, der da sprach , trotz seines spießbürgerlichen Aufzuges ein Mann von Freimut und untadeliger Gesinnung sei . Das half ihm rasch aus seiner Verwirrung heraus , und er hatte Haltung und Ruhe ziemlich wiedergewonnen , als er über den Tisch hin fragte : » Sie sind ein Anverwandter Lenens ? Verzeihung , Herr Franke , daß ich meine alte Freundin bei diesem alten , mir so lieben Namen nenne . « Franke verbeugte sich und erwiderte : » Nein , Herr Baron , kein Verwandter ; ich habe nicht diese Legitimation . Aber meine Legitimation ist vielleicht keine schlechtere : ich kenne die Lene seit Jahr und Tag und habe die Absicht , sie zu heiraten . Sie hat auch zugesagt , aber mir bei der Gelegenheit auch von ihrem Vorleben erzählt und dabei mit so großer Liebe von Ihnen gesprochen , daß es mir auf der Stelle feststand , Sie selbst , Herr Baron , offen und unumwunden fragen zu wollen , was es mit der Lene eigentlich sei . Worin Lene selbst , als ich ihr von meiner Absicht erzählte , mich mit sichtlicher Freude bestärkte , freilich gleich hinzusetzend : ich solle es lieber nicht tun , denn Sie würden zu gut von ihr sprechen . « Botho sah vor sich hin und hatte Mühe , die Bewegung seines Herzens zu bezwingen . Endlich aber war er wieder Herr seiner selbst und sagte : » Sie sind ein ordentlicher Mann , Herr Franke , der das Glück der Lene will , soviel hör und seh ich , und das gibt Ihnen ein gutes Recht auf Antwort . Was ich Ihnen zu sagen habe , darüber ist mir kein Zweifel , und ich schwanke nur noch wie . Das beste wird sein , ich erzähl Ihnen , wie ' s kam und weiterging und dann abschloß . « Franke verbeugte sich abermals , zum Zeichen , daß er auch seinerseits dies für das beste halte . » Nun denn « , hob Rienäcker an , » es geht jetzt ins dritte Jahr oder ist auch schon ein paar Monate darüber , daß ich bei Gelegenheit einer Kahnfahrt um die Treptower Liebesinsel herum in die Lage kam , zwei jungen Mädchen einen Dienst zu leisten und sie vor dem Kentern ihres Bootes zu bewahren . Eins der beiden Mädchen war die Lene , und an der Art , wie sie dankte , sah ich gleich , daß sie anders war als andere . Von Redensarten keine Spur , auch später nicht , was ich gleich hier hervorheben möchte . Denn so heiter und mitunter beinahe ausgelassen sie sein kann , von Natur ist sie nachdenklich , ernst und einfach . « Botho schob mechanisch das noch auf dem Tische stehende Tablett beiseite , strich die Decke glatt und fuhr dann fort : » Ich bat sie , sie nach Hause begleiten zu dürfen , und sie nahm es ohne weiteres an , was mich damals einen Augenblick überraschte . Denn ich kannte sie noch nicht . Aber ich sah sehr bald , woran es lag ; sie hatte sich von Jugend an daran gewöhnt , nach ihren eigenen Entschlüssen zu handeln , ohne viel Rücksicht auf die Menschen und jedenfalls ohne Furcht vor ihrem Urteil . « Franke nickte . » So machten wir denn den weiten Weg , und ich begleitete sie nach Haus und war entzückt von allem , was ich da sah , von der alten Frau , von dem Herd , an dem sie saß , von dem Garten , darin das Haus lag , und von der Abgeschiedenheit und Stille . Nach einer Viertelstunde ging ich wieder , und als ich mich draußen am Gartengitter von der Lene verabschiedete , frug ich , ob ich wiederkommen dürfe , welche Frage sie mit einem einfachen Ja beantwortete . Nichts von falscher Scham , aber noch weniger von Unweiblichkeit . Umgekehrt , es lag etwas Rührendes in ihrem Wesen und ihrer Stimme . « Rienäcker , als das alles wieder vor seine Seele trat , stand in sichtlicher Erregung auf und öffnete beide Flügel der Balkontür , als ob es ihm in seinem Zimmer zu heiß werde . Dann , auf und ab schreitend , fuhr er in einem rascheren Tempo fort : » Ich habe kaum noch etwas hinzuzusetzen . Das war um Ostern , und wir hatten einen Sommer lang allerglücklichste Tage . Soll ich davon erzählen ? Nein . Und dann kam das Leben mit seinem Ernst und seinen Ansprüchen . Und das war es , was uns trennte . « Botho hatte mittlerweile seinen Platz wieder eingenommen , und der all die Zeit über mit Glattstreichung seines Hutes beschäftigte Franke sagte ruhig vor sich hin : » Ja , so hat sie mir ' s auch erzählt . « » Was nicht anders sein kann , Herr Franke . Denn die Lene - und ich freue mich von ganzem Herzen , auch gerade das noch sagen zu können - , die Lene lügt nicht und bisse sich eher die Zunge ab , als daß sie flunkerte . Sie hat einen doppelten Stolz , und neben dem , von ihrer Hände Arbeit leben zu wollen , hat sie noch den andern , alles gradheraus zu sagen und keine Flausen zu machen und nichts zu vergrößern und nichts zu verkleinern . Ich brauche es nicht und ich will es nicht , das hab ich sie viele Male sagen hören . Ja , sie hat ihren eigenen Willen , vielleicht etwas mehr , als recht ist , und wer sie tadeln will , kann ihr vorwerfen , eigenwillig zu sein . Aber sie will nur , was sie glaubt verantworten zu können und wohl auch wirklich verantworten kann , und solch Wille , mein ich , ist doch mehr Charakter als Selbstgerechtigkeit . Sie nicken , und ich sehe daraus , daß wir einerlei Meinung sind , was mich aufrichtig freut . Und nun