gejagt . Die Welt bringt seinen Tod mit einer Prinzessin des herzoglichen Hauses in Verbindung - « » Heißt diese Prinzessin Sidonie ? « fuhr es mir heraus . » Ei , der kleine Wildling aus der Heide hat auch genealogische Kenntnisse ? ... Hieß , müssen Sie übrigens sagen , denn Prinzessin Sidonie ist auch längst gestorben - einige Tage vor dem Tode des schönen Offiziers ... Das ist eine längst verschollene Welt , über die niemand etwas Bestimmtes weiß , ich aber am allerwenigsten . Ich weiß eben nur , daß die Siegel da kleben und nach der letzten Verfügung des ehemaligen Bewohners dran bleiben sollen , bis - na , bis an das Ende aller Tage - will ' s Gott ! ... Hineingucken möchte ich schon einmal - so ganz verstohlen . Aber da ist ja alles verrammelt und verbarrikadiert für die Ewigkeit , und Onkel Erich wacht wie ein Argus über den Siegeln . « Himmel , wenn der unerbittliche Mann mit dem durchdringenden Blick je erfahren sollte , daß die Fremde bereits hinter den Siegeln umhergehuscht war ! Ein Zittern durchlief meine Glieder , und ich preßte die Lippen fest aufeinander - daß mir um Gottes willen nur nie das unselige Geheimnis entschlüpfte ! ... Kaum in die Welt eingetreten , hatte ich schon etwas vor ihr zu verbergen , ich , deren Gedanken und Plaudereien bis dahin so zwanglos , so frank und frei herausgeflattert waren , wie meine wilden Locken im Heidewinde . Unterdes war auch Ilse , hinter uns her , die Treppe heraufgekommen und schalt mich , daß ich » ihr durchgebrannt sei , derweil sie sich das Unheil im Gewächshause angesehen « . » Das ist ja eine schöne Geschichte , die das greuliche Tier angerichtet hat ! « sagte sie ganz entrüstet . » Zwei von den großen teuren Glasscheiben sind total zerschlagen , und einen großen Baum hat es mit dem einen Tritt auch umgeworfen - die schönen roten Blumen liegen wie hingeschneit an der Erde herum ... Und da ist der Mann mäuschenstill und sagt kein Wort - das hätte mir passieren sollen ! « » Onkel Erich hat Kamelien genug , « sagte Charlotte leichthin und spöttisch , » die paar abgeknickten Blüten zählen nicht ! ... Uebrigens glauben Sie ja nicht , daß auch nur eine einzige unbezahlt bleibt ; die werden auf Draht gesteckt und kommen in die Bouquets , die auf heute abend zu einem Bürgerball massenhaft bestellt sind . Bei uns kommt nichts um - darauf können Sie sich verlassen . « Sie öffnete die Thür des Bibliothekzimmers , ich aber drängte mich neben ihr hinein und lief nach der Fensterecke , wo mein Vater arbeitete . Nein , sie durfte es nicht sehen , wie er so lächerlich auffuhr von seiner Schreiberei und so hilf- und verständnislos in die Welt hineinsah ! Sie durfte nicht lachen , ich litt es nicht ! » Vater , wir sind wieder da , « sagte ich und legte meinen Arm um seinen Hals ; so konnte er nicht emporfahren , und er that es auch gar nicht , er schlug nur die Augen auf und sah lächelnd in mein vorgeneigtes Gesicht . Ich war überglücklich - er kannte bereits meine Stimme , und ich hatte Macht über ihn . » So , kleiner Schalk , so überrumpelst du mich ? « scherzte er und klopfte meine Wange . » Wenn du aber ganz so werden willst wie deine liebe Mama , dann darfst du nur ganz , ganz leise die Hand auf meine Stirne legen , oder nur eine Blume auf mein Manuskript fallen lassen und mußt husch wieder draußen sein , ehe ich mich nur besinnen kann , wer es gewesen . « Mir gab es jedesmal einen schmerzenden Stich durchs Herz , wenn er meine Mutter , die er über alles geliebt haben mußte , in der Weise erwähnte - für ihn hatte sie tausend zartsinnige Aufmerksamkeiten gehabt , aber ihr einsames Kind hatte nicht für sie existiert . Jetzt sah mein Vater auch Charlotte . Er sprang auf und verbeugte sich . » Ich habe Ihnen Ihr Töchterchen mitgebracht , « sagte sie . » Herr Doktor , Sie müssen schon erlauben , daß auch die Unwissenschaftlichen im Vorderhause ein wenig herummeißeln und bilden dürfen an der kleinen wilden Hummel aus der Heide . « Er dankte ihr herzlich für ihr Anerbieten und gab ihr unumschränkte Vollmacht . Dabei rieb er sich plötzlich besinnend die Stirne . » Da fällt mir eben ein - ach ja , ich bin manchmal ein wenig vergeßlich - ich habe ja gestern auch auf einige Augenblicke die Prinzessin Margarete gesprochen ; ich erwähnte beiläufig deine Ankunft , mein Kind , und sie sprach lebhaft den Wunsch aus , dich nächste Woche zu sehen . Sie hat deine Mama gekannt , als sie noch Hofdame am Hofe zu L. war . « - » Sie Glückliche ! « rief Charlotte . » Einen altadeligen Namen , einen hochberühmten Vater und eine Mutter , die Hofdame gewesen ist - wahrhaftig , die Götter haben ihr Füllhorn über Sie ausgeschüttet ! Und das erscheint Ihnen wohl gar nicht einmal wünschenswert ? « » Nein - ich fürchte mich vor der Prinzessin , « versetzte ich scheu und ängstlich und drückte mich neben Ilse . » Fürchte dich nicht , Lorchen ; du wirst sie sofort liebgewinnen , « tröstete mich mein Vater ; Charlotte aber zog die prächtigen , schöngeschwungenen Brauen zusammen . » Heideblümchen , seien Sie nicht kindisch ! « schalt sie . » Die Prinzessin ist sehr liebenswürdig . Sie ist die Schwester der Prinzessin Sidonie , von der wir eben noch gesprochen haben , und die Tante des jungen Herzogs . Sie macht die Honneurs an seinem Hofe , denn er ist noch nicht verheiratet , und soll ganz besonders lieb und gut gegen die kleinen , schüchternen , und - nehmen Sie