Spanne Zeit ändert . Nachdem sie eine Weile schweigend sich an den Händen gehalten , fragte die Dirne , den Burschen zärtlich anblickend : » Kannst hrüber ? « Sie meinte , über den Zaun . Er deutete lächelnd nein . » Dann komm ich ! « Sie schwang sich flink über das niedere Gatter , ohne auf ihre lüftige Gewandung zu achten ; sah es doch niemand als der eine , vor dem ihr ja fürder jede Scheu ausgeschlossen schien . Nun hing sie an seinem Halse und preßte die dürstenden Lippen auf die seinen , und er taumelte unter ihrer Last , wie trunken von ihren Liebkosungen . Da rief es vom Hause her : » Komm essen ! « Als aber die Kleebinderin in den Garten heraustrat , kreischte sie laut auf : » Muckerl ! « Die Dirne tat nur einen Schritt zur Seite hinter das dürftige Gebüsch . Sie kehrte der Alten den Rücken zu , und diese sah sie noch ein paarmal den Kopf neigen und mit den Händen ausdeuten , ehe der Bursche sich verabschiedete und langsam herankam . Als Muckerl vor der alten Frau stehenblieb , die ihn mit weit aufgerissenen Augen fragend anstarrte , wies er mit dem Daumen seiner Rechten hinter sich und sagte zutraulich : » Mußt wissen , Mutter , wir sind wieder gut . « » Wer ? « schrie sie entsetzt . » Na , ich und d ' Helen « , entgegnete er , mit Mund und Augen freudig lächelnd . Die Kleebinderin schlug die Hände zusammen und flocht die Finger ineinander , so schritt sie vor ihm her nach der Stube , wo sich beide zu Tische setzten . Da die Alte das Fragen unterließ , so blieb dem Jungen das Sagen erspart . Er beschäftigte sich angelegentlich mit dem Essen , während sie nachdenklich über ihrem leeren Teller saß , was ihm übrigens gar nicht auffiel . Wenn es wahr ist , daß seelische Erschütterungen auf die Befriedigung gemeiner leiblicher Bedürfnisse vergessen lassen , wonach sich die Verwaltung von Volksküchen viel ökonomischer gestalten ließe , falls psychische Konflikte billiger zu beschaffen wären wie Rindfleisch , wenn es ferner wahr ist , daß Appetitlosigkeit der Prüfstein wahrer Liebe ist , dann , ja dann hatte bei all dem Bedeutsamen , was die letztverflossenen Viertelstunden den Kleebinder Muckerl erleben ließen , dessen Gemüt und Herz gar nichts zu tun ; sicherlich veranlaßte ihn keines von diesen beiden , nachdem er Messer und Gabel aus der Hand gelegt , den Gurt zu lockern . Gar anders als die Mutter des Burschen nahm die der Dirne die Sache auf . » Hast du aber ein Glück « , rief lachend die alte Zinshofer . Helene runzelte die Stirne . » Was Glück ? Mer zertragt sich und findt sich wieder zusamm , das kommt häufig gnug vor . « Die Alte verzog höhnisch den Mund . » Freilich , häufig gnug , aber so wie in deinm Fall doch nur selten . Weiß er denn alles ? « » Gwiß . Ich betrüg kein ' n ! « » Na , und jetzt kimmst nit mit leeren Händen . « » Mutter « , schrie die Dirn zornig , » wann du mir von dem Geld redst , das ich dem Alten vor d ' Füß gworfen hab und das du dir ohne meinm Wissen und Willen zug ' eignet hast , so laß dir sagen , daß ich auch noch heut davon nix weiß und nix will ! Überhaupt , hüt du dein Zung ! Wann d ' nur mit einm einzign unbedachtsamen Wort ' n Hausfrieden zwischen mir und mein Mann störst , so hat ' s gute Auskommen zwischen uns zwei ein End , und du sollst mich kennenlernen ! « » Na , na « , murmelte die Alte , » ich mein , ich kenn dich eh , Giftnickl du ! Schau einmal ! « Damit schlich sie sich beiseite . Als abends die Matzner Sepherl kam , saß die Kleebinderin im Vorgärtel , sie erhob sich und hielt die Dirne , die mit freundlichem Gruße an ihr vorüber wollte , am Arme zurück . » Bleib ein wenig « , sagte sie , » ich wart da schon d ' längste Zeit auf dich ; ich muß dir doch sagen , was Neues da bei uns vorgeht , willst dann noch hnein , armer Hascher , so kannst ' s ja . « » Je , du mein ! Ja , was gibt ' s denn ? « » Sie sind wieder auf gleich . « Die Dirne machte ihre wundernden Augen noch größer . » Sie sein wieder auf gleich ? Ja , wer denn , Kleebinderin ? « Die alte Frau deutete nach der eigenen Hütte und dann nach der Zinshoferschen . » Hm ! Der da drin und dö dort drübn ! « » Ei , so lach ! Das is doch sein Ernst nit . Wie s ' gegn ihn war ... « » Daran denkt er nit , und sie laßt ' n sich nit drauf bsinnen . Nun , er mag tun , wie er für recht halt . Er is groß gnug , um sein Willen z ' haben , und alt gnug zun Überlegen ; aber das weiß ich , wenn er die heirat , ich bleib nit im Haus ! « Das Mädchen starrte der Alten in die feuchten Augen , plötzlich senkte es den Kopf , sagte tief aufseufzend : » Nun , so bhüt dich Gott , Kleebinderin « , kehrte sich ab und ging ungleichen Schrittes den Weg zurück , auf dem es hergekommen war , eine Strecke säumig schlendernd , die andere schußlich dahineilend . Die Leute , an welchen die Dirne , so verworren und verloren , vorüberstrich , lachten und meinten : » D ' Matzner Sepherl tut schier was suchen , hat wohl ' n