nicht erspart bleiben , hatte sich Wilhelm manchmal dazu bequemen müssen , die mit erfinderischer Delikatesse dargebotene Hilfe seines Vetters anzunehmen . Aber es geschah so widerstrebend , daß Hermann immer die Geduld verlor : » Was soll das ? Du beleidigst mich ... Meine brüderliche Liebe nimmt er an , ja ; meine armseligen Groschen - ah , Gott bewahr ' s , nein , die nicht ! da wird protestiert . Warum , möcht ich doch wissen , warum ? « » Weil ich den nicht mag , dem ich etwas schuldig bin « , antwortete Wilhelm und bekam einen blauroten Kopf . » Nicht mag , hol ihn der Kuckuck , ich sag ' s , wie ' s ist ! Wenn mir einer unter die Arme greift , komm ich mir vor wie ein Bub . So bin ich . Mach mich anders , wenn du kannst . « Das allerdings konnte Hermann nicht , und ganz gut und herzlich wurde Wilhelm erst wieder , nachdem er die bei seinem nächsten Verwandten und besten Freund eingegangene Schuld abgetragen hatte . Ja , er war unverbesserlich und Hermann der letzte , der zum Prediger in der Wüste , zum Prediger überhaupt taugte . Wenn etwas seinen Spott reizte , war ' s der Hang zur Hofmeisterei , von dem die meisten Leute erfüllt sind , den sie aber ins Gewand einer Tugend kleiden und für Teilnahme ausgeben . Hermann vermochte nicht einmal einen Fehler , unter dem er litt , an Menschen , die er wert hielt , zu rügen . So schwieg er auch lange dazu , daß Maria ihr liebliches zweites Söhnchen auffallend gegen den älteren , den selbständigen , von Kraft strotzenden Knaben zurücksetzte , und verbarg ihr sein schmerzliches Befremden bei jedem Zeichen der Ungleichheit in ihrer Empfindung für ihre Kinder . Sie ahnte vielleicht nichts davon . Die Veränderung in ihrer ganzen Art und Weise , wenn sie sich von dem Kinde zu jenem wandte , ging vor - ihr selbst unbewußt . Wenn aber unbewußt , warum geschah es dann , daß Maria eine manchmal dem Kleinen gespendete Zärtlichkeit wie einen an ihrem Erstgeborenen begangenen Raub anzusehen schien , den sie hundertfach zu vergüten suchte ? Danach fragte er sie endlich doch , und ihre Antwort war ein so peinlich verwirrter Blick , daß Hermann dachte : Sie gibt sich Rechenschaft von ihrer Ungerechtigkeit , bekämpft gewiß das Gefühl , das sie dazu treibt , und wird es auch besiegen . Um diese Zeit übersiedelte Fee , die sich kürzlich im Gefolge Tante Dolphs in Dornach eingenistet , zu ihren Freunden Wonsheim . » Prächtige Leut , die da drüben « , sagte sie , » es is aber vor Langerweil bei ihnen nicht auszuhalten . Immer nur die Familie Wilhelm , immer nur Eintracht , immer nur Liebe - und noch dazu eine , bei der man nicht beteiligt is ... Nein , ich dank ! « Die Brüder gaben zu überlegen , ob es nicht recht praktisch wäre , abermals aufzumischen . Ein Versuch , der gemacht wurde , fand jedoch wenig Anklang . Es stellte sich bald heraus , daß die amüsanteste Person im Hause Dornach in diesem Augenblicke » die alte Dolph « war . Sie hatte wenigstens eine gehörige Leidenschaft für das Lawn-Tennis , den einzigen Sport , den die » fad « gewordenen Nachbarn nicht aufgehört hatten zu pflegen . Ihre Kopfschmerzen quälten sie auf dem Lande weit mehr als in der Stadt ; unter allen Dingen , die sie anfeindete , nahm die Zugluft einen hervorragenden Platz ein , trotzdem aber konnte sie beim Tennis stundenlang ausdauern in ihrer Rolle als Schiedsrichter , als drakonisch strenger Umpire . Weil sie dabei Gelegenheit findet zu seckieren , dachte Fräulein Nullinger . Wenn die Gesellschaft Wonsheim in ihrer Stage-coach zum Spiel nach Dornach fuhr , mußte sie sich ' s nicht selten gefallen lassen , der unwissenden Bevölkerung zum Gegenstand einer nicht schmeichelhaften Aufmerksamkeit zu dienen . Die Herren in ihren hohen weißen Filzhüten , weißen Jongleuranzügen , weißen Zwirnhandschuhen , die Damen schürzenumgürtet wie die kleinen Schmiede von Demavend , den Brustlatz geschmückt mit grellfarbigen heraldischen Emblemen , wurden oft für eine Truppe Seiltänzer gehalten . Natürlich waren sie samt und sonders im Tennis von einer Stärke , die sie berechtigt hätte , die englische Partie mitzuspielen . Hermann und Maria gaben ihnen wenig nach , und da kamen denn Serien vor , die kein Ende nahmen . Sogar die Gegner mußten einander bewundern , nur der Umpire war nie ganz zufriedenzustellen . Trotzdem mit unvergleichlicher Grazie haarscharf über das Netz serviert , mit fast nie fehlender Sicherheit aufgenommen wurde , ein Ball oft dreißigmal hin und her flog , bevor er zu Boden fiel , ließ sich Tante Dolph dennoch nur zu einem bedingten Lobe herbei . » Recht gut , meine Kinder ; für eine einheimische Leistung gar nicht übel . Im Auslande würdet ihr abblitzen ... Schreit nur , ich kann euch nicht helfen . Ganz kürzlich hatte ich den Besuch eines Fräuleins van Nieuwenhuis-Kabeljau , die erste Tennisspielerin der Welt . Die trägt einen Handschuh Nr. 61 / 2 an der linken , einen Handschuh Nr. 8 an der rechten Hand und ist , sage ich euch , so schief wie eine im Umkippen begriffene Treck-Schuite vor lauter Raketenschwingen . Das nenn ich Übung , und nur so erlangt man die Meisterschaft . « » Und einen Buckel « , erwiderte Fee ; » der möcht mich doch genieren . « » Dilettantin ! diese Jufvrouw ist stolzer auf ihn als ein Held auf seine Narben . « » Hat auch alle Ursach « , erklärte Betti Wonsheim , betrachtete ihre rechte Hand und schmeichelte sich im stillen : Etwas größer als die linke ist sie , Gott sei Dank , doch schon . Vor der Abfahrt der Gäste wurde noch Verabredung für den morgigen Nachmittag genommen , an dem ein