzmöbel in gotischer Form , der Tafeldienst besorgt von einem Haushofmeister in Frack und weißer Krawatte , zwei Büchsenspannern mit silbernen Epauletten und Bandelieren und vier Lakaien in Galalivreen in Schuhen und Strümpfen . Auf die Menükarten gemalt , auf die Porzellanteller eingebrannt , in die Bestecke und Gläser