ganze Rotte von Kindern armer Leute wurde angenommen , und in wenigen Tagen war die Ernte beendigt . Der Büttnerbauer konnte mit dem Ertrage zufrieden sein . Die Nässe im frühen Sommer hatte das Wachstum des Kräutichs befördert , und die Wärme und Trockenheit des späteren Sommers war der Entwicklung der Knollen zugute gekommen . Die Früchte waren zahlreich , groß und gesund . Ein wahrer Segen für die Armen , deren Hauptnahrung für den Winter gesichert war . Der Keller unter der Büttnerschen Scheune reichte in diesem Jahre nicht annähernd , um die Hackfrüchte sämtlich aufzunehmen . Gustav gab daher seinem Vater den Rat , nur Kraut und Rüben in den Keller zu nehmen und an Kartoffeln so viel , wie man für Haus- und Viehstand im Winter voraussichtlich brauchen würde , das übrige aber auf freiem Felde einzumieten . Der Bauer folgte auch darin dem Rate des Sohnes . Der plötzliche Preissturz , den die Kartoffel gleich darauf erlitt - welcher mit der allgemein gut ausgefallenen Ernte zusammenhing - konnte ihn belehren , daß er recht daran getan habe . Für das Frühjahr durfte man mit Wahrscheinlichkeit auf ein Anziehen des Preises rechnen . Die Herbstbestellung verlief unter günstiger Witterung . Zeitig deckten sich die Felder mit dem zarten Grün des aufkeimenden Winterkorns . Ein milder Spätherbst gestattete es , bis tief in den November hinein zu pflügen . Als die ersten Flocken niedergingen , konnte der Landmann dem mit Ruhe zusehen ; es war Zeit für den Schnee . Die Ernte war geborgen , der Acker vorbereitet für die Frühjahrsbestellung und die Winterung gut aufgegangen . Mit dem Büttnerbauer war eine Wandlung vor sich gegangen in der letzten Zeit . Er war milder geworden und friedfertiger gegen die Seinen . Die wilde Hast hatte aufgehört , mit der er während des Sommers die Arbeiten betrieben hatte . Er ließ Frau und Kindern größere Freiheit , die Weiber durften im Hauswesen wieder schalten . Bis auf das Vieh herab erstreckte sich seine freundliche Stimmung . Die Pferde erhielten wieder das ihnen gebührende Maß Hafer und dankten ihrem Herrn bald dafür durch besseres Aussehen . Sich selbst gönnte der Bauer jetzt auch wieder Schlaf und Nahrung . Die guten Folgen davon bekam zunächst die Bäuerin zu spüren ; er erschreckte sie nachts nicht mehr durch Selbstgespräche und unheimliches Umgehen . In der Kirche war er bald wieder der Aufmerksamsten einer , und der Pastor bekam ein freundlicheres Gesicht zu sehen als den Sommer über . Das waren die segensreichen Folgen von Gustavs Rückkehr ins Vaterhaus . Seit er seinen zweiten Sohn wieder bei sich hatte , schien der Büttnerbauer wie umgetauscht . Dabei ließ er es dem Jungen gar nicht mal merken , wie große Stücke er auf ihn hielt und was sein Rat und seine Hilfe in der Wirtschaft ihm bedeuteten . Über den Kopf wollte er sich den jungen Menschen auch nicht wachsen lassen . Die natürliche Eifersucht des Alters , das sich von der Jugend überflügelt sieht , spielte dem Vater mit . Außerdem war Gustav nicht der Älteste . Karl blieb auch in den geheimsten Gedanken und Plänen des alten Mannes der Anerbe des Hofes . An dem in seiner Gegend und seiner Familie eingebürgerten Gebrauche , dem ältesten Sohne das Gut zu überlassen , hätte er nie und nimmer rütteln mögen . Karl sollte der zukünftige Büttnerbauer sein und bleiben , wenn ihn auch Gustav jetzt häufig wie einen Knecht anstellte und behandelte . Gustav hatte auch die Ordnung der Geldverhältnisse in die Hand genommen . Davon verstand er nur so viel , wie der gesunde Menschenverstand einem lehrt . Denn Erfahrung in dieser Art Dingen zu sammeln , hatte er bei der Truppe kaum Gelegenheit gehabt . Er tat , vom richtigen Naturtrieb geleitet , das Vernünftigste , was bei der Lage seines Vaters getan werden konnte , er zählte zunächst einmal die sämtlichen Schulden zusammen und stellte ihnen gegenüber die Einnahmen auf , die man als sicher erwarten durfte . Dann entwarf er eine Art von Schuldentilgungsplan . Die Weihnachtszinsen hoffte er mit Hilfe des noch unverkauften Hafers zu decken , für den Ostertermin sollten die Kartoffeln bleiben . Wenn Hafer und Kartoffeln nur einigermaßen Preis bekamen , hoffte er auf Überschüsse . Freilich , so viel , wie nötig war , um den Wechsel bei Samuel Harassowitz zu decken , würde auf keinen Fall übrig bleiben . Da mußten eben noch andere Quellen aufgetan werden . Vielleicht ließ sich in diesem Winter etwas mehr aus dem Walde nehmen als sonst . Dann allerdings mußten die letzten Bäume , die dort noch standen , dran glauben . Auch daran dachte er , die zwei Schweine , welche die Bäuerin gewöhnlich um Weihnachten herum schlachtete , die Speck und Schinken für das ganze Jahr hergeben mußten , zu verkaufen , statt sie ins Haus zu schlachten . Sowie die Schweine nicht mehr im Stalle wären , würde ja auch Milch übrig sein , und dann konnte mehr gebuttert werden . Das Stroh , welches von der Kornernte her reichlich vorhanden war , mußte auch in Rechnung gezogen werden . So gab es schließlich eine ganze Anzahl Dinge , die , wenn richtig verwertet , eine Einnahme abwerfen konnten . Bei dieser Aufstellung war allerdings nicht in Rechnung gezogen die gekündigte und in naher Zeit fällige Hypothek von Gustavs Onkel , Kaschelernst . Woher das Geld zur Deckung dieser Forderung beschafft werden sollte , wußte Gustav ebensowenig wie der alte Bauer selbst . Als der junge Mann zum Haferverkauf nach der Stadt gefahren war , hatte er sich dort unter der Hand erkundigt , ob und unter welchen Bedingungen die Hypothek unterzubringen sei . Dabei hatte er sich überzeugen müssen , daß solide Geschäftsleute mit Hypotheken an so gefährdeter Stelle nichts zu tun haben wollten . Von einer Seite zwar wurde ihm das Geld geboten , aber unter so übertriebenen Zinsbedingungen , daß er Halsabschneiderei witterte und von dem Geschäfte absah . Gustav gab