, nur zu , ich höre gern drauf . « Nun begann die Mutter , indem sie die Hand des Sohnes faßte : » Bleib ' stehen , ich kann im Gehen nicht gut reden . - Schau , daß sie dir gefällt , das ist natürlich das Erste : ohne Lieb ' ist keine Freud ' , und ich bin nun eine alte Frau , gelt ich darf Alles sagen ? « » Ja , ja ! « » Wenn du dich nicht drauf freust und es nicht wie ein Gnadengeschenk vom Himmel ansiehst , daß du ihr einen Kuß geben darfst , da ist ' s die rechte Liebe nicht , aber ... bleib ' doch stehen ... und auch diese Liebe reicht noch nicht aus , da kann sich noch etwas Anderes dahinter verstecken . Glaub ' mir ... « Die alte Frau hielt stotternd inne und wurde flammroth im Gesichte . » Schau , wo der rechte Respekt nicht ist , und wo man nicht Freud daran hat , daß eine Frau grad so eine Sache in die Hand nimmt und grad so wegstellt und nicht anders , da geht ' s schwer ; und vor Allem achte darauf , wie sie sich zu den Dienstboten stellt . « » Ich will Euch immer abnehmen und in klein Geld wechseln , was Ihr meinet , Mutter ; das Sprechen wird Euch schwer . Jetzt das verstehe ich schon . Sie darf nicht zu stolz und nicht zu vertraut sein . « » Das freilich , aber ich seh ' s Einer am Mund an , ob der Mund schon geflucht und geschimpft und gescholten hat , und ob er ' s gern thut . Ja , wenn du sie im Aerger weinen sehen , wenn du sie im Zorn ertappen könntest , da wäre sie am besten kennen zu lernen ; da springt der versteckte inwendige Mensch heraus und das ist oft einer mit Geierkrallen wie ein Teufel . O Kind ! Ich hab ' viel erfahren und in ' s Aug ' gefaßt . Ich seh ' daran , wie Eine das Licht auslöscht , wie ' s in ihr aussieht und was sie für ein Gemüth hat . Die so im Vorbeigehen mit einem Hui das Licht ausbläst , mag ' s fünkeln und blaken , das ist Eine , die sich auf ihr schnelles Schaffen was einbildet und sie thut doch Alles nur halb und hat keine Ruhe im Gemüth . « » Ja , Mutter , das machet Ihr mir zu schwer ; eine Lotterie ist und bleibt es immer . « » Ja , ja , du brauchst auch nicht Alles zu behalten , was ich mein ' , nur so obenhin ; wenn dir ' s nachher vorkommt , wirst schon finden , wie ich ' s gemeint habe . Und dann paß auf : ob sie gut beim Arbeiten redet , ob sie etwas in die Hand nimmt , wenn sie mit dir spricht , und nicht allemal still hält , wenn sie ein Wort sagt , und nicht eine Scheinarbeit thut . Ich sage dir , Arbeitsamkeit ist bei einer Frau Alles . Meiner Mutter Red ' ist immer gewesen : ein Mädchen darf nie mit leeren Händen gehen und muß über drei Zäune springen , um ein Federchen aufzulesen . Und dabei muß sie doch beim Schaffen ruhig und stetig sein , nicht so um sich rasen und aufbegehren , als wolle sie jetzt grad ' ein Stück von der Welt herunter reißen . Und wenn sie dir Red ' und Antwort giebt , merk ' auf , ob sie nicht zu blöd und nicht zu keck ist . Du glaubst gar nicht , die Mädchen sind ganz anders , wenn sie einen Mannshut sehen , als wenn sie unter sich sind ; und die wo immer gar so thun , als ob sie bei Jedem sagen wollten : friß mich nicht ! das sind die Schlimmsten ; aber die so ein gewetztes Mundstück haben und die meinen , wenn Jemand in der Stube sei , dürfte das Maul gar nicht still stehen , die sind noch ärger . « Der Bursche lachte und sagte : » Mutter , Ihr solltet einmal predigen gehen in der Welt herum und Kirche halten für die Mädchen allein . « » Ja , das könnte ich auch , « sagte die Mutter ebenfalls lachend , » aber ich bringe das Letzte zuerst vor . Natürlich , daß du zuerst drauf siehst , wie sie zu Eltern und Geschwistern steht ; du bist ja selber ein gutes Kind , da brauch ' ich dir nichts zu sagen . Das vierte Gebot kennst du . « » Ja , Mutter , da seid ruhig und da habe ich mein besonderes Merkzeichen : die viel Wesens von der Elternliebe machen , da ist ' s nichts ; das zeigt sich am besten wie man thut ; und wer viel davon schwätzt , ist müd und matt , wenn ' s an ' s Thun geht . « » Du bist ja gescheit , « sagte die Mutter in spöttischer Glückseligkeit , legte die Hand auf die Brust und schaute zu ihrem Sohn auf : » Soll ich dir noch mehr sagen ? « » Ja , ich hör ' Euch immer gern . « » Mir ist , wie wenn ich heut ' zum Erstenmal so recht mit dir reden könnte , und wenn ich sterbe , so habe ich nichts mehr hinter mir was ich vergessen habe . Das vierte Gebot ! ja , da fällt mir ein , was mein Vater einmal gesagt hat . O , der hat Alles verstanden und viel in Schriften gelesen und ich habe einmal zugehört wie er zum Pfarrer , der oft bei ihm war , gesagt hat : » Ich weiß den Grund , warum beim vierten Gebot allein eine Belohnung ausgesetzt ist ,