legte ich mich zu Bette bei offenem Fenster ; das Wasser rauschte dicht unter demselben , jenseits klapperte eine Mühle , ein majestätisches Gewitter zog durch das Tal , der Regen klang wie Musik und der Wind in den Forsten der nahen Berge wie Gesang ; und die kühle erfrischende Luft atmend , schlief ich sozusagen an der Brust der gewaltigen Natur ein . Achtzehntes Kapitel Die Sippschaft Am frühen Morgen , als Sonnenglanz durch das Laubwerk ins Zimmer drang , wurde ich auf eigentümliche Weise geweckt . Ein junger Edelmarder mit zartem Pelze saß auf meiner Brust und beschnüffelte mit den feinen hastigen Atemstößen seiner spitzen kühlen Schnauze meine Nase und huschte , als ich die Augen aufschlug , unter die Bettdecke , blinzelte da und dort hervor und versteckte sich wieder . Als ich aus dieser Erscheinung nicht klug wurde , brachen meine jungen Vettern aus ihrer Schlafkammer , in welcher sie gelauscht hatten , lachend hervor , veranlaßten das behende Tier zu den anmutigsten und possierlichsten Sprüngen und erfüllten das Zimmer mit Fröhlichkeit . Dadurch herangelockt , drang eine Meute schöner Hunde her ein , ein zahmes Reh erschien neugierig unter der Tür , eine prachtvolle graue Katze folgte und schmiegte sich durch das Getümmel , die spielenden und zutäppischen Hunde würdevoll ab weisend ; Tauben saßen auf dem Fenster , Menschen und Tiere , die ersteren kaum halb angezogen , jagten sich durcheinander . Alle aber hielt der kluge Marder zum besten und schien viel eher mit uns zu spielen als wir mit ihm . Nun erschien auch der Oheim mit dem rauchenden Waldhörnchen , uns eher noch zu Unfug anspornend als abwehrend ; seine frisch blühenden Töchter folgten ihm , um nach der Ursache des Geräusches zu sehen und uns zu Frühstück und Ordnung zu rufen , mußten sich aber bald ihrer Haut wehren , da ein Krieg allgemeiner Neckerei sich gegen sie entspann , an dem sogar die Hunde teilnahmen , welche sich die Parole der erlaubten Ausgelassenheit am frühen Morgen nicht zweimal geben ließen , sondern sich tapfer an die starken Kleidersäume der scheltenden Mädchen hingen . Ich saß an dem offenen Fenster und atmete die balsamische Morgenluft ; die glitzernden Wellen des raschen Flüßchens flimmerten wider an der weißen Zimmerdecke , und ihr Reflex überstrahlte das Angesicht jenes seltsamen Kindes Meret , dessen altertümliches Bild an der Wand hing . Es schien unter dem Wechseln des spielenden Silberscheines zu leben und vermehrte den Eindruck , den alles auf mich machte . Dicht unter dem Fenster wurde Vieh getränkt , Kühe , Ochsen , junge Rinder , Pferde und Ziegen gingen in der Mitte des klaren Wassers , tranken in bedächtigen Zügen und sprangen mutwillig davon ; das ganze Tal war lebendig und glänzte vor Frische , und sein Rauschen vermischte sich mit dem Gelächter in meinem Zimmer ; ich fühlte mich glücklicher als ein junger Fürst , bei welchem glänzendes Lever gehalten wird . Endlich erschien die Muhme und befahl uns ohne Widerstand zum Frühstück . Ich sah mich wieder an den langen Tisch versetzt , um welchen die zahlreiche Familie mit ihren Schützlingen und Tagewerkern versammelt war . Letztere kamen schon von mehrstündiger Arbeit und erholten sich von der ersten leichten Müde , von der erstarkten Sonne als Morgengruß gesendet . Alles aß kräftige Hafersuppe , in welche reichlich Milch gegossen wurde ; nur am obern Ende , zwischen Vater , Mutter und der ältesten Tochter , herrschte die Kaffeetasse , und ich , als Gast diesem vornehmen Anhängsel beigefügt , sah mit Neid in die frische Suppenregion hinüber , wo fröhliche Späße getauscht wurden . Doch bald brach die Gesellschaft wieder auf , um zur Arbeit auf dem fernen heißen Felde oder in Scheunen und Stall sich zu zerstreuen . Die Auszüge des Tisches wurden ineinandergeschoben , daß er , eine schwere Masse glänzenden Nußbaumholzes , still in der geleerten Stube stand , bis die Hausfrau einen mächtigen Korb Hülsenfrüchte darauf schüttete , um sie für das Mittagsmahl vorzubereiten , und dem Oheim kaum für seine Hefte Raum ließ , in welchen er den diesjährigen Ertrag seiner Felder aufschrieb , mit den früheren Jahrgängen , und überdies noch das Verhalten der einzelnen Äcker untereinander verglich . Der jüngste Sohn , etwa in meinem Alter , mußte ihm , hinter seinem Stuhle stehend , Bericht erstatten , und als er seiner Pflicht genügt hatte , forderte er mich auf , mit ihm hinauszustreifen und etwa mitzuarbeiten , wo es uns am besten gefiele , vorzüglich aber uns bei dem Zwischenimbiß einzufinden , der auf dem Felde gehalten würde und wo es an Scherz nicht fehle . Indessen erschien aber ein Sendbote der Großmutter , die von meiner Ankunft gehört hatte und mich einlud , sogleich zu ihr zu kommen . Mein Vetter bot sich mir zur Begleitung an ; ich putzte mich , nicht ohne Ziererei , halb einfach ländlich , halb komödiantisch heraus , und wir gingen auf den Weg , welcher zuerst über den Kirchhof führte , der auf einer kleinen Höhe gelegen ist . Dort duftete es gewaltig von tausend Blumen , eine flimmernde , summende Welt von Licht , Käfern und Schmetterlingen , Bienen und namenlosen Glanztierchen webte über den Gräbern hin und her . Es war ein feines Konzert bei beleuchtetem Hause , wogte auf und nieder , erlöschte bis auf das gehaltene Singen eines einzelnen Insektes , belebte sich , wieder und schwellte mutwillig und volltönig an ; dann zog es sich in die Dunkelheiten zurück , welche die Jasmin-und Holunderbüsche über den Grabzeichen bildeten , bis eine brummende Hummel den Reigen wieder ans Licht führte ; die Blumenkelche nickten im Rhythmus vom fortwährenden Absitzen und Auffliegen der Musikanten . Und unter diesem zarten Gewebe lag das Schweigen der Gräber und der Jahrhunderte seit den Tagen , wo dieser Zweig alemannischen Volkes sich hier festgesetzt und die erste Grube gegraben . Ihr Wort , Spuren ihrer Sitte und ihrer Gesetze leben noch im grünen Gau