nach den Sälen der Brauerei . Er , Angelus und Paulus waren schon eine Stunde vorher hingegangen . Als sie eintrat , sah sie an der Thür Angelus vor einem großen Tisch sitzen , der mit Stößen von Bildern des Meisters bedeckt war . » Was machst du da ? « fragte sie überrascht . » Ich verkaufe sein Bild ; das Stück für zehn Pfennig « . Seine Augen leuchteten glücklich . Johanne entgegnete nichts und ging nach vorn . Sie fand kaum ein Plätzchen mehr in der fünften Bankreihe . Der große Saal war gedrängt voll Menschen . Und in jedem Augenblick kamen noch neue Gruppen gezogen . Endlich erschien Johannes . Seine Blicke glänzten ; er schien schlanker , blasser , magerer als sonst . Sein schlichtes Christushaar fiel lang auf die Schultern herab . Er begann zu sprechen . Leise , fast zaghaft , voll demütiger Bescheidenheit . » Ich spreche zu den Armen , Unglücklichen , zu den Stiefkindern dessen , was die Welt Glück nennt . Je verachteter Einer unter euch hier ist , umso heißer umarmt ihn meine Seele als Bruder , umso mehr Anrecht besitzt er auf meinen Rat , auf meine Liebe « . Seine Augen überflogen das Publikum . Es waren meist Leute aus dem Arbeiterstande . Sehr viele Frauen . Auch Einige , die dichte Schleier verhüllten . Aber die Mehrzahl bildete das unruhige , nach Besserung seiner geistigen und physischen Lage hungernde Element des vierten Standes . Die Frauen waren andächtig wie in der Kirche . Manche hatten Thränen in den Augen . Der bloße Anblick dieses frierend aussehenden Christusmannes mit den nackten Füßen und dem edlen blassen Gesicht ergriff sie schon . Er wolle ihnen allen helfen , sagte er . Seine Rede war nicht geistreich , wirkte aber durch ihre Herzenswärme und die ungeheuer kluge Einfalt sehr packend . Es war eine Rede , genau wie diese Leute sie brauchten . » Ich könnte es besser haben « sagte er unter anderm , » aber ich will nicht . Ihr darbt , warum soll ein Bruder von euch schwelgen ? Freilich , es thun dies Hunderttausende , aber die - Herr verzeih ihnen , denn sie wissen nicht was sie thun - die kennen nicht euer Elend , euere Notlage . Sie würden sonst weinen und euch helfen , wo sie können , glaubt mir das . Ich aber will von Haus zu Haus gehen und an die Herzen der Mächtigen , an die Herzen derer pochen , die bei den Gesetzen mitzusprechen haben . Ich will meine Schüler in alle vier Winde aussenden , daß sie die Lehren von der Liebe aussäen « . In diesem Tone gings fort . » Ich selbst bin ja ein Armer , gleich euch . Ich habe nichts , was ich mein nenne . Ich wünsche auch nichts , als der guten Sache zu dienen , möge ich selbst im Dunkel vergehen « . Und warum läßt du hundertweise deine Bilder verkaufen ? Wie darfst du das zulassen , wenn du so demütig , so bescheiden bist ? riefs in Johanne . Sie horchte nur noch halb hin . Sie wäre ihm am liebsten mitten hineingefahren in seine Rede , um ihm dies und jenes vorzuhalten , was ihr mißfiel . Sie vernahm ein großes lindes Schmeicheln aus seinen Worten heraus , das sie verdroß . Er warb um den Beifall dieser Menschen . Und Christus hatte sie doch mit Stricken hinausgetrieben , die ihm nicht gefielen . Sollten diese Leute hier , die er so demütig anredete , wirklich lauter Auserwählte sein ? Johanne atmete erleichtert auf , als der Vortrag beendet war , der übrigens nicht das aufgestellte Programm einhielt . Ueber die Rückkehr zur Natur war kein Wort gefallen . Das laute Beifallsgeschrei am Schluß der Rede zeigte , daß er den Geschmack der Leute getroffen hatte . Als Johanne zum Ausgang gelangte , standen Dutzende von Menschen um den Tisch und kauften die Bilder des Meisters . Angelus strich das Geld lächelnd in die Lade . » Ist das ein süßer , kleiner Kerl « hörte sie eine ältere Frau zu einer anderen sagen . Sie wandte den Kopf weg und trat , so rasch sie konnte , hinaus . Vor der Thür draußen stand Paulus , eine Sammelbüchse in der Hand . Zur Erhaltung des Heims unseres Meisters stand darauf . Paulus mit seiner finster abweisenden , herben Miene sah aus wie ein entthronter Herrscher . Die Weiblein starrten ihn an und ließen , je nach ihren Vermögensverhältnissen , einige Geldmünzen in die Blechbüchse in seiner Hand gleiten . Mit brennenden Wangen eilte Johanne nach Hause . Auf ihrem Bettrande saß sie lange Stunden und grübelte vor sich hin . Ihre Brauen waren schmerzhaft zusammengezogen . - - - - 18 » Wie gefiels dir gestern ? « fragte Johannes sie am nächsten Tag in seiner gewohnten gütigen Weise . » Deine Rede war mir zu weich , aber am meisten verdroß mich der Bilderverkauf und die - Sammelbüchse . Du forderst ja die Wahrheit , Meister « . Sie sah ihn mit Augen an , in denen Thränen zitterten . Er lächelte gutmütig , scheinbar ohne sich im mindesten über ihre Offenheit zu ärgern . » Das alles verstehst du nicht , Kind . Aber ich danke dir für deine Offenheit « . Sie senkte den Kopf . Diese Demut seiner Worte ergriff sie wieder . War sie abermals gegen den Gerechten ungerecht gewesen ? O , ihr Kopf schmerzte von all dem Denken und Grübeln . Ihr Herz zwang sie beständig vor ihn auf die Kniee , aber der Verstand , der kalte , unerbittliche Richter ! ..... Bei Tisch sagte Johannes : » Warum sprichst du nicht mehr mit Johanne , Paulus ? Habt ihr Streit mit einander gehabt ? Kinder , Kinder ! « Paulus schüttelte den Kopf . » Ich habe nichts gegen dich , Johanne « . Er