hören über die Versunkenheit des heutigen Studentenlebens , über die geringe Zahl der Paukereien , die unwürdig kleine Quantität Biers , so während eines Abends vertilgt würde , und so weiter und so weiter . Dabei glänzten seine Augen bei der bloßen Erinnerung an die versunkene Herrlichkeit , und er sprach sich in solche Rührung hinein , daß er schließlich den sentimentalen Wunsch äußerte , alle die rheinischen Demokraten , wie er sie nennt , die auf dem letzten Provinzial-Landtage wiederum die alten gotteslästerlichen Petitionen um Preßfreiheit , Freizügigkeit u.s.w. eingebracht hätten , möchten nur einen Hals haben , damit - er machte eine bezeichnende Handbewegung - des Geschreies endlich einmal ein Ende würde . Natürlich , sagte Oswald , wenn die Herren jung sind , singen sie : » Freiheit , die ich meine « , das klingt sehr poetisch , wenn man es hört , und sie selbst singen sich dabei in eine gelinde Rührung hinein , in welcher sie halb und halb glauben , sie hätten in der That eine Meinung . Das ist aber eine reine Einbildung , oder im Falle ja einmal einer wirklich etwas meint , so ist es die Freiheit , den Philister verhöhnen , Fenster einwerfen , die öffentlichen Locale unsicher machen , und andere Heldenthaten ungestraft verrichten zu können , und dann die spätere Freiheit , als ganz gehorsamster Endesunterzeichneter in tiefunterthänigster Demuth zu ersterben , wenn man es nur bis zum Subalternbeamten , und die Subalternbeamten und die ganze übrige Menschheit en canaille behandeln zu können , wenn man es bis zum Verwaltungschef gebracht hat . Aber wir sind von unserem Thema abgekommen . Die böse Alternative , entweder gegen Ihre persönliche Ehre , oder gegen die Standesehre verstoßen zu müssen , wurde Ihnen hoffentlich erspart ? Ja , Dank der Vorsicht , die ich anwandte , vor den gestiefelten Katern meine Mauseexistenz möglichst geheim zu halten . Als das Triennium vorbei war , und ich mein erstes theologisches Examen bestanden hatte , war es mit meiner Besorgniß ohnedies vorbei , denn einem ehrsamen Candidaten des Predigeramtes verdenkt es schon Niemand , wenn er nichts von Terzen und Quarten wissen will . Ich hätte jetzt am liebsten sogleich auf dem Lande eine Stelle als Hauslehrer angenommen , aber mein Bruder war erst nach Prima gekommen , und ich wollte ihn die zwei Jahre , die er noch auf dem Gymnasium bleiben mußte , nicht allein lassen , da ich ihn in der Kunst , mit Schwefelhölzern zu schreiben und in den übrigen Geheimnissen des Lebens eines Dorfpfarrersohnes in der Stadt nicht so perfect sah , wie es im Interesse der Familie wünschenswerth schien . Denn dieser zweite Bruder sollte an seinem jüngeren Bruder die Stelle vertreten , die ich an ihm vertreten hatte , und dieser jüngere Bruder mußte um dieselbe Zeit auf die Tertia des Gymnasiums kommen , wenn jener die Universität bezog ; ebenso wie ich anfing zu studiren , als er nach Tertia kam . Aber wie ist denn das möglich , sagte Oswald erstaunt . Ja , sehen Sie , Werthgeschätzer , antwortete Herr Bemperlein , wie es möglich ist , kann ich Ihnen nicht sagen , daß es aber der Fall ist , kann ich beschwören . Ich bin der Aelteste meiner Geschwister , und am zweiundzwanzigsten März geboren ; dann kommt eine Schwester , genau zwei Jahre jünger , denn sie ist am einundzwanzigsten März geboren , darauf ein Bruder , darauf wieder eine Schwester , darauf wieder ein Bruder , und wieder eine Schwester . Wie viel sind das ? Ein halbes Dutzend , sollte ich meinen , sagte Oswald lächelnd . Ganz richtig , ein halbes Dutzend , alle zwei Jahre auseinander und alle im März geboren , mit Ausnahme meiner jüngsten Schwester , die am ersten April zur Welt kam . Sie ist aber auch eine kometenhafte Erscheinung in unserem Planetensystem und so zu sagen : das Wunderkind der Familie . Denken Sie sich , sie ist erst achtzehn Jahre und schon verlobt . Ich sehe bei der ohne Zweifel großen Liebenswürdigkeit Ihres Fräulein Schwester nichts Außerordentliches darin , bemerkte Oswald . Nichts Außerordentliches ? rief Herr Bemperlein ; nichts Außerordentliches ? Ein solches Kind ? Heirathen ! mit achtzehn Jahren ! Ich weiß wirklich nicht einmal , ob das überhaupt psychologisch und physiologisch zulässig ist ; - Sie lachen ? Mag sein : ich habe mich auf die Weiber nie verstanden , und wüßte auch nicht , wie ich zu dieser Kenntniß gelangt sein sollte ; der Herr müßte sie mir denn , von wegen meiner absonderlichen Einfalt , im Traum geschenkt haben . Also ich blieb noch fast zwei Jahre in Grünwald , gab Privatstunden , hielt Repetitorien mit jungen Studenten , die vor dem Examen standen , und mit Commersbuche besser Bescheid wußten , als in den Kirchenvätern , und verdiente so viel , daß ich nicht nur selbst sehr gut leben konnte - den Fasttag hatte ich aus reiner Gewohnheit beibehalten - sondern auch meinen Bruder pflichtschuldig unterstützte . Dieser Bruder machte mir damals einigermaßen Sorge - die sich hernach als unnöthig erwiesen hat , denn er ist jetzt in seinem vierundzwanzigsten Jahre schon wohlbestallter Hülfsprediger , aber er lernte etwas schwer , hatte schwache Augen und war gegen Hunger und Kälte auf eine mir unbegreifliche Weise empfindlich . Ich sah deshalb ein , daß es eine Barbarei sein würde , ihm die Sorge für meinen jüngsten Bruder , der jetzt auf die Schule kam , zuzumuthen , zumal dieser ein sehr schwächlicher Knabe war - er ist jetzt ein kräftiger Bursche von zwanzig Jahren , ein braver , fleißiger Junge , der nächstens sein erstes theologisches Examen machen wird - ja , was wollte ich sagen : richtig , er war damals ein schwächlicher , kränklicher Knabe und bedurfte größerer Pflege . Für Beide aber das nöthige herbeizuschaffen - Und für Sie selber , schaltete Oswald ein . Nun , das war das wenigste , aber