, mich wenig um die Wahrheit seiner Prahlereien bekümmerte , fing er an , mich mit Zweifeln an der Wahrheit der meinigen zu quälen und auf Beweise zu dringen . Als ich einst flüchtig von einer mit Gold und Silber gefüllten Kiste erzählte , welche ich in unserm Kellergewölbe stehen hätte , drang er auf das heftigste darauf , dieselbe zu sehen . Ich gab ihm eine Stunde an , zu welcher dies möglich wäre , und er fand sich pünktlich ein und versetzte mich in eine Verlegenheit , an welche ich im mindesten bisher noch nie gedacht hatte . Aber schnell hieß ich ihn eine Weile warten vor dem Hause und eilte in die Stube zurück , wo in dem Sekretär meiner Mutter ein altertümliches hölzernes Kästchen stand , welches einen kleinen Schatz an alten und neuen Silbermünzen und einige Dukaten enthielt . Dieser Schatz umfaßte einesteils die Patengeschenke aus der Kinderzeit meiner Mutter , andersteils meine eigenen und war sämtlich mein erklärtes Eigentum . Die Hauptzierde aber war eine mächtige goldene Schaumünze von der Größe eines Talers und bedeutendem Werte , welche Frau Margret in einer guten Stunde mir geschenkt und der Mutter zum sichern Verwahrsam eingehändigt hatte zum treuen Angedenken , wenn ich einst erwachsen , sie hingegen nicht mehr sein werde . Ich durfte das Kästchen hervornehmen und den glänzenden Schatz beschauen , sooft ich wollte , auch hatte ich denselben schon in allen Gegenden des Hauses herumgetragen . Ich nahm ihn also jetzt und trug ihn in das Gewölbe hinunter und legte das Kästchen in eine Kiste , welche mit Stroh gefüllt war . Dann hieß ich den Zweifler mit geheimnisvoller Gebärde hereinkommen , lüftete den Deckel der Kiste ein wenig und zog das Kästchen hervor . Als ich es öffnete , blinkten ihm die blanken Silberstücke gar hell entgegen , als ich aber die Dukaten und zuletzt die große Münze hervornahm , daß sie im Zwielichte seltsam funkelte und der alte Schweizer mit dem Banner , der darauf geprägt war , sowie der Kranz von Wappenschilden zutage traten , da machte er große Augen und wollte mit allen fünf Fingern in das Kästchen fahren . Ich schlug es aber zu , legte es wieder in die Kiste und sagte : » Siehst du , solcher Dinge ist die Kiste voll ! « Damit schob ich ihn aus dem Keller und zog den Schüssel ab . Er war nun für einmal geschlagen , denn obgleich er von der Unwirklichkeit unserer Märchen überzeugt war , so gestattete ihm doch der bisher festgehaltene Ton unseres Verkehrs nicht , weiterzudringen , da es auch hier die rücksichtsvolle Höflichkeit des Lebens erforderte , den mit guter Manier vorgetragenen blauen Dunst bestehen zu lassen . Vielmehr gab meinem Freunde diese vorläufige Toleranz Gelegenheit , mich zu weiteren Lügen zu reizen und auf immer bedenklichere Proben zu stellen . Wir trafen bald darauf , als es gerade Meßzeit war , am Seeufer zusammen , vor den Krambuden flanierend , welche dort in langen Reihen aufgeschlagen waren , und begrüßten uns wie Macbeths Hexen mit : » Was hast du geschafft ? « Wir standen vor dem Magazine eines Italieners , welcher neben südlichen Eßwaren auch glänzende Bijouterien und Spielereien feilbot . Feigen , Mandeln und Datteln , Kisten voll reinlich weißer Makkaroni , besonders aber Berge ungeheurer Salamiwürste reizten den Sinn meines Gesellen zu kühnen Phantasien , indessen ich zierliche Frauenkämme , Ölfläschchen und Schalen voll schwarzer Räucherkerzchen betrachtete und ungefähr dachte , wo diese Dinge gebraucht würden , da wäre es gut sein . » Ich habe soeben « , begann mein Lügengefährte , » solch eine Salamiwurst gekauft , zur Probe , ob ich für mein nächstes Bankett eine Kiste voll anschaffen soll . Ich habe sie angebissen , fand sie aber abscheulich und schleuderte sie in den See hinaus ; die Wurst muß noch dort schwimmen , ich sah sie den Augenblick noch . « Wir blickten auf den schimmernden Wellenspiegel hinaus , wo zwischen den Marktschiffen wohl etwa ein Apfel oder ein Salatblatt umhertrieb , aber keine Salami zu sehen war . » Ei , es wird wohl ein Hecht danach geschnappt haben ! « sagte ich gutmütig , und er gab diese Möglichkeit zu und fragte mich , ob ich nicht auch Einkäufe machen wolle ? » Freilich « , erwiderte ich , » ich möchte wohl diese Kette haben für meine Geliebte ! « und wies auf eine unechte , aber schön vergoldete Halskette . Jetzt ließ er mich nicht mehr los , sondern umwickelte mich mit einem moralischen Zwangsnetze , indem ihm die Neugierde , ob ich wirklich über meinen geheimnisvollen Schatz zu verfügen hätte , die Worte dazu lieh . So hatte ich keinen andern Ausweg , als nach Hause zu laufen und mir mit meinem Sparkästchen zu schaffen zu machen . Einige Augenblicke nachher ging ich wieder davon , einige glänzende Silberstücke in der festverschlossenen Hand , mit klopfender Brust dem Markte zu , wo mein lauernder Dämon mich empfing . Wir handelten um die Kette oder gaben vielmehr , was der Italiener forderte , ich wählte noch ein Armband von Achatschildern und einen Ring mit einer roten Glaspaste ; der Kaufmann besah mich und die schönen Gulden mit wunderlichen Blicken , steckte sie aber nichtsdestoweniger ein ; ich aber wurde schon auf dem Wege nach dem Hause fortgedrängt , wo meine Dame wohnte . Auf einem abgelegenen Platze standen etwa sechs Patrizierhäuser , deren Besitzer sich durch den Seidenhandel auf der Höhe früherer Vornehmheit erhielten . Weder eine Schenke noch ein sonstiges niederes Gewerbe zeigte sich in dieser Gegend , welche still und einsam in ihrer Reinlichkeit ruhte ; das Pflaster war weißer und besser als in anderen Stadtteilen , und kostbare eiserne Gartengeländer begrenzten dasselbe . In dem größten und vornehmsten dieser Paläste wohnte der Gegenstand meiner Lügen , eine jener jungen , anmutigen Damen , welche , schön und elegant gewachsen , mit rosiger Gesichtsfarbe , großen , lachenden