Jahr 1484 , da ich noch ein Kind war . Lautet es nicht so ? « » Ja , « versetzte Albrecht erröthend : » Willibald hätte es Euch nicht zeigen sollen , jetzt geriethe es schon besser . Ich habe das Bildniß meines Vaters zu malen angefangen , und ich hoffe , das soll ähnlich werden . « » Wie lange werdet Ihr noch hier bleiben ? « » Bis Ostern , dann ist meine Lehrzeit beendet , dann will ich mich in Deutschland umsehen . Ich wollte erst gern nach Colmar zu Martin Schongauer , aber der Meister starb zu früh für die Kunst und für mich ! « » Möchtet Ihr nicht nach Italien ? Ich könnte Euch Empfehlungen nach Venedig mitgeben . « » O wie gütig seid Ihr , edle Frau ! Ich werde Euch später daran erinnern - vielleicht wenn ich einer Empfehlung würdig bin . Erst will ich im deutschen Reiche mich umsehen , fest werden in deutscher Art und Kunst , ehe ich das wälsche Wesen auf mich wirken lasse . Der deutschen Kunst und dem deutschen Vaterlande will ich dienen : ich habe keinen höhern Wunsch , und wenn ich es je dahin bringe ein Meister zu werden , so soll man mich als deutschen Meister kennen . « So und ähnlich weiter sprechend war Elisabeth bis an ihr Haus gelangt und mit Albrecht in ihr Wohnzimmer getreten . Sie schellte nach Wein und Confekt für ihn , und bat ihn zuzulangen , bis sie aus einem andern Gemach ihre Goldchatulle geholt , absichtlich blieb sie lange , damit Albrecht ohne Verlegenheit dem seltenen Genuß sich widmen könne . Dieser aber nippte nur bescheiden von dem edlen portugiesischen Rebensaft und ohne zu essen schob er ein paar kleine Stücke Backwerk in seine Tasche , um die kleinen Geschwister damit zu erfreuen . Als Elisabeth wieder zurückkehrte , überreichte sie ihm das Geld in einer kleinen Ledertasche zum Umhängen und sagte : » Der Inhalt ist meine Schuld für Euren Vater . Die Tasche wird Euch auf der Wanderschaft vielleicht nützlich sein . « Albrecht stand unschlüssig und verlegen , was er thun und antworten sollte ; Elisabeth kam ihm zuvor , indem sie sagte : » Ich habe mich nicht geweigert , das Geschenk des Königs anzunehmen als ein Andenken ; Ihr werdet dies werthlose Andenken von einer Frauenhand nicht zurückweisen , und Euch dabei derer erinnern , die in den Besitz Eurer Rose gekommen . - Aber nun noch ein Wort . Ich habe von allen Seiten nur Euer Lob gehört , von Eurem Meister , Euren Hausgenossen , Eurem Freund , auch von meiner Freundin Ursula Muffel , die Eurer Verschwiegenheit dankbar eingedenk ist ; ich glaube , Ihr hab ' t mir schon denselben Dienst geleistet , ohne daß ich Euch darum bat , wenigstens hat Euer Freund Pirkheimer mich dessen versichert - ich meine den Vorfall auf der Hallerwiese . « » Ueber meine Lippen ist kein Wort davon gekommen ! « betheuerte Albrecht . » Es ist jeder Frau unangenehm , wenn von dergleichen gesprochen wird , « warf Elisabeth hin . » Ihr scheint jene beiden Baubrüder zu kennen ? « » Nur den Einen von ihnen , mir scheint er ein außerordentlicher Mensch ! « » Sein Name ? « » Ich kenn ' ihn nur als Ulrich von Straßburg . « » Und warum erscheint er Euch als außerordentlich ? « Albrecht zuckte die Achseln . » Er ist so begeistert für die Kunst , er ist so aufgeklärt und voll großer Anschauungen , dabei so freundlich und mild , zum Beispiel gegen Lernbegierige wie ich , trotzdem daß ich , wie uns die Baubrüder nennen , ein Profaner bin und er mir gewiß nicht mehr von seinem Wissen mittheilen wird , als seine Gesetze erlauben . « » Hab ' t Ihr ihn seit jenem Tage wiedergesehen ? « » Ja , aber wir haben wenig zusammen gesprochen ; sein Gönner , Herr Anton Kreß , der Propst von St. Lorenz war bei ihm . « Elisabeth hatte ihr Examen beendet . Albrecht hatte erwartet , da sie einmal nach seiner Bekanntschaft mit den Baubrüdern fragte , sie werde ihm ihren Dank für Ulrich auftragen , denn eigentlich war es doch nur dieser , der sie aus den Händen des Ritters befreit . Allein Elisabeth brach das Gespräch ab . Sie drang nur noch in Albrecht , alles noch dastehende Confekt seinen kleinen Geschwistern mitzunehmen , und damit war er entlassen . Elisabeth warf sich wie erschöpft auf einen Polsterstuhl und lehnte das stolze Haupt müde zurück . Wie war ihr denn ? So lange der König hier war , hatte sie in einem glücklichen Rausch gelebt . Er erschien ihr als das Ideal eines Mannes , eines Helden auf dem Thron . Und sie war es vor allen Frauen , der dieser auserlesenste aller Ritter auch die auserlesensten Huldigungen weihte . Sie hatte sie annehmen dürfen ohne Furcht , sie durfte daran zurückdenken ohne Scham und Reue , denn es knüpfte sich nichts Unwürdiges oder Erniedrigendes daran . Vor aller Augen hatte er sie ausgezeichnet vor allen Nürnbergerinnen , und vielleicht noch stolzer und glücklicher als sie selbst war ihr Gemahl über die ihr zu Theil gewordene Gunst . Das Versprechen des Königs , das nächste Mal in seinem Hause seine Wohnung aufzuschlagen , machte ihn zum glücklichsten Sterblichen ; er knüpfte daran sogleich die Hoffnung , daß er dann wohl an das Ziel seiner Wünsche gelangen und den Adelstand , nach dem er lange trachtete , erlangen werde , ja wenn er in etwas mit seiner Gemahlin nicht ganz zufrieden war , so war es eben nur , daß sie nicht schon jetzt die Adelswürde vom Könige erbeten , da ihr dieser gewiß keine Bitte abgeschlagen hätte . Wohl gab es Leute genug , welche durch boshafte Bemerkungen und heimliche Zuträgereien oder verstohlene Winke Scheurl auf den König hatten eifersüchtig