Sie sich deutlicher aus , theuerster Anton ! « » Sie wissen wohl , daß ich nicht Anton , sondern August heiße , « entgegnete betrübt der Lehrling . - » Haben Sie den Herrn Erichsen gesehen ? « » Sonderbare Frage ! « meinte Herr Beil , indem er den Bogen Papier weit von sich abhielt , um den Totaleindruck der Zeichnung besser zu genießen . » Ach ! ist das nicht ein angenehmer junger Mann ! « fuhr August fort , » so elegant gekleidet , feine helle Handschuhe , so ein schönes und freies Benehmen , und hat was gelernt . Wenn ich dagegen unsereins ansehe - « » Unsereins ! « entgegnete der Commis scheinbar entrüstet , indem er die eine Spitze seines gewaltigen Schnurrbarts in die Höhe drehte . - » Unsereins ! Nun ich denke , meine Repräsentation ist auch nicht ganz Ohne , und wenn Sie fleißig Brochuren verpacken , pünktlich Ihre Pakete austragen , und wenn dann einstens Herr Blaffer stirbt und Sie zum Erben einsetzt , so können Sie auch gute Paletots tragen und seine Handschuhe . « » Ach , machen Sie doch nicht immer Ihre Spässe , mit denen es Ihnen doch nicht Ernst ist ! « » Das ist mein blutiger Ernst , Sie junger Wortklauber ; ich halte was auf mich , und wenn ich einmal zufälliger Weise in die rechte Carrière hinein gerathe , so sollen Sie ihr blaues Wunder sehen . - Der Buchhandel , « setzte er mit anderem Tone hinzu , » ist freilich auch nicht das , was mir in meinen süßen Träumen vorschwebt . « » Ach , Herr Beil , « fuhr der Lehrling fort , ohne seinen Blick vom Boden zu erheben , » hätte man mich nur was Rechtes lernen lassen , glauben Sie mir , ich habe den Kopf dazu . Wollte ich doch auch ein Zeichner und Maler werden , und als ich noch in die Schule ging , da sagten die Lehrer , ich hätte ein schönes Talent und es könnte auch einmal etwas Gutes aus mir werden . « » Immer die alte Jeremiade ! « antwortete Herr Beil , indem er das Papier sinken ließ und den Lehrling nicht ohne Interesse betrachtete . - » Sie sind aber ein junges Ungeheuer , « fuhr er nach einer Weile im früheren Tone fort ; » lehrt Sie der Herr Blaffer nicht täglich und stündlich etwas Gutes und Neues , Sie und Ihre Schwester Maria ? « » Ich kann eigentlich nicht verlangen , daß er mich hätte sollen viel lernen lassen , « entgegnete der Andere , » aber so ein paar Privatstunden hätte ich wohl noch haben sollen . « » Wie nahe ist Ihnen der Herr Blaffer verwandt ? « fragte nachdenkend der Commis , der die vorige Rede überhört zu haben schien . » Eine eigentliche Verwandtschaft existirt gar nicht zwischen uns , nur war er mit meinem Vater sehr befreundet . « » Und als Ihre Mutter starb , hatte unser ehrbedürftiger Principal , den Gott erhalten möge , diverse Forderungen an sie zu machen . Sie aber hatten keine lebende Seele , weßhalb Sie in ' s Blaffer ' sche Haus kamen ! « » Mit meiner Schwester Marie . « » Und Ihrem Vermögen , was schon lange darauf gegangen sein soll für Ihren Lebensunterhalt . - So sagt man nämlich , und damit ihr Beide auch als nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft heran gebildet würdet , avancirten Sie zum zehnjährigen Lehrling , und sie - Maria nämlich - versieht die Stelle unseres Dienstmädchens . « - Diese letzten Worte sprach Herr Beil mit einer merkwürdigen Weichheit , während er nachdenkend an die Ecke des Zimmers blickte . - Einige Augenblicke darauf aber kehrte er wie gewaltsam zu seinem früheren Humor zurück , indem er laut lachend nochmals auf die Zeichnung schaute , sie alsdann zusammen faltete und in die Tasche steckte . » Meiner Seel ' ! « sagte er , » es ist zwölf Uhr vorüber , jetzt will ich einmal Hausinspection halten und nach Küche und Köchin sehen . « Ehe Herr Beil hierauf das Comptoir verließ , zog er einen bessern Rock an , der hinter der Thüre hing , brachte Haar und Bart in Ordnung und ging in ' s Nebenzimmer , von wo man unterdessen Tellergeklapper vernahm . Hier befand sich die Schwester des Lehrlings , welche wir dem Leser mit einigen Worten vorzustellen uns veranlaßt sehen . Es ist das ein junges Mädchen von vielleicht achtzehn Jahren , von feiner Gestalt , kleinen Händen und Füßen , einem runden , frischen Gesicht , welches dunkelblondes Haar umgibt , kurz von einem Aeußeren , das eigentlich gar nicht zu der groben Kleidung paßt , die es bedeckt . Noch weniger harmonirt damit ihr eleganter , schlanker Oberkörper , der an der Taille zu umspannen ist , und der gegen oben zu einer wahrhaft bewunderungswürdigen Breite und Fülle aus einander geht . Wenn man die Schwester neben dem Bruder , dem Lehrling nämlich , sah , so hätte man ihrem Wesen nach glauben können , er sei das Mädchen und sie der Knabe . August war zärtlich , erschrocken , mit weichem , biegsamen Gemüth , sie dagegen keck , lustig , ja trotzig und widerstrebend . Herr Blaffer hatte mit dem Mädchen eine gar eigenthümliche Erziehungs- und Behandlungsweise eingeschlagen , welche übrigens nicht dazu beitrug , ihren Charakter weicher zu machen . Bald schien er in ihr die Tochter eines Freundes zu sehen , und redete ihr lieblich , ja schmeichelnd zu , ja auffallend schmeichelnd , wie Herr Beil behauptete ; bald aber behandelte er sie mit der größten Härte , ließ sie alle niedrigen Dienste verrichten und strafte sie unnachsichtlich für die kleinsten Vergehungen . Er behauptete , sie habe ein etwas leichtsinniges Temperament und ein sehr undankbares Gemüth , was sie namentlich darin bewies , daß sie die Freundlichkeit