er das kleine alte Landhaus , das eigentlich nur eine alte Lehmkate ist , kaufen kann . Und Safur erzählt von seiner Reise nach Ägypten , von der Wüste - und von seiner Dschinne . Er setzt dem großen Sterndeuter eifrig auseinander , daß er seine Dschinne liebe . Er wisse sehr wohl , daß sie nicht lebe - und doch glaube er , daß sie ihn verfolge überall - oft sei ihm so , als berühre sie ihn an der Schulter mit ihren Fingerspitzen . Leidenschaftlich sagt er : » Sieh , ich weiß , die Dschinne ist für mich unerreichbar - aber ich kann das Plumpe , das Rohe , das Körperliche nicht mehr ausstehen . Ich muß nach einem Geistigen streben , das nicht von dieser Welt ist . Ich will überall jetzt das Unerreichbare haben - in jene Welt - in die andere will ich hinein . Ich sehne mich nach einem Weibe , das so fein und zart ist , wie irdische Weiber nie sein können . Mein Streben mag töricht , meine Liebe mag eine tolle Liebe sein - doch ich kann nicht mehr anders . Ich muß daher in die Einsamkeit . Sieh , Abu Maschar , ich bin ein Genußmensch . Ich will mit meiner Dschinne zusammenkommen . Vielleicht gehts doch . Man kann ja nicht wissen - und wenn ich mir dabei den Schädel einrennen sollte - was schadets ? Die Genüsse dieser irdischen Welt befriedigen meine Lustgier doch nicht mehr . Oh - verstehst Du mich ? Sprich doch ! « Abu Maschar streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen langen schwarzen Bart und spricht langsam in wohlerwogenen Sätzen : » Ich hörte schon von Deiner seltsamen Liebe . Und ich bin nicht überrascht durch Deine Worte . Du gehörst zu den Menschen , die in Allem feiner empfinden als die Andern . Dein Denken ist nicht einfach . Du bist an verwickelte Gedanken gewöhnt . Die Andern verstehen Dich daher nicht und verletzen Dich . So gehts allen denen , die mehr sind oder mehr sein wollen als das einfache Volk . Und so kams , daß Du Dir in Deinem Gehirn ein Idol schufest , das Du lieben und anbeten wolltest . Und diesem Idol rennst Du nun im wirklichen Leben nach . Du bist auf der Jagd nach dem Idol . Das schadet nichts , wenn Du stets im Auge behältst , daß dieses Idol für Dich unerreichbar bleiben muß . Jeder feinere Kopf befindet sich sein ganzes Leben hindurch auf der Jagd nach dem Idol - die Jagd ist was ganz Gewöhnliches . Dieselbe ist auch nicht schädlich , wenn man ihre Nutzlosigkeit einsieht . Du strebst nach dem Unerreichbaren , wie Du sagst , überall . Ja , ich verstehe , Du hast eben viele Idole . Die einfachen Menschen finden ihre Idole verkörpert hier auf der Erde vor , die feineren Menschen finden ihre Idole nicht auf der Erde verkörpert vor - die sind ja dort - hinter den Sternen . Darum ist es nur natürlich , daß Du in jene Welt hinein möchtest . Ich möchte das auch , daher bin ich Sterndeuter und Prophet . Battany und viele Andre lachen , daß ich mich mit so abergläubischen Sachen befasse . Aber will Battany nicht auch bloß wissen , was hinter jener blauen Himmelswand liegt ? Und ist etwa die Art , in der er was Tieferes erfahren will , so sehr viel klüger als die meine ? O nein ! Wir unterscheiden uns nur dadurch , daß er stets glaubt , etwas erreichen zu können , und ich nie glaubte und nie glauben werde , ich könnte je in jene Welt hinein . Ich rechne nicht , um was zu wissen - sondern ich will mich durch das ewige Rechnen nur betäuben . Wir bleiben , wie wir sind . Wir werden später auch nicht mehr wissen , als wir jetzt wissen . Die Welt ist starr und unveränderlich . Es gibt in der Welt keine wesentliche Weiterentwicklung . Und der Einzelne wird sich erst recht nicht weiterentwickeln . Ist man ein feiner Mensch , so bleibt man ein solcher . Ist man einfach , so bleibt man einfach . Geh also nur mit Deiner übersinnlichen Liebe in die Einsamkeit . Geh nur ! Battany wird Dir schon helfen . Wenn Du aber glaubst . Du könntest in die andere Welt , in die Welt der Geister , hinein , so wirst Du Dir den Kopf einrennen . Liebe nur Deine Dschinne , aber verlang nicht von ihr , daß sie Dir körperlich erscheine . Du willst doch nach dem Unerreichbaren überall streben . Würdest Du also einmal Deine Dschinne umarmen können wie ein gewöhnliches Erdenweib - so würde Deine Dschinne jeden Reiz durch die Umarmung verlieren . « Und der Prophet lächelt , streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen langen schwarzen Bart und sieht dem Dichter lange ins Gesicht . Wie sich die Beiden trennen , lächelt Abu Maschar nicht mehr ; er ist besorgt um Safur - dessen Leidenschaft kommt dem weisen Sterndeuter bedenklich vor . Der Dichter aber geht zum reichen Al Battany durch den Palmenhain über die hohen Hügel am Ufer des Tigris an den Feigenbäumen vorbei bis zur Landstraße , auf der er einst vor Jahren am Himmel das schwarze Gesicht des Weibes sah , das nicht lebt und ihn doch verfolgt . Er denkt an jenen Morgen , an dem er auch in Fieberstimmung zum Astronomen kam - um der Tarub willen . Jetzt kommt er wieder in fieberhafter Aufregung zum Astronomen - wieder Tarubs wegen . Und wie damals - sitzt ihm auch jetzt - eigentlich die Dschinne mehr auf den Fersen als die berühmte Köchin . Er blickt über die Stadt hin , die nun in der heißen Sonne mit den hohen Palmen und den weißen Häusern , mit der hoch gelegenen bunten Chalifenburg , mit den bunten Moscheen und den schlanken Minaretten