freundschaftlichen Beziehungen zu mehreren einflußreichen Familien befähigten . Als ihm diese auszeichnende Mission angetragen wurde , stellte er , besserer Repräsentation halber , an die Gräfin das Ansinnen , ihn zu begleiten . Sie lehnte jedoch ab , zum Teil aus wirklicher Anhänglichkeit an den Prinzen , mehr noch aus einer ihr angeborenen Abneigung gegen England . Sie blieb also , blieb und huldigte , ohne ihres Bleibens und ihrer Huldigungen noch recht froh zu werden . Die glücklichen Tage lagen eben zurück . Alles war verändert , nicht nur der Hof , auch der Prinz . Seine Mißstimmungen wuchsen . Die staatlichen Interessen , so viele Jahre zurückgedrängt , traten wieder in den Vordergrund und beunruhigten ihn . Namentlich von dem Augenblick an , wo sich in Paris erkennbar die Gewitter zusammenzogen . Vor seinem großen , nun heimgegangenen Bruder , sowenig er ihn geliebt , soviel er ihn bekrittelt hatte , hatte er doch schließlich allem Besserwissen zum Trotz einen tiefgehenden , ganz ungeheuchelten Respekt empfunden ; nichts davon flößten ihm die neuen Verhältnisse ein , noch weniger die Personen . Die Weiberherrschaft , weil alles Feinen und Geistigen entkleidet , war ihm ein Greuel , und unserer Gräfin huldvoll die Hand küssend , sagte er , als der Name der Madame Rietz in seiner Gegenwart genannt wurde : » Je la déteste de tout mon coeur ; mes attentions , comme vous savez bien , appartiennent aux dames , mais jamais aux femmes . « Dies waren Äußerungen besonderen Vertrauens : nichtsdestoweniger überkam die Gräfin das Gefühl , daß ihre Rheinsberger Tage gezählt seien . Sie sehnte sich nicht fort , aber sie bereitete sich in ihrem Herzen darauf vor . Und der Augenblick kam eher , als sie erwartet . Anno 1789 war der Graf auf kurzen Urlaub zurück . Er erkrankte , von einem Schlaganfall getroffen , im Vorzimmer des Königs ; am anderen Tage war er tot . Die Nachricht davon erschütterte die Witwe mehr , als diejenigen , die ihre Ehe kannten , erwartet hatten ; sie wurde sich jetzt bewußt , in Hochmut und Caprice nicht seine Liebe , aber den Wert seiner edelmännischen Gesinnung unterschätzt zu haben . Sein Testament , das aufs neue ein vollkommener Ausdruck dieser Gesinnung war , konnte die Vorstellung ihres Unrechts , so frei sie ihrer ganzen Natur nach von sentimentaler Reue blieb , nur steigern . Schloß Guse , das , aus freier Hand erstanden , nicht zu den Familiengütern zählte , war der Gräfin samt einem bedeutenden Barvermögen zugeschrieben worden . Sie beschloß , ihr Erbe anzutreten und die Verwaltung des Gutes selbst in die Hand zu nehmen . Nur noch den Winter über wollte sie am Rheinsberger Hofe verweilen ; bei Ablauf desselben schied sie nicht ohne Bewegung von dem Prinzen , der ihr neben andern Souvenirs ein eigens gedichtetes Akrostichon überreicht hatte . Am Osterheiligabend 1790 traf sie in Schloß Guse ein . Das Schloß konnte zunächst nur den allerunwohnlichsten Eindruck machen . Die Administrationsjahre hatten es , einige wenige Räume abgerechnet , in eine Art Korn- und Futtermagazin umgewandelt ; Raps und Weizen lagen aufgeschüttet in den Zimmern , während Heu- und Strohmassen die Korridore füllten . Am störendsten wirkte der ganze linke Flügel , aus dessen zerbröckelten Dielen überall die Pilze hervorwuchsen . Alte Bilder aus der Derfflingerzeit , stockfleckig und eingerissen , die meisten ohne Rahmen , hingen schief und vereinzelt an den Wänden und mehrten nur den Eindruck des Verfalls . Die Gräfin indessen ließ sich durch den Anblick dieser Unbilden und Schädigungen , die das Schloß erfahren hatte , nicht beirren ; im Gegenteil , die Aussicht auf Tätigkeit , die sich für sie eröffnete , hatte für ihre energische Natur einen Reiz . Sie bezog zwei kleine Zimmer im ersten Stock , die von der allgemeinen Zerstörung am wenigsten gelitten , zugleich auch eine gute Luft und einen freien Blick auf den schönen Park hatten . Von hier aus mit allen Handwerkern der nächsten Ortschaften , bald auch mit ihr bekannten hauptstädtischen Künstlern in Verbindung tretend , leitete sie den inneren Um- und Ausbau , der , soweit überhaupt beabsichtigt , in verhältnismäßig kurzer Zeit beendigt war . Am 31. Dezember 1790 zog sie , abergläubisch und tagewählerisch , wie sie war , in die neuen Räume ein , den Silvestertag jedes Jahres , aus allerhand heidnisch-philosophischen Gründen , in denen sich Tiefsinn und Unsinn paarte , zu den ausgesprochenen Glückstagen zählend . Die neuen Räume lagen sämtlich auf der rechten Seite und bestanden aus einem Billard- , einem Spiegel- oder Blumen- und einem Empfangszimmer , woran sich dann , in den entsprechenden Seitenflügel übergehend , der Speisesaal und das Theater schlossen . Denn ohne Vorhang und Kulissen konnten sich Personen , die aus der Schule des Rheinsberger Prinzen kamen , eine behagliche Lebensmöglichkeit nicht wohl vorstellen . Die ganze linke Hälfte des Schlosses , von Lüftung der Räume und Beiseiteschaffung alles Ungehörigen abgesehen , hatte baulich keine Veränderungen erfahren , während die große , zwischen beiden Hälften gelegene Flurhalle zum Stapelplatz für alle Derfflingerreminiszenzen gemacht worden war . Hier befanden sich zwei Falkonetts , zwei ausgestopfte Dragoner mit Glasaugen und die besterhaltenen jener Porträts und Schlachtenbilder , die bis dahin in den Räumen des Schlosses zerstreut gewesen waren . In Front der beiden Dragoner , ziemlich die Mitte der Flurhalle einnehmend , stand ein der Antike nachgebildeter Faun , dessen spöttisches Lachen die beste Kritik alles dessen war , was ihn umstand . Am folgenden Tage , dem Neujahrstage 1791 , gab die Gräfin zur Einweihung der neubezogenen Räume ihre erste Soiree . Der benachbarte Adel war geladen , und Tante Amelie machte die Honneurs ganz auf dem vornehmen Fuße , den ihr ihre Mittel , ihr Geist und die höfische Gewohnheit gestatteten . Alles war entzückt . Wirtin wie Gäste versprachen sich ein anregendes , vielleicht selbst ein freundschaftliches Beieinanderleben ; Pläne wurden entworfen ; die Zukunft erschien als eine lange Reihe von musikalisch-deklamatorischen