alle Worte : Er verbat es sich , als kranker , unselbständiger Mann behandelt und - - blamiert zu werden . Wie ich ihn kannte , mußte ich nun still sein . Er war jetzt Scheik der Haddedihn und Gast der Dinarun . Das wollte er sein , und ich hatte mich zu fügen ! Ich that dies nur mit Anwendung aller meiner Selbstbeherrschung . Dies macht mich zum Reden ungeschickt , während Halef sich um so gesprächiger zeigte . Seit er gesehen hatte , wie arm diese Leute waren , stand sein Entschluß , ihnen zu helfen , fester als vorher . Das ganze , jetzt von ihm geleitete Gespräch hatte den Zweck , sich zu informieren . Er warf eine Menge Fragen auf , von denen keine einzige überflüssig war , und zeigte sich dabei so überlegsam und bedacht , wie ich ihn nur ganz selten gesehen hatte . Ich wußte nicht , was ich denken sollte , und wurde fast irr an mir selbst . Er aß mit dem größten Appetit , doppelt so viel wie ich , und trank keinen Schluck Wasser dazu . War das Fieber ? Die von ihm gestellten Fragen verrieten zwar eine fast zudringliche Wißbegierde : aber Nafar Ben Schuri schien sie für ganz selbstverständlich zu halten , nahm sie ihm nicht im geringsten übel und beantwortete sie mit solcher Bereitwilligkeit , als ob er nur darauf gewartet habe , daß sie ausgesprochen würden . Inzwischen hatten sich die sämtlichen anwesenden Dinarun auch zum Essen gelagert . Es ging bei den verschiedenen Gruppen , welche sich bildeten , sehr lebhaft zu , und allerlei zu uns herüberklingende laute Bemerkungen verrieten mir die allgemeine Ueberzeugung , daß noch heut zum Zuge gegen die Dschamikun aufgebrochen werden sollte . Als auch Halef eine dieser Interjektionen hörte , stieß er ein vergnügtes Lachen aus und sagte zu Nafar Ben Schuri : » Deine Krieger scheinen sich auf dieses Unternehmen zu freuen , o Scheik der Dinarun , und das ist ein gutes Zeichen . Denn nur das , was das Herz erfreut , wird mit dem Arm und mit dem Verstand vortrefflich ausgeführt . Wir sind bereit , dir beizustehen . Nur darum habe ich dir so viele Fragen vorgelegt . Wir wollen das , was du mir antwortetest , noch einmal kurz zusammenfassen , damit nicht nur ich , sondern auch mein Sihdi weiß , was er zu denken hat . « Das war wieder einmal einer seiner kleinen diplomatischen Kniffe . Er pflegte gern den eigenen Wunsch mit fremden Wünschen zu maskieren . Nun fuhr er fort : » Also ihr seid nicht etwa der ganze Stamm , sondern nur ein kleiner Abzweig der Dinarun ? « » So habe ich gesagt , und so ist es wirklich , « antwortete Nafar . » Ihr weidetet hier in der Nähe und wurdet von den Dschamikun überfallen und derart ausgeraubt , daß von euren Herden und Zelten fast gar nichts übrig geblieben ist ? « » Ja . « » Ihr wollt sie verfolgen und ihnen das Geraubte wieder abnehmen . Das muß schnell geschehen , und darum könnt ihr nicht auf die Hilfe eures Stammes rechnen , weil eure Genossen sich so weit von hier befinden , daß eine lange Zeit vergehen würde , ehe es ihnen möglich wäre , sich hier zusammenzufinden ? « » Das ist es , was ich dir sagte . Die Dschamikun zählten vielleicht zweihundert Mann , als sie unser Lager überfielen . Ich habe euch schon erzählt , daß wir nicht daheim , sondern auf einem Feste abwesend waren , sonst wäre ihnen der Raub gewißlich nicht gelungen . Wir können ihnen das uns Gestohlene nur dann wieder abnehmen , wenn wir ihnen sofort nachjagen , um sie einzuholen , bevor es ihnen gelungen ist , ihren eigenen , großen Stamm zu erreichen . Kommen wir zu spät , so ist alles für uns verloren . Darum wollten wir schon heut früh aufbrechen . Dies wäre ganz gewiß geschehen , wenn wir nicht gestern euch getroffen hätten . Dadurch haben wir einen halben Tag verloren . Jetzt aber essen wir , und dann werden wir aufbrechen . Ich hoffe , ihr seht ein , daß wir nicht länger warten können . « » Natürlich sehen wir das ein , aber ehe ihr diesen Ort verlaßt , giebt es noch mehr zu thun , als bloß zu essen . « » Was ? « » Willst du denn nicht an unsere Gefangenen denken ? « » Maschallah ! Das ist richtig ! Die können wir doch unmöglich mit uns schleppen ! « » Nein . Sie würden nur hinderlich sein und uns wohl gar entschlüpfen und zu Verrätern werden . Also essen wir vorerst ; dann halten wir Gericht über sie , und dann wird sofort von hier aufgebrochen ! « Das klang alles so glatt und selbverständlich , daß ich es für an der Zeit hielt , nun endlich auch einmal das Wort zu ergreifen . » Lieber Halef , erlaubst du , daß auch ich mitsprechen darf ? « fragte ich . » Was fällt dir ein , Sihdi ! « rief er aus . » Seit wann hast du erst um Erlaubnis zu bitten , bevor du reden darfst ? « » Seit ich höre , daß du der Pascha dieser ganzen Gegend und aller derer bist , die sich in ihr befinden ! « » Ich ? Pascha ? Fällt mir gar nicht ein ! Ich habe nur deshalb so drauflos bestimmt , weil du deinen Mund nur für den Hammelschwanz , nicht aber für den Ausdruck deines Verstandes zu haben scheinst . Wer reden will , der muß das Kauen lassen . Mir ist es überhaupt stets lieber , wenn du sprichst , denn wenn du schweigst , so steckt etwas dahinter ! Du siehst doch gewiß ein , daß wir uns entschließen müssen , daß keinen Augenblick gezögert werden darf ? «