Gundi ist ungemein peinlich in allem , was Form heißt . Und wenn Sie oft und lange hier malen wollen , müssen wir sie bei guter Laune erhalten . Nicht wahr , das begreifen Sie doch ? « » Aber natürlich ! « stammelte Forbeck , erleichtert aufatmend ; und als er im gleichen Augenblick Fräulein von Kleesberg auf der Veranda erscheinen sah , eilte er ihr entgegen und küßte ihre runde , rote Hand mit feierlicher Huldigung . Tante Gundi schien verwirrt und glücklich ; dabei war sie auch neugierig ; durch Tassilo hatte sie bereits von den erstaunlichen Fortschritten des Bildes gehört . Forbeck holte die Leinwand und stellte sie auf den Stufen der Veranda in gutes Licht . Fräulein von Kleesberg brach in laute Bewunderung aus , und Kitty stand schweigend , die großen Augen bald auf das Bild , bald auf den jungen Künstler gerichtet . Um ihre Kunstkennerschaft war es mager bestellt . Dennoch empfand sie das Ursprüngliche und Hinreißende der jungen Kraft , die aus diesem Wirbel leuchtender Farben , aus diesem Durcheinanderstürmen kühner Linien redete . Zögernd deutete sie auf ein in der Mitte des Bildes angedeutetes Figurenpaar . » Das soll ich und unser Franzl werden ? « Langsam blickte sie zu Forbeck auf , der schweigend nickte . Da legte sich die Hand auf seinen Arm . » Kommen Sie , wir wollen gleich anfangen . « Tassilo erschien , und nun wanderten sie miteinander durch den Park , damit Forbeck für die Sitzung im Freien einen Platz mit geeigneter Beleuchtung wählen könnte . Neben einem der Kieswege fand sich ein kleiner Rasenfleck , von Buchen und Linden umstanden , der grüne Grund überwebt von Lichtern und Schatten . Hier wurde die Staffelei aufgestellt und für Tante Gundi eine Gartenbank herbeigetragen . Einige Schwierigkeit bereitete es , für Kitty einen etwas erhöheren Sitz zu errichten , auf dem sie ohne Unbequemlichkeit die für das Bild nötige Stellung einzunehmen vermochte . Auch dafür wurde Rat geschaffen ; Tassilo brachte den großen Lehnstuhl aus der Kruckenstube in Vorschlag , dessen Seitenstütze den tragenden Arm ersetzen sollte . Als Kitty ihr Plätzchen eingenommen hatte , kehrte Tassilo zu seiner Arbeit zurück , und die Sitzung begann . Mit scheuer Achtsamkeit ordnete Forbeck an Kittys Kleid die Falten , dann trat er vor die im Schatten einer Linde stehende Leinwand , während Tante Gundi ihren Heyse aufschlug . Aber der Dichter kam bei ihr nicht zu seinem Rechte . Immer wieder sah sie über das Buch , hing prüfend an den ihr halb zugewendeten Zügen des jungen Künstlers , verlor sich in Gedanken , erwachte und versuchte wieder zu lesen . Ein leises Flüstern ging durch das dem Welken schon nahe Laub der Bäume , vom Schlosse ließ sich gedämpft das Plätschern der Fontäne hören , und durch die sanft atmende Sommerstille klang manchmal von der Ulmenallee der harte Schrei eines Adlers . Kitty schwieg . Auch Forbeck sprach nur selten ein paar Worte , wenn er eine kleine Änderung in der Haltung wünschte , oder fragte , ob Kitty ermüdet wäre . Lächelnd schüttelte sie immer das Köpfchen . Sie hatte die Wange auf der Lehne des Sessels liegen , so daß ihre Augen gerade auf Forbeck gerichtet waren . Mit wachsendem Interesse beobachtete sie jede seiner Bewegungen , wenn er von der Leinwand zurücktrat , um die Arbeit zu prüfen , und dann wieder näher trat und die flink schaffende Hand erhob . Er schien bei der Arbeit ein anderer zu sein als sonst ; alles Verlegene , Unsichere war von ihm abgestreift , ruhige Sicherheit lag in seinem ganzen Wesen , und sein schmales , streng geschnittenes Gesicht war verschönt . Und wenn er den Blick hob , um zu schauen , war etwas Strahlendes in seinen dunklen Augen . Je häufiger Kitty diesem trinkenden Künstlerblick begegnete , desto heißer wurden ihre Wangen . Wohl begann auf die Dauer ihr Körper zu ermüden . Dennoch wurde sie fast unwillig , als Tante Gundi endlich die Sitzung unterbrach , um für Kitty ein paar Minuten Erholung zu erwirken . Man machte einen Schlendergang durch den Park und blieb in der Ulmenallee vor dem Adlerkäfig stehen . Kitty erzählte , wie ihr Vater einen dieser Vögel unter Flügelschlägen und Klauenhieben des den Horst verteidigenden Weibchens aus dem Nest herunterholte - und dabei merkte sie , daß Forbeck nicht zuhörte , obwohl sein Blick immer an ihren Lippen , an ihren Augen hing . » Sie sind wohl schon wieder bei Ihrem Bild ? « fragte sie lächelnd , mitten in der Erzählung abbrechend . » Kommen Sie ! Ich habe schon genug geruht . « Wieder vergingen zwei stille Stunden , und die Sitzung wurde erst abgebrochen , als auf dem Dach des Schlosses die Mittagsglocke läutete . » Ich darf Sie doch bitten , mit uns zu speisen ? « sagte Tante Gundi . Und Kitty fiel ein : » Natürlich , Sie müssen bleiben . « Forbeck wurde verlegen . Seine Hand war nicht müde , er wollte die gute Stimmung und den Rest des Tages benützen , um auch mit den anderen Partien des Bildes vorwärtszukommen . Das brachte er stockend vor . Kitty schmollte . Es hatte sich auch verdrossen , daß er sie nach Schluß der Sitzung keinen Blick auf die Leinwand werfen ließ . » Sie sollen das Halbe nicht sehen ! « hatte er gesagt . Um so gnädiger wurde Forbeck von Tante Gundi entlassen , und als er mit Moser in der Ulmenallee verschwand , sagte sie : » Das gefällt mir . Ein Mensch mit guter Kinderstube . Er hat von Aufdringlichkeit keine Spur an sich . Und wie er an seiner Arbeit hängt ! Ich sage dir , Kind , aus diesem jungen Menschen wird noch was , gib acht , was Großes ! Er sieht nicht umsonst - « Was sie weiter noch sagen wollte , verschwieg sie und streifte Kitty mit ängstlichem