Trompetengeschnatter - Trommelgerassel und Harfengeklimper ! Musik überall ! Und es klingt so fein zusammen . Die Lika lauscht und lächelt und bewegt im Takte die zarten Finger . Vorsichtiger bewegt der Triton seine glitzernden Fischbeine , damit man ja die Lika Alles hören kann - all die vielen Jubelstimmen , die dem Morgen » guten Morgen « sagen . VII Plötzlich - auf allen Bergen ein wüstes Geschrei ! Alle Instrumente kreischen durcheinander - und es erscheinen die Bocksbeinigen - tolle Weiblein und noch tollere Männlein . Die Musiker sind ' s ! Sie begrüßen den fidelen Triton und die drollige Lika mit graulichem Gejohle . » Wo ist die Heimat ? « fragt der Triton . Da wird ' s mit einem Male wieder still , und die Bocksbeinigen singen im großen Chore : » Ach , unsre Heimat ist doch überall - Im blanken Saale und im Stall , Auf freiem Berge und im engen Tal - Im grenzenlosen Weltenall ! « Und dann springen die Sänger und Sängerinnen ins Wasser , küssen den Triton und wollen die Lika aus ihrer Schale herausheben - aber ach ! - das geht nicht - die Lika ist ja mit ihrer Porzellanschale zusammengewachsen - wie die Schnecke mit ihrem Haus . Großes Entsetzen . Aber die Lika macht wieder ihren Sonnenschirm zu , und die Bocksbeinigen beruhigen sich , tragen ihre beiden Gäste so recht behutsam ans Ufer und spielen dort zum Tanze auf . An dem können nun die beiden Kinder des Meeres nicht teilnehmen . Jedoch das stört die Freude nicht . Nach dem Tanze wird Wein getrunken und Rauschmusik gemacht ; die ganze Gesellschaft schwimmt in Seligkeit . Alle erklären der Lika , daß das Glück in der Kehle und in den Instrumenten sitze ; ein vernünftiges Wort läßt sich mit diesen Leuten nicht reden . Der Triton sagte bloß : » Liebe Lika , glaube mir : auch diese fidele Gesellschaft teilt die Meinung der Zwerge in jeder Beziehung . « Und die Augen der Lika leuchteten verständnisinnig auf - wie zwei neue Sterne . VIII Als das Fest zu Ende war , erklärte die Lika ihrem Begleiter würdevoll : » Mein Lieber , erlaube mal ! Jetzt will ich endlich ans Ziel kommen . Das gesuchte Land muß denn doch zu finden sein . Wenn Du mich nicht bald hinführst , so muß ich mir einen andern Führer suchen . So geht ' s nicht weiter . « » Hm ! « versetzte der Triton , weckte mit einer dreieckigen Trommel ein paar schlafende Musiker und bat um einen Wagen . Ohne die Andern Musiker in ihren Träumen zu stören - sie schliefen sämtlich - kamen die Herren bereitwillig der Bitte nach , spannten sechs Hirsche vor ein Kabriolett - - und bald ging ' s über Stock und Stein in eine andre Gegend ; die Lika kriegte Angst bei der schnellen Fahrt , denn sie saß in einer Schale von allerfeinstem dünnstem Porzellan . Auf einem großen runden , mit bunten Fliesen bedeckten Platze blieben die Hirsche dampfend stehen . Und aus dunklen Wolken kam ein aufgeblasener Luftballon herunter . Die Lika schlug die Hände überm Kopfe zusammen , aber die Bocksbeinigen setzten sie mit ihrer Porzellanschale in die Gondel , halfen auch dem Triton hinein - und fort ging ' s - hinauf in die dunklen Wolken . Das war eine Fahrt ! Die Lika war ganz sprachlos . Der Ballon fuhr durch die Wolken durch und kam in den hellen blauen Himmel . Drei Bucklige kletterten an den Gondelstricken empor , und drüben stieg ein riesiges Purpurgebirge so hoch ins Blaue , daß man die roten Spitzen oben nicht mehr sehen konnte . Aber was Andres sahen die Kinder des Meeres - lange Männer mit furchtbar langen schmalen Flügeln ! Die Flügelmänner flogen an den Purpurfelsen herum - wie Schwalben vor ihren Nestern herumfliegen . » Was sind denn das für Kerls ? « frug die Lika . Und die drei Buckligen riefen oben unterm Luftballon : » Das sind die großen Dichter ! « IX Na - die Dichter waren ganz freundliche Herren ; sie empfingen die schnurrigen Gäste wie alte Bekannte , hoben sie aus der Gondel und brachten sie durch ein rundes Fenster in ihre Felsenwohnung . Der Triton legte sich gleich auf einen molligen Divan und stopfte sich einen Tschibuk . Die Lika setzte man auf einen fünfeckigen Fenstertisch , von wo aus das gute Kind eine prächtige Aussicht über kunterbunte Wolkenbündel genoß ; keilförmige Schatten und Sonnenstrahlen huschten vorüber . » Also jetzt , « sprach Lika , an ihre Porzellanschale klopfend , » soll mir endlich der richtige Weg zur Heimat mit dem Glück gezeigt werden . Bitte ! Sprechen Sie , meine verehrten Herren ! « Die Dichter erkundigten sich tiefernst bei dem Triton nach dem , was das resolute Kind wissen wollte , und dann hub der Älteste der Dichter also an : » Für diejenigen Weltbewohner , die Laien und keine Künstler sind , bedeuten die Begriffe Heimat und Glück etwas Andres als für uns Künstler . Das Laienvolk verbindet eben mit den einzelnen Worten völlig andre Geschichten . Das geht uns natürlich nichts an . Laiensache bleibt Laiensache ! Wir Künstler aber nennen die ganze Welt unsre Heimat und finden überall dort unser Glück , wo wir nach unserm Geschmack leben können . Das Land , das Du suchst , brauchst Du also nicht mehr zu suchen , denn Du bist ja schon da . Du willst doch Künstlerin werden , nicht wahr ? « » Ich möchte , « erwiderte schüchtern die gute Lika , » gern eine Künstlerin werden . « » Das freut mich ! « sprach der Dichter , » freut mich sehr ! Ich hätte Dich auch im andern Falle zum Fenster hinausgeworfen . « » Aber , « schrie erschrocken die Lika , » meine Porzellanschale wäre dann doch entzweigegangen ! « » Wir Dichter sind